Mit den Reha-Zentren in Deutschland ist eine wichtige Schnittstelle unter Druck

Von Stefan Weber · 20. Februar 2026 um 05:00

Schon im Eingangsbereich des Rehazentrums wird Klaus Holetschek am Donnerstagvormittag von Patienten erkannt. Kein Wunder: Immerhin war der CSU-Politiker vor noch nicht allzu langer Zeit Bayerischer Gesundheitsminister, bevor er Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Bayerischen Landtag geworden ist. An diesem Tag interessiert ihn aber das Thema Gesundheit wieder einmal am meisten.

Gekommen ist der Politiker nicht allein: Er befindet sich an diesem Tag auf Rundreise durch den gesamten Bezirk Oberpfalz. Dass es dabei in das Mittelbayerische Rehazentrum am Ludwigsberg geht, ist kein Zufall: Zum einen war er erst vor zwei Jahren hier und hatte – noch als Gesundheitsminister – seine volle Unterstützung für die Belange aller Rehakliniken im Freistaat zugesagt. Zum anderen ist das Haus „eines der zehn größten in ganz Bayern“, wie Raphael Nguyen, Geschäftsführer der Kliniken, sagt.

Klinik besteht sei rund drei Jahrzehnten

Holetschek ist in Begleitung mehrere Landtagsabgeordneter. Mit dabei sind Dr. Gerhard Hopp, Martin Wagle, Prof. Winfried Bausback und Landtags-Vizepräsident Tobias Reiß sowie Landrats-Kandidat Michael Multerer sowie Carola Höcherl-Neubauer und Manfred Duschinger vom CSU-Ortsverband.

Nguyen geht es darum, einen Einblick in die Klinik zu geben und darauf aufmerksam zu machen, wo die Herausforderungen liegen. Mit Blick auf das 30-jährige Bestehen der Einrichtung derzeit etwa bei Sanierungsarbeiten. Alleine die Ertüchtigung aller Bäder in den mittlerweile fast durchgängig angebotenen Einzelzimmern koste dem Rehazentrum rund 4,5 Millionen Euro.

Tagessatz pro Patient liegt bei unter 200 Euro

Eines der größten Probleme sei derzeit, dass der aktuelle Tagessatz pro Patient bei unter 200 Euro liege. „Dafür bekommt man bei einem Hotelbetrieb auf keinen Fall auch noch die Vollverpflegung wie bei uns“, rechnet Nguyen vor – von medizinischer Betreuung und den notwendigen Rücklagen für Sanierungen und Investitionen ganz zu schweigen. Dabei, rechnet er vor, seien Investitionen in Rehamaßnahmen immer welche, die sich „innerhalb von sechs Monaten amortisieren“ – nämlich dadurch, dass die Menschen etwa nach einer Operation wieder schneller zurück in die Arbeit könnten und damit wieder zum Zahler statt zum Empfänger würden.

Nach gut anderthalb Stunden, in denen noch von vielen weiteren Herausforderungen von Einrichtungen wie dem Rehazentrum gesprochen wurde, sagt auch Klaus Holetschek: „Reha, das ist Zukunftsmedizin, kein Luxus.“ Aber sie sei eben auch ein hoch politisches Thema: „Wer nach einem Platz in der Reha fragt und darauf keine Antwort bekommt, der zweifelt letztlich auch am Staat – und Strukturen, die jetzt wegfallen, die werden auch nicht wieder kommen.“ Darum zeigte sich Holetschek überzeugt, dass bei der Vergütungsstruktur nachgebessert werden müsse. „Es kann ja nicht sein, dass eine gut laufende Einrichtung deshalb irgendwann vom Netz gehen muss.“ Vor allem mit Blick darauf, dass die Reha von Prävention bis Rente und vielen weiteren Bereichen verschränkt sei, bilde sie eine wichtige Schnittstelle, die es zu erhalten gelte.

Auch MdL Dr. Gerhard Hopp (l.) und Landratskandidat Michael Multerer (r.) nutzten die Gelegenheit, sich über die aktuellen Herausforderungen informieren zu können. - Foto: Stefan Weber

Da viele Entscheidungen allerdings auf Bundesebene getroffen würden, gelte es, aus den Ländern weiterhin Druck zu machen, um sich der drängenden Themen rund um die Reha anzunehmen. Denn der Bedarf werde bei einer weiter alternden Gesellschaft, die länger im Arbeitsleben bleiben soll, steigen.

Das Mittelbayerische Rehazentrum in Zahlen

■ Mitarbeiter: 392 seit Beginn dieses Jahres – in den vergangenen zehn Jahren eine Steigerung um 68 Mitarbeiter oder anders ausgedrückt: 20 Prozent. Damit nach eigenen Angaben größter Arbeitgeber im Stadtgebiet von Bad Kötzting derzeit.

■ Behandlungskapazität: Mehr als 4000 Patienten werden pro Jahr behandelt – bei insgesamt 333 Behandlungsplätzen in beiden Häusern am Fuße des Ludwigsberges.

■ Regionaler Faktor: Das Mittelbayerische Rehazentrum gehört nach eigenen Angaben zu den Top 10 der größten Rehakliniken in ganz Bayern, wobei es deutschlandweit im Freistaat am meisten Rehakliniken gebe. Das Rehazentrum sei damit größter Beitragszahler für Kurtaxe und Fremdenverkehr in der Stadt. wf