Gemeinsam stark: medbo eröffnet Zentrum für Psychosomatik & Psychiatrie in Parsberg

Während deutschlandweit Krankenhäuser schließen, wurde in Parsberg (Landkreis Neumarkt) das neue Zentrum für Psychosomatik & Psychiatrie eröffnet. Möglich wurde das nur, weil alle politischen Ebenen an einem Strang gezogen haben. Trotzdem war es ein „schwieriger, steiniger Weg“, wie Landrat Willibald Gailler beim Festakt am Mittwoch sagte.
Vor sechs Jahren hatten die Wähler ihn und Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer bei den Kommunalwahlen deutlich spüren lassen, was sie von der Schließung des Parsberger Krankenhauses hielten. „Wir haben nicht geschlossen, wir haben weiterentwickelt“, sagte Gailler. Die Einweihung der neuen Klinik mit ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten für psychisch kranke Menschen sei eine Gemeinschaftsleistung gewesen, unterstrich Bauer.

„Gott sei Dank haben wir damals so entschieden“, sagte auch Finanzminister Albert Füracker und betonte: „Die Politik hat Wort gehalten.“ Überall werde über Geldmangel gesprochen – in Parsberg sehe man, wie Geld effizient investiert werden kann. Und Bezirkstagspräsident Franz Löffler gab ihm recht: „Eigentlich müsste Bayern heute auf Parsberg schauen: Wir geben eine Antwort auf Herausforderungen unserer Zeit, während man sich anderswo noch schwer tut zu entscheiden.“
medbo hat 2900 Patienten im Jahr 2025 behandelt
Denn die Kosten für eine stationäre Behandlung seien kaum mehr zu bezahlen, eine ambulante Behandlung werde immer wichtiger. Darüber hinaus leide inzwischen jeder vierte Deutsche einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. Deshalb sei eine wohnortnahe Versorgung so wichtig. 2900 Patienten seien im vergangenen Jahr von der medbo in Parsberg behandelt worden.
Hier erhalten Sie noch mehr Einblicke in die Räume der psychosomatischen Klinik Parsberg:















Und dass die medbo, die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz, darüber hinaus auch noch wirtschaftlich arbeite, beweise der Eigenanteil in Höhe von 5,4 Millionen Euro an der gesamten Finanzierung. 14,6 Millionen Euro hatte der Freistaat übernommen, die Stadt Parsberg rund 400.000 Euro, denn mit der neuen Parkgarage habe gleich die Parkplatzsituation in der Stadt entspannt werden können, ergänzte Josef Bauer.
Dass auch der Bau selbst schwierig und steinig gewesen ist, führte Architekt Georg Kerschberger aus. Der felsige Untergrund und die Hanglage habe einige Herausforderungen mit sich gebracht. Aber es sei gelungen, aus der Not eine Tugend zu machen, Zugänge auf verschiedenen Ebenen zu schaffen und die Parkgarage elegant einzufügen. Ziel sei es gewesen, eine „Architektur im Dienste der Heilung“ zu kreieren, mit viel Licht, Ruhe, klaren Strukturen und Innenhöfen. Darüber hinaus sei der Bau so konzipiert worden, dass er aufgestockt werden könne.
Pfarrer Wolfgang Döring: Barmherzigkeit und medizinische Hilfe
Von dem Ergebnis konnten sich die zahlreichen Ehrengäste aus Politik und Medizin im Anschluss selbst ein Bild machen. Pfarrer Wolfgang Döring und Kaplan John Peter Arumugam erteilten ihnen den Segen der beiden christlichen Kirchen – wie auch all den Personen, die im Zentrum arbeiten werden sowie die Patienten. Aller modernen Therapien zum Trotz habe der Mensch nicht alles in der Hand, verwies Pfarrer Döring auf die Macht Gottes. Und er rief die Anwesenden auf, es dem barmherzigen Samariter aus der Bibel gleich zu tun und „Barmherzigkeit in unserem Leben Raum zu geben“.

Der Vorstand der medbo und gleichzeitig Chefarzt Dr. Dr. Hausner zeigte den Gästen, wo die Patienten künftig schlafen, essen, kochen und therapiert werden. 25 Betten bietet der stationäre Bereich. Zwischen Doppelzimmern, Küchen und Aufenthaltsräumen befindet sich jeweils das Herzstück, ein Stationsstützpunkt von Glas umgeben, damit die Bereiche gut einsehbar sind und das Pflegepersonal niederschwellig ansprechbar ist, so Hausner.
Dr. Christian Schweiger gab den Besuchern einen Einblick in sein Reich, die Neurostimulation, die ein ganz besonderes Angebot für die Patienten sei. Weil der medbo eine wissenschaftliche Begleitung der Therapie wichtig sei, wurde am Mittwoch ein Kooperationsvertrag mit der Döpfer Hochschule geschlossen.

Die private Hochschule mit dem Fokus auf Gesundheitsberufe bietet beispielsweise ein Studium der psychiatrischen Pflege an, das gemeinsam mit der medbo entwickelt worden sei, sagte der Vizepräsident Forschung, Prof. Dr. Andreas Liebl. In der Psychosomatik brauche es hoch qualifiziertes Fachpersonal, das mit den komplexen Krankheitsbildern umgehen und mehr Verantwortung übernehmen kann. Döpfer sei der passende Partner für Ausbildung, Lehre, Forschung und Qualifizerung zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

Wenn diese in Parsberg behandelt werden, leiden sie an Angststörungen, chronischen Schmerzen, Erschöpfungssyndromen, Burn-out und anderen psychosomatischen Krankheiten, führte Hausner an. Körper und Psyche würden gemeinsam behandelt etwa mit Akupunktur, Ergotherapie, Einzel- und Gruppensitzungen, Neurostimulationsverfahren und Neurofeedback, aber auch tiergestützter Therapie. Mit dem Angebot könne eine große Versorgungslücke geschlossen werden, sagte Hausner und bedankte sich ausdrücklich bei allen Akteuren.