Demografischer Wandel: Das sind die Ideen der Landratskandidaten in Cham

Die Menschen im Bayerischen Wald werden älter, der demografische Wandel ist in vollem Gang. Das hat Auswirkungen auf Pflege, Ärzteversorgung und weitere Aspekte im Gesundheitssektor. Was muss der Landkreis tun, um sich zu wappnen? Wie kann Migration helfen, die drohenden Lücken im Rentensystem zu bekämpfen? Die sechs Chamer Landrats-Kandidaten versuchten, bei der Podiumsdiskussion in der Rodinger Stadthalle auf diese schwierigen Fragen Antworten zu finden.
In 20, 30 Jahren, wenn die Generation der Baby-Boomer im Rentenalter sei, werde sich das Problem bei der Pflege noch stark vergrößern, sagte Michael Multerer (CSU). Ohne gezielte Migration werde es nicht zu schaffen sein, die benötigten Arbeitsplätze zu besetzen. Außerdem gelte es, Lösungen zu finden, damit die Menschen im Alter so lange es geht zu Hause bleiben können. Im Landkreis gäbe es ein zukunftsfähiges Netzwerk im Gesundheitssektor, das es weiter auszubauen gelte. Zuwanderung sei wichtig, es gelte, die Menschen dann schnell in Lohn und Brot zu bringen. Auch innovative Projekte könnten dabei helfen, etwa die sehr erfolgreiche Ausbildungskooperation des Landkreises mit Kirgistan.
„Niemanden abschieben, der in Arbeit ist“
Ein großes Problem rolle in diesem Sektor auf ganz Deutschland zu, so Alfred Stuiber (FDP). Eine vernünftige Migration sei nötig, und es dürften auch nicht Menschen abgeschoben werden, die Arbeiten würden oder in Ausbildung seien, „nur, weil es einfach ist, sie zu finden“.
Christian Oberthür (Die Linke) sprach sich dafür aus, pflegende Angehörige stärker zu unterstützen, die Zahl an Kurzzeit-Pflegeplätzen zu erhöhen, mehr Personal in Seniorenheimen einzustellen und Wege zu finden, um die Ärzteversorgung zu sichern. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Migration, vor allem bei der Ausbildung seien deutliche Vereinfachungen nötig. Es könne nicht sein, dass der Switch vom Asylsuchenden zum Auszubildenden nicht direkt möglich sei, „wir müssen die Menschen schneller in Arbeit bringen.“
Es gelte, für diese wichtigen Probleme Lösungen zu suchen, befand Sascha Kretz (Grüne). Wichtig sei es seiner Meinung nach, Pflegekräften und Personal mehr Zuspruch zu geben. Auch er sprach sich dafür aus, Asylsuchenden den Einstieg in die Arbeit zu erleichtern.
Alle Filme zur Podiumsdiskussion in Roding finden Sie hier: Landratswahl im Landkreis Cham – Alle Themen der MZ-Podiumsdiskussion in der Videogalerie
Pflegende Angehörige bräuchten schnelle und unbürokratische Hilfen, betonte ebenso Steve Brachwitz (SPD). Den Landkreis sieht er im Gesundheitssektor auf einem guten Weg.
Um das System trotz des demografischen Wandels aufrecht erhalten zu können, sei Zuwanderung zwingend erforderlich. „Es ist auch nicht für jeden Beruf wichtig, gleich sehr gut Deutsch sprechen zu können“, sagte Brachwitz. Jeder, der sich an die Regeln halte, solle in Deutschland bleiben können.
Wunsch nach stationärem Hospiz im Landkreis
„Ein gut bestelltes Feld“ sei das Thema Gesundheit im Landkreis, befand Christian Schindler (Freie Wähler). Wichtig sei, seniorengerechtes Wohnen in den Kommunen zu schaffen, wie zuletzt etwa in Walderbach geschehen. Ein großer Wunsch von ihm ist ein stationäres Hospiz im Landkreis, um ein würdiges Sterben im Alter zu ermöglichen. Zuwanderung sei angesichts des größer werdenden Fachkräftemangels nötig, das Prinzip bei Asylsuchenden müsse „Fördern und Fordern“ sein, so Schindler.





