Kampf um Chefposten im Rathaus: Auf Berchings neuen Bürgermeister wartet viel Arbeit

Von Bernhard Neumayer · 31. Januar 2026 um 11:00

Schule, Kindergarten, Kulturfabrik, Rathaus, Europahalle, Berle-Bad: Die Liste an laufenden und anstehenden Projekten in Berching ist lang. Doch wie soll die Stadt das alles finanzieren? Welche Ideen die Bürgermeisterkandidaten haben, teilen Peter Hollweck (CSU), Dietmar Zeller (Bürgerliste) und Lothar Bierschneider (FW) mit.

Schule und Kitas: Wie sehen die Kandidaten Berching aufgestellt?

Peter Hollweck (CSU): Wenn die Kita an der Südtangente fertiggestellt ist, habe die Stadt in diesem Bereich ihre Hausaufgaben gemacht, sagt Hollweck. „Hier wird aber zukünftig sicher auch notwendig sein, die Öffnungszeiten den Bedürfnissen der Eltern anzupassen.“ Bei der Schule habe Berching in allen Bereichen – Mittagsbetreuung, gebundener sowie offener Ganztag – Angebote. „Das Ziel sollte sein, dass allen die gewünschte Betreuungsform zur Verfügung steht.“

Peter Hollweck kandidiert für die CSU als Bürgermeister in Berching. - Foto: Alla Wiedenmann

Zum Schulneubau: „Der bisherige Stadtrat und die Stadtführung hat soweit ich weiß, alles Nötige in die Wege geleitet, das nun nach fast 20-jähriger Diskussion endlich mit dem Bau begonnen werden kann. Als erstes steht für mich im Raum, diese Beschlüsse zu akzeptieren und auf direktem Wege umzusetzen. Die Zeit der Diskussionen muss endlich vorbei sein.“ Aufgabe werde sein, die Kosten im geplanten Rahmen zu halten und den Bau durchzuziehen.

Dietmar Zeller (Bürgerliste): „Unsere Kinder brauchen moderne, gut ausgestattete Kitas und Schulen.“ Wichtig sei eine vorausschauende Planung der Betreuungsplätze – nicht erst bei Anmeldeschluss. „Der Dialog mit Trägern und Eltern muss intensiviert werden, um praktische Probleme zu lösen.“ Die Zusammenarbeit mit der Katholischen Kindertageseinrichtungen Oberpfalz gGmbH funktioniere, aber es gebe noch Optimierungsbedarf.

Dietmar Zeller kandidiert für die Bürgerliste als Bürgermeister für Berching. - Foto: Bianca Bayerschmidt

Beim dringend benötigten Neubau der Schule seien die Weichen gestellt. Aktuell laufe die Genehmigung für Bauabschnitt eins. Sobald diese vorliege, müssen Ausschreibungen zügig starten. „Ich werde die Bauphase eng begleiten, um eine funktionale, kosteneffiziente Schule zu gewährleisten – mit Fokus auf lokale Unternehmen, soweit rechtlich möglich.“ Parallel müsse die Planung für Bauabschnitt zwei vorangetrieben werden.

Lothar Bierschneider (FW): Bildung und Kinderbetreuung seien die Grundlage dafür, dass Familien gern in Berching leben und bleiben. Deshalb brauche es hier weniger Diskussionen und mehr Verlässlichkeit im Alltag – und „endlich Tempo, Klarheit, Konsequenz und Transparenz bei den großen Projekten“. Der Engpass sei weniger der gute Wille, sondern es müssen genügend Personal, Räume und Materialien zur Verfügung stehen.

Lothar Bierschneider kandidiert für die Freien Wähler als Bürgermeister in Berching. - Foto: Christoph Herbaty

„Bei der Schule geht es mir um den Ausbau und der Förderung von verlässlicher Ganztags- und Nachmittagsbetreuung sowie um eine bessere Verzahnung von Schule, Mittags- und Nachmittagsbetreuung.“ Ziel müsse sein: „Eltern müssen planen können.“ Es brauche langfristige Konzepte statt kurzfristiger Notlösungen. „Zudem muss die Stadt die Nutzung von Schulräumen auch außerhalb der Unterrichtszeiten ermöglichen und mit Vereinen und/oder Musikgruppen zusammenarbeiten.“

Wie soll es mit Kulturfabrik und Pettenkoferhaus weitergehen?

Hollweck: „Unser Ziel ist der Erhalt der Kulturfabrik. Sollte dieser wirtschaftlich oder rechtlich nicht darstellbar sein, stehen wir für einen funktionalen und zweckmäßigen Neubau.“ Mit flexibel buchbaren Räumen solle so vielen Vereinen wie möglich eine Heimat gegeben werden. Die Umsetzung solle so bald wie möglich starten.

Die Kulturfabrik, in der Vereine und Jugendliche untergebracht sind, ist baufällig. - Foto: Bernhard Neumayer

„Beim Pettenkoferhaus sollte ein Gespräch stattfinden zwischen Besitzer (Pfarrer) und dem Bürgermeister. Ziel sollte es sein, festzustellen, wie die Gemeinde den Besitzer für einen Weiterbetrieb unterstützen kann.“ Tatsächlich sei ein Weiterbetrieb durch einen neuen Besitzer wie beispielsweise der Gemeinde nicht möglich. Der derzeitige Betrieb sei noch möglich, weil in Sachen Fluchtwege et cetera einiges geduldet sei. „Sobald ein neuer Besitzer beziehungsweise Betreiber eingetragen ist, gelten hier andere Regeln.“ Außerdem sei das Gebäude als Grablege und ehemalige Kirche ein finanziell nicht zu stemmendes denkmalgeschütztes Vermächtnis für die Kommune. „Daher sollte die Kirche dabei unterstützt werden, für ihre kirchlichen Vereine, dieses Gebäude kostentragend zu erhalten.“

Zeller: Die gesperrte Kulturfabrik sei eine Herausforderung. „Eine Sanierung halte ich für kritisch: Das Gebäude ist schon jahrzehntelang nur provisorisch genutzt, eine dauerhafte Genehmigung fehlt. Zudem treten bei einer Sanierung mit ziemlicher Sicherheit Schadstoffe wie Asbest und andere Schwermetalle zutage, was die Kosten einer Sanierung erheblich erhöhen würde.“ Übergangslösungen für Vereine seien nötig. „Hier würde ich bei der Suche nach Kräften unterstützen, aber langfristig brauchen wir eine nachhaltige Lösung.“

Das Pettenkoferhaus in Berching geört der Kirche. Es steht zum Verkauf. - Foto: Bernhard Neumayer

Zum Pettenkoferhaus: Der Stadtrat hat den Kauf bereits zweimal abgelehnt. „Auch ich sehe die Eignung als Kultureinrichtung kritisch – der Standort ist aufgrund der Innenstadtlage direkt neben der Kulturhalle und der Parkplatzsituation nicht optimal, die Sanierungskosten wären kaum vertretbar.“ Stattdessen brauche es einen offenen Dialog, welche Lösungen tragfähig seien.

Die Gemeinde sei nicht verpflichtet, Räume zu stellen. „Aber wir sollten trotzdem mit Vereinen, Musikgruppen und Bürgern eine Lösung finden. Erster Ansatz wäre, dass der zukünftige Bürgermeister das Gespräch mit der Kirche sucht, um eine vorübergehende Lösung für einen Weiterbetrieb durch die Kirche für ein, zwei Jahre zu sichern.“ Damit verschaffe man sich Zeit für weitere Überlegungen. „Für diese Zeit könnte man auch Gruppen, die in der Kulturfabrik ihre Bleibe verloren haben, dort mit unterbringen.“

Bierschneider: „Die Kulturfabrik ist mehr als ein Gebäude – sie ist ein gewachsener Ort für Vereine, Musik, Jugend- und Subkultur. Nach den mir derzeitig vorliegenden Informationen erscheint mir eine weitere Nutzung der Kulturfabrik als sehr herausfordernd. Bevor jedoch keine relevanten Zahlen, Fakten oder Gutachten vorliegen, werde ich keine Option vorschnell ausschließen. Wir müssen eine tragfähige und vor allem finanzierbare Lösung oder Alternative finden, aber zügig.“ Kurz- und mittelfristig denkbar seien: Zwischennutzungen leerstehender Gebäude, Mehrfachnutzung von Schulen, Turnhallen oder öffentlichen Gebäuden. „Vorstellbar wären auch modulare Lösungen (Container, Pavillons) sowie Kooperationen mit privaten Eigentümern oder Trägern.“ Vereine und Gruppen dürften nicht einfach verdrängt werden. „Vereine sollen selbstverständlich weiter unterstützt werden, ich sehe die Stadt in der Verantwortung, zumindest koordinierend und unterstützend tätig zu werden.“

Zum Pettenkoferhaus: „Ich halte es für sinnvoll, mit der Kirche zu sprechen. Man sollte alle Optionen ernsthaft prüfen und nicht von vorne herein abschenken oder ungenutzt lassen. Ein Bürger- oder Vereinshaus im Pettenkoferhaus könnte Räume für Kultur, Vereine und Initiativen bündeln, generationsübergreifend wirken, das Gebäude langfristig sichern und beleben.“

Wo wird gespart? Wo kann man neue Einnahmen generieren?

Hollweck: „Die kommenden Jahre werden finanziell sehr anspruchsvoll, unter anderem wegen Schule, Kita, Jugendraum, Kläranlage und Europahalle.“ Die Stadt dürfe sich deshalb nicht noch weitere Sanierungsgebäude aneignen.

„Für mich heißt das: Prioritäten setzen, Fördermittel nutzen, Projekte sauber planen und Kosten realistisch kalkulieren und in einer bezahlbaren Ausführung.“ Gleichzeitig müsse man Einnahmen generieren: Ausweisung von neuen Gewerbeflächen sowie die Nutzung bestehender Flächen sei unumgänglich. Kein Jungunternehmer solle die Gemeinde verlassen müssen, um seine Firma zu verwirklichen. „Mir ist wichtig, dass Bürger nachvollziehen können, warum Geld wofür eingesetzt wird.“ Ehrlichkeit sei das oberste Gebot: „Wir machen keine unrealistischen Versprechungen, sondern setzen konsequent auf das Machbare.“

Zeller: Zwei Hebel seien entscheidend: Kosten kontrollieren, Einnahmen stärken. „Bei Bauprojekten setze ich auf effizientere Planung und Umsetzung sowie generell auf weniger Fremdvergabe von Leistungen, die Stadt und Bauhof selber leisten können.“ Bei den Einnahmen liege der Fokus auf der Gewerbesteuer – nicht durch höhere Sätze, sondern durch mehr Erfolg bei ansässigen Unternehmen und gezielte Ansiedlung neuer Betriebe. Dafür brauche es einen Bürgermeister, der die Wirtschaftsförderung aktiv vorantreibe, Unternehmen gezielt unterstütze und Berching als attraktiven Standort weiterentwickle. „Dieses Thema steht ganz oben auf meiner Agenda. Den Bürgerinnen und Bürgern versichere ich: Ich werde alles daransetzen, dass Berching auch in Zukunft handlungsfähig bleibt.“

Bierschneider: „Entscheidend ist für mich ein Mix aus kluger Priorisierung, effizientem Mitteleinsatz und der Schaffung von Einnahmequellen: Dafür müssen wir städtische Grundstücke strategisch entwickeln statt verkaufen. Wir müssen Gewerbeansiedlung stärken: Mehr Arbeitsplätze bedeuten langfristig höhere Gewerbesteuereinnahmen.“ Zudem spricht sich Bierschneider für Photovoltaik auf kommunalen Dächern aus, zum Beispiel auf dem Dach des Berle-Bads.

„Schulden sollen wir gezielt für Zukunftsinvestitionen einsetzen, nicht für laufende Ausgaben.“ Der FW-Kandidat ist für eine interkommunale Zusammenarbeit (bei Schulen, Kitas und IT). „Öffentlich-private Partnerschaften können wir dort eingehen, wo sie wirtschaftlich sinnvoll und transparent sind.“ Zudem könne man bei Kitas und Betreutem Wohnen mit Wohnungsbaugesellschaften kooperieren.

Das liegt Berchings Bürgermeisterkandidaten am Herzen

Hollweck: „Mir liegt besonders am Herzen, dass Berching eine Stadt bleibt, in der man sich kennt, unterstützt und gerne lebt – über alle Ortsteile hinweg. Als Bürgermeister würde ich als erstes den Dialog mit Bürgern, Vereinen, Familien und Unternehmern suchen. Zuhören, bündeln, priorisieren – und dann konsequent umsetzen. Herzensthemen sind: Jugend in allen Orten einen Raum geben, Radweganbindung Fribertshofen bzw. Rudertshofen, Umbau des gemeindlichen Waldes in einen Zukunftswald. Ansiedlung eines Medizinischen Versorgungszentrums in Berching, Anstellung eines Architekten für die kleineren Hoch- und Tiefbaumaßnahmen, Stärkung des Ehrenamts, jährliche Schulung für alle Vereinsvorstandschaften, um sie in ihrer Tätigkeit auch rechtlich zu schützen und zu unterstützen.“

Zeller: „Als eine meiner ersten Aufgaben würde ich die Prioritätenliste für Bauprojekte überarbeiten. Welche Vorhaben sind den Bürgern wirklich wichtig? Welche bringen direkten Nutzen? Mein Ziel: Transparenz schaffen, im Austausch mit Bürgern und Stadtrat die wichtigsten Projekte identifizieren und Schritt für Schritt umsetzen. Ein weiteres Thema, das schnell angegriffen werden muss, ist generell die Schaffung von mehr Transparenz bei der Arbeit des Rathauses, des Stadtrates und nicht zuletzt des Bürgermeisters: mehr Platz im Mitteilungsblatt, soziale Medien, Bürgerversammlung, Stadtratssitzungen in Ortsteilen abhalten.“

Bierschneider: „Für mich sind die Punkte wichtig, die unseren Alltag in Berching bestimmen und besser machen können – und zwar für Jung und Alt. Wichtig ist: in Berching gut aufwachsen, gut leben, arbeiten, bleiben können und bleiben wollen.“ Eine funktionierende Wirtschaft, Schule und Kinderbetreuung, die Vereine, das Ehrenamt, aber auch eine gute Infrastruktur seien Bierschneider wichtig, sagt er. „Offenheit und Nähe zu unseren Menschen sind für mich dabei das A und O.“

Persönliche Informationen zu den Kandidaten

• Peter Hollweck: 53 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, Geschäftsführer und Projektierer von Windkraftanlagen, singt gerne und fährt Rad.

• Dietmar Zeller: 45 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, staatlich geprüfter Bautechniker mit eigenem Planungsbüro; Tischtennis-Jugendtrainer.

• Lothar Bierschneider: 56 Jahre, verheiratet, drei Kinder, Berufssoldat, Hobbys: Fußball, Aquarium, Garten, Radfahren.