16-Jährige auf E-Bike in Cham schwer verletzt: Polizei plädiert für Helmpflicht

Cham auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt – da bleibt es nicht aus, dass Zweiräder auch immer häufiger in Unfallberichten auftauchen. Bei der Vorstellung der Verkehrs- und Unfallstatistik für das Jahr 2025 in der Kreisstadt nahm das Thema deshalb auch breiteren Raum ein. Appell der anwesenden Polizeibeamten: Helm tragen kann Leben retten. Nach wie vor werde vom Helmtragen zu selten Gebrauch gemacht.
41 Fahrradfahrer waren im vergangenen Jahr bei Unfällen beteiligt, 38 davon wurden verletzt. Daneben verzeichnete die Polizei zwei Unfälle mit E-Scootern und elf Unfälle mit E-Bikes – zwar jeweils weniger als im Vorjahr, doch: „Fast jeder Radfahrer hat nach einem Unfall Verletzungen, es gibt ja keine Knautschzone.“
Polizeioberkommissar Denny Ihling, der die Unfallstatistik zusammengestellt hatte, liefert auch gleich ein Beispiel: Demnach war eine 16-jährige Pedelec-Fahrerin im April unvermittelt links abgebogen und wurde dabei von einem überholenden Autofahrer übersehen. Beim Sturz verletzte sich die Teenagerin schwer am Kopf – sie war ohne Helm unterwegs. „Das Tragen eines Fahrradhelms verringert das Risiko für schwere Kopfverletzungen erheblich“, betont er. Sein Chef Stephan Gürster, Leiter der Chamer Polizeiinspektion, kann das nur unterstreichen. „Leider gibt es keine Helmpflicht.“ Er selber sei vor einiger Zeit schwer gestürzt und mit dem Hinterkopf auf dem Asphalt aufgeschlagen. „Außer einem kaputten Helm und Schürfwunden fehlte mir aber nichts – ohne Helm hätte das ganz anders ausgeschaut“, sagt er.

Vier Tote bei Unfällen im Bereich der PI Cham
Insgesamt verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr 1313 Unfälle im Stadtgebiet – 3,7 Prozent mehr als 2024. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 2 669 000 Euro. 26 Personen wurden bei den Unfällen schwer verletzt, 174 Leichtverletzte wurden registriert. „Die Verkehrstoten trüben das Gesamtbild“, konstatiert Ihling.
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Denn vier Menschen verloren im vergangenen Jahr im Dienstbereich der Polizeiinspektion Cham ihr Leben. „Alle aufgrund äußerst tragischer Umstände“, kann PI-Leiter Stephan Gürster dafür keine bestimmte Ursache ausmachen. Ein 62 Jahre alter Mann war im März mit seinem Motorrad an einem parkenden Lastwagen vorbeigefahren und dabei mit dem Querträger einer ausgefahrenen Stütze kollidiert. Ein 31-jähriger Motorradfahrer prallte Anfang April auf der B20 auf Höhe einer Einmündung beim Überholen gegen ein wendendes Auto. Ein 43 Jahre alter Biker verlor am 1. Mai auf einem Parkplatz die Kontrolle über sein Zweirad und touchierte auf 50 Meter Vorwärtsfahrt drei parkende Autos – er erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Bis heute konnte die genaue Unfallursache nicht geklärt werden, sagt Gürster. Ein Gutachten habe keinen Defekt am Motorrad ergeben. „Es handelt sich wohl um menschliches Versagen“, so der Polizeichef.
Tödliche Unfälle sind „alle tragisch“
Ebenso tragisch der vierte tödliche Unfall, zu dem die Polizei gerufen wurde: Im September geriet ein 76-Jähriger unter sein Fahrzeug, als es ungesichert wegrollte. Auch er starb später im Krankenhaus.

„Es ist kein Unfall dabei, der eine definitive Ursache wie erhöhte Geschwindigkeit oder ähnliches gehabt hätte“, so Gürster. Dennoch werde man insbesondere das Augenmerk auf Tempoüberwachungen im Straßenverkehr belassen. Gürster: „Jeder Tote ist einer zu viel. Rücksichtnahme und vorausschauendes Fahren könnten oft schwere Unfallausgänge vermeiden.“
Unfallflüchtige beschäftigen die Polizei schwer
Ein großer Arbeitsbereich der Polizei ist der Bereich Unfallflucht, stellt Ihling in seinem Bericht fest. 223-mal entfernten sich die Unfallverursacher hinterher vom Unfallort (Vorjahr: 196). „Tatorte sind meist die vielbesuchten Parkplätze der Verbrauchermärkte der Stadt Cham, vor allem in der Rodinger Straße“, sagt Ihling. Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 31 Prozent. „Ohne Mitteiler hat man keine Chance zum Aufklären“, so Ihling. Hier sei Zivilcourage gefragt.
Zwölf alkoholbedingte Unfälle bedeuten im Vergleich zu Vorjahr (13) kaum eine Veränderung. „Die letzten Jahre forderte der Alkohol keine Toten im Straßenverkehr“, betont Ihling. Dennoch sei Alkohol am Steuer eine der Hauptursachen für folgenschwere Verkehrsunfälle. Ein starker Anstieg dieser Fälle sei am Wochenende zu beobachten. „Von Freitag auf Samstag geht die Feierlaune los.“ Bei Unfällen mit erhöhter Geschwindigkeit – 14 – sei zwar ein Rückgang von sieben Prozent zu verzeichnen. Doch endeten 13 dieser Unfälle mit einem Personenschaden
Zahlen & Fakten
Häufigste Unfallursachen: Ungenügender Abstand (197 von 1313); Fehler beim Wenden/Abbiegen: 190; Nichtbeachten Rechtsfahrgebot: 84
Alkohol und Drogen: 27 Trunkenheitsfahrten über 1,1 Promille sowie 29 Trunkenheitsfahrten über 0,5 bis 1,09 Promille, 20 Drogenfahrten ohne Cannabis, 42 Drogenfahrten mit Cannabiseinwirkung, 23 verhütete Trunkenheits- und Drogenfahrten
Kontrollen: Elf Verstöße wegen nicht angelegtem Sicherheitsgurt, 166 Handyverstöße, 219 Messstunden mit der Laserpistole (358 Anzeigen, 49 Verwarnungen, elf Fahrverbote); Tempomessungen der Verkehrspolizei Regensburg mit 75 157 gemessenen Fahrzeugen, davon 2,8 Prozent zu schnell (862 Anzeigen, 1205 Verwarnungen, 26 Fahrverbote; Schnellster mit 168 km/h auf der B 85)
Weitere Verstöße: Fahren ohne Fahrerlaubnis: 52; Nötigung: 12; E-Scooter ohne gültige Versicherungsplakette: 20; Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr: 14; Handynutzung auf dem Fahrrad (!): 2; Kraftfahrzeugrennen: 2; Kennzeichenmissbrauch: 6; Vergehen Pflichtversicherungsgesetz: 85