Start mit Starkoch: Deutsch-tschechisches Expertenforum will kulinarisch Brücken bauen

Wo Grenzen – ob sichtbar oder unsichtbar – die Menschen trennen, kann Essen die gemeinsame Sprache sein. Die Initiative „Kulinarische Brücken“ will genau dafür werben. Ein bayerisch-tschechisches Expertenforum soll konkrete Projekte erarbeiten, um das gemeinsame gastronomische Erbe der Region zu bewahren und in eine neue Zeit zu überführen. Am Montag war die große Auftaktveranstaltung zum Projekt im „Stoi“ von Starkoch Lucki Maurer in der Gemeinde Rattenberg (Landkreis Straubing-Bogen).
38 Vertreter aus Gastronomie, Kulinarik, Tourismus, Handwerk und Politik beidseits der Grenze haben bei Maurer Ideen erdacht, die am Ende die kulinarische Identität einer ganzen Region stärken sollen. Austauschprogramme, gemeinsame Events und auch eine stärkere digitale Vernetzung haben die Experten nach dem tagesfüllenden Workshop als Schlüssel zum Erfolg auserkoren. Im Nachgang sollen die Visionen nun zügig in die Praxis umgesetzt werden.
Über das Essen Vertrauen wiederherstellen
Initiiert haben das Forum Gastrosophin Elke Scholand-Bredl (gebürtig aus Zwiesel) und Tischkultur-Expertin Katerina Steeger. „Wenn Nachbarländer gemeinsam kochen und essen, entsteht Vertrauen“, sagte Steeger im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern.
Politische, aber auch sprachliche Barrieren hätten für Brüche dieses Vertrauens gesorgt und damit auch den bayerisch-böhmischen Kulturraum auseinanderdriften lassen. Und auch über 36 Jahre nach Fall des Eisernen Vorhangs ist der Kitt in vielen Bereichen noch immer nicht gelungen. Bei der Tisch- und Essenskultur wollen Scholand-Bredl und Steeger mit den Branchenvertretern nun einen großen Schritt zurück zum Gemeinsamen machen.
Auch Vertreter aus der Politik zu Gast
Obwohl es sich um eine Privatinitiative handelt, ist auch der politische Wille zur Zusammenarbeit vorhanden: Tobias Gotthardt, Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium, Ivana Cervenková, Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, sowie Lukáš Opatrný, Konsul für Politik und Handel, waren beim Treffen vor Ort.

„Das Interesse zur Zusammenarbeit ist sehr groß“, berichtete Elke Scholand-Bredl nach dem Projekttag auf dem Hof von „Fleischpapst“ Lucki Maurer. Dieser betonte gegenüber der Mediengruppe Bayern, dass es ihm ein Anliegen gewesen sei, Veranstaltungsort für den Auftakt von „Kulinarische Brücken“ zu sein. „Aus meiner Sicht ist so ein Projekt längst überfällig“, sagte er.
Lucki Maurer: „Sollten gemeinsam genießen“
Maurer ist in Neukirchen beim Heiligen Blut (Landkreis Cham) unweit der tschechischen Grenze aufgewachsen, hat an der Hotelberufsschule in Viechtach sein Handwerk gelernt und nimmt noch immer geistige Barrieren wahr – vor allem auf deutscher Seite. „Wir sollten voneinander lernen, gemeinsam genießen und einfach mehr aufeinander zugehen – egal, welche Sprache man spricht“, betonte Maurer.
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Die Kommission will sich fortan mindestens einmal jährlich treffen, beim nächsten Mal dann auf tschechischer Seite. Im Raum steht eine Zusammenkunft bei einem „Oktoberfest“ in Prag.