Teamgeist für den Landkreis: Dirk Lippmann (SPD) nimmt Anlauf auf das Landratsamt

Der Landkreis Neumarkt wählt am 8. März einen neuen Landrat. Sechs Kandidaten treten an. Mittelschullehrer Dirk Lippmann (SPD) ist einer von ihnen. Der langjährige Chef des TSV Pyrbaum will Kompetenzen am Landratsamt bündeln und den Hochschul- und Klinikstandort Neumarkt stärken.
Zwei Wahlkämpfe hat Dirk Lippmann schon hinter sich, dennoch habe er nach der Frage seiner Fraktion nicht gezögert, noch einmal ins Rennen zu gehen. Was ihn daran reizt? „Das breit gefächerte Themengebiet.“
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Lippmann ist keiner, der fantastische Zukunftsvisionen entwirft. Wer mit ihm über Politik diskutiert, stößt auf offene Ohren für andere Meinungen und bekommt Ideen zu hören, die sehr lösungsorientiert sind. „Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Man kann sich auch abschauen, was andere gut machen“, findet er.
Seine Liebe zu Menschen ist es, die ihn antreibt, wie er selbst sagt. Das war einst der Grund, warum er Lehrer geworden sei, aber auch in der Politik engagiert er sich deswegen. „Wenn ich merke, dass ich nicht mehr mit einem Lächeln in die Schule oder den Gemeinderat gehe, würde ich aufhören“, betont er.
Landratsamt: Balance zwischen Terminvergabe und spontanem Service finden
Am Neumarkter Landratsamt schätzt er die hohe Kompetenz der Mitarbeiter. Und: „Im Vergleich zu anderen Landratsämtern haben wir einen sehr niedrigen Personalschlüssel.“ Die Behörde sei damit einerseits sehr effizient, andererseits werde vom einzelnen Mitarbeiter viel verlangt. Anders als in der freien Wirtschaft könne man das in der Verwaltung aber nicht über Geld honorieren.
Für die Bürger will er eine gute Balance zwischen Terminvergabe und wo möglich spontanem Service finden, schließlich würden die Menschen die Verwaltung vor allem daran messen, wie gut der direkte Kontakt funktioniert.
IT-Kompetenz für die Kommunen im Landratsamt bündeln
Kompetenzen im Landratsamt konzentrieren – das ist eine von Lippmanns Ideen, wie der Landkreis die Kommunen stärken könnte. Ihm schwebt eine zentrale Stelle vor, die IT-Dienstleistungen für alle übernimmt, sodass nicht jede Gemeinde einen eigenen ITler beschäftigen oder erst einmal finden muss. Weil im öffentlichen Dienst Gehälter gedeckelt sind, ist es extrem schwer, gute IT-Fachkräfte zu rekrutieren.
Lippmann kann sich daher vorstellen, solche Stellen in eine GmbH auszulagern und so trotzdem mehr zu bezahlen, um gute Leute zu bekommen. „Ich bin überzeugt davon, dass sich so trotzdem langfristig Geld sparen lässt“, nämlich indem nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen und die selben Probleme lösen muss.
Wirtschaftlich wähnt Lippmann den Landkreis in guter Verfassung: „Wir sind immer noch sehr gut aufgestellt, weil wir nicht die eine große Firma haben, von der wir abhängig sind.“ Vor allem die mittelständischen Unternehmer seien die große Stütze der heimischen Wirtschaft, die nicht zuletzt die Steuern für den Landkreis erwirtschaften. „Davon sind wir als Landkreis abhängig.“ Aufgabe des Landkreises sei es, dass „die Wirtschaft hier gut arbeiten kann und dass neue Ideen entstehen können“. Nötig dafür aus Lippmanns Sicht: eine eigene Hochschule.
Werben um junge Hausärzte für den ländlichen Raum
Etwas neidisch blicke er auf das, was im Umfeld der OTH Amberg-Weiden in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist: ehemalige Studenten haben dort innovative Firmen gegründet. Der aktuelle „Ableger“ der Ohm-FH ist ihm nicht genug. Er hofft auf mehr Einfluss auf neue Studiengänge und eigenständige Forschungsschwerpunkte.
Ein weiteres zentrales Thema ist für ihn die hausärztliche Versorgung. „Wir wissen nicht, wer aus unserer Gegend Medizin studiert. Andere Landkreises machen das schon besser. Die betreuen diese Studenten, in der Hoffnung, dass sie als Hausärzte zurückkommen, wenn sie mit dem Studium fertig sind.“ Höchst spannend findet Lippmann die Themen Gesundheit und Klinikum. Das hält er – ganz grundsätzlich und vor allem unter kommunalem Betrieb – für gut aufgestellt. „Strategisch wird da echt gute Arbeit gemacht, aber es ist schwer, eine schwarze Null zu schreiben.“
Wunschergebnis bei der Wahl: „Besser als beim letzten Mal“
Ein Plus wünscht er sich persönlich als Ergebnis bei der Wahl. „Besser als beim letzten Mal“. Dass er es als SPDler im Landkreis schwer hat, ist ihm freilich klar.
Das hat er schon früh gelernt. Lippmanns Eltern kamen aus Hamburg nach Pyrbaum. Sein Vater, von Hause aus Jurist, hatte die Geschäftsführerung von Photo Porst übernommen. Dirk Lippmann kam schon in Bayern zur Welt und wurde in eine sehr diskussionsfreudige Familie geboren. Er lernte früh, was er heute seinen Schülern vermittelt: „Einfache Antworten sind fast nie die Lösung. Wenn es die gäbe, hätte es doch schon jemand umgesetzt.“ Grundsätzlich seien die Schüler offen für politische und gesellschaftliche Themen.