Wann wird's privat? Das sagen Preidls über Politik mit Kind – und die eigene Hochzeit

Es gibt Leute, die sagen, dass Julian Preidl auf Social Media eigentlich nix auslässt. Kurz vor Weihnachten aber hat der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler aus Bad Kötzting (Landkreis Cham) nur dezent via Instagram auf einen Umstand hingewiesen, der sicher klickträchtiger hätte gepostet werden können: seine eigene Hochzeit.
Zeit für ein Gespräch mit Jessica, Jan und Julian Preidl über Eltern in der Politik, die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem und Papa-Zeit am frühen Morgen. Den Rahmen für den Termin setzt – ganz klar – Jan. Anfangs guckt der 15 Monate alte Bub noch neugierig auf den Reporter und den Kameramann für das Videointerview auf mittelbayerische.de. Bald aber wird er ungeduldig, will mal zu Mama Jessica, mal zu Papa Julian, mal auf Entdeckungstour in Preidls Bürgerbüro nahe des Chamer Rathauses gehen. Und irgendwann mag er halt dann gar nicht mehr. Kein Problem: Junge Eltern haben Übung darin, die Zeit zu nutzen, die ihnen der Nachwuchs einräumt.
Vor allem für sich genutzt haben die Preidls ihre standesamtliche Hochzeit kurz vor Weihnachten in Berlin, der Stadt, in der sich die beiden näher kennengelernt haben. Keine Gäste, keine Pressemitteilung, fast kein Social Media, nur die beiden und ihr Sohn Jan. Eine ganz bewusste Entscheidung, sagt Jessica Preidl. „Wir konnten das zu dritt für uns genießen.“
Preidl: Man muss auch mal „Politik Politik sein lassen“
Natürlich teile man als Politiker immer auch einen Teil des Privatlebens mit der Öffentlichkeit, sagt der 30-jährige Landtagsabgeordnete Julian Preidl. Man müsse aber „auch mal Politik Politik sein lassen“ und ganz bewusst etwas für die Familie tun. Es sei deshalb kein Thema gewesen, die Hochzeit in Berlin im großen Stil zum Beispiel über Social Media zu teilen. Mal sehen, wie das bei der noch ausstehenden kirchlichen Hochzeit wird, die irgendwann, aber fest eingeplant ist.
Dass das Privatleben von Politikern oftmals aufmerksamer verfolgt wird als das von Lieschen Müller, ist bekannt. Beim Umgang damit hilft dem Ehepaar Preidl, dass auch die 29-jährige Jessica keine Anfängerin auf diesem Feld ist. In ihrer Heimat, dem unterfränkischen Obernburg am Main, war sie unter ihrem Mädchennamen Klug für die Freien Wähler aktiv, als Gemeinde- und Kreisrätin, Kreisgeschäftsführerin, Bundestagskandidatin und als Mitglied im Landesvorstand der Jungen Freien Wähler in Bayern. Sie wusste also, worauf sie sich einlässt, als sie sich für Julian und das gemeinsame Kind entschieden hat.
„Wir wollen da einen guten Mittelweg gehen“
Gerade mit Blick auf den Nachwuchs müsse man sich immer wieder überlegen, wie weit man die Tür zum eigenen Haus für die Allgemeinheit öffnet. „Wir wollen da einen guten Mittelweg gehen“, sagt Jessica Preidl. Schließlich ermögliche es dieser Einblick dem Wähler, besser einzuschätzen, warum Julian Preidl bestimmte Themen auf bestimmte Art und Weise angeht.
Denn zumindest an der Stelle unterscheidet sich das Leben von Jessica und Julian Preidl nicht von dem von Lieschen und Otto Müller: Die Geburt des ersten Kindes stellt vieles auf den Kopf. Und auf den Prüfstand.
Morgens ist Papa-Zeit.Jessica Preidl
Wenn dann der Papa für einen Termin oft mehrere Stunden fahren muss und Veranstaltungen abends oder am Wochenende eher die Regel als die Ausnahme sind, dann stellt das eine junge Familie durchaus vor Herausforderungen. Da helfen besondere Regelungen, wenn der große und der kleine Preidl trotzdem Zeit miteinander verbringen wollen.
Bei Volks-, Feuerwehr- oder Kindergartenfesten ist Jan gern dabei
„Morgens ist Papa-Zeit“, berichtet Jessica Preidl. Dass man heutzutage Sitzungen der Fraktion auch digital abhalten kann, helfe sehr. Ebenso, dass der kleine Mann gern dabei ist, wenn der Vater bei Volks-, Feuerwehr- oder Kindergartenfesten präsent sein muss und will. „Wir sind schon ein bisschen überrascht, wie viel Zeit Julian dann doch mit Jan verbringen kann“, sagt Jessica. Auch deshalb reisen die Preidls schon mal zu dritt zur Klausurtagung der Landtagsfraktion oder mit einer Besuchergruppe zum Bischof von Regensburg.
Natürlich ist der alltägliche Politikbetrieb im bayerischen Landtag nicht direkt abgestimmt auf die Bedürfnisse junger Eltern, sagt Julian Preidl. Doch da sei einiges in Bewegung. Die jugendpolitischen Sprecher fast aller Fraktionen hätten vor nicht allzu langer Zeit Kinder bekommen, ebenso zum Beispiel Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) oder die grüne Fraktionschefin Katharina Schulze. „Man merkt schon, dass das was verändert“, sagt Preidl.
Julian Preidl mach sich für „echte Wahlfreiheit“ stark
Auch an der eigenen Agenda? „Klar“, sagt der Abgeordnete. Wer selbst Vater sei, der blicke mit anderen Augen auf die Welt. So hat er sich erst kürzlich in einer Plenardebatte des bayerischen Landtags erneut für den Ausbau der Kinderbetreuung ausgesprochen und „echte Wahlfreiheit“ gefordert bei der Frage, ob junge Eltern lieber länger zuhause bleiben oder bald wieder arbeiten gehen sollen. „Die Entscheidung soll nach Gefühl getroffen werden und nicht nach dem Geldbeutel“, sagt er.
Und Jessica Preidl? „Ich finde es im Moment ganz angenehm, auf einer andere Ebene zu arbeiten und sozusagen vom Back-Office aus beratend tätig zu sein“, erzählt sie. „Es reizt sie aber schon immer wieder, auch selbst politisch aktiv zu werden“, verrät ihr Mann. So habe sie sich aktiv eingebracht bei einer Initiative mit dem Ziel, die Spielplatzsituation in Bad Kötzting zu verbessern, und unter anderem eine Umfrage dafür erarbeitet.
Klausurtagung oder Kindergarteninitiative, Feuerwehrfest oder Fachsitzung – die Frage, was in ihrem Lebens am wichtigsten ist, beantworten Preidls einhellig und eindeutig: „Es gibt keinen besseren Booster für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, als ein Kind groß zu ziehen“, sagt Jessica Preidl und ihr Mann ergänzt: „Es gibt nichts Sinnstiftenderes.“