Von der Richterbank ins Landratsamt? Katharina Ziegler (CSU) will Neumarkts erste Landrätin werden

Der Landkreis Neumarkt wählt am 8. März einen neuen Landrat. Sechs Kandidaten treten an. Katharina Ziegler (CSU) aus Neumarkt ist eine von ihnen. Die Juristin könnte Geschichte schreiben, wenn sie sich als erste Frau den Chefposten im Landkreis sichert. Mit Ehrlichkeit und viel Verwaltungssachverstand will sie die Wähler überzeugen.
Katharina Ziegler bringt für das Amt der Landrätin vor allem eines mit: Verwaltungserfahrung. Seit Jahren arbeitet die Juristin an der Schnittstelle zwischen Politik und Umsetzung, kennt das Neumarkter Landratsamt ebenso wie die Regierungsebene, wo sie aktuell arbeitet. Nun will die CSU-Kandidatin Verantwortung übernehmen – und als erste Frau an der Spitze des Landkreises Neumarkt Geschichte schreiben. Ein Selbstzweck ist das für sie jedoch nicht. „Ich möchte nicht gewählt werden, weil ich eine Frau bin“, betont die 40-Jährige. Entscheidend seien Kompetenz, Haltung und der Wille, den Landkreis weiterzuentwickeln.
Verwaltung soll Dienstleister für die Bürger sein
Ihr beruflicher Hintergrund prägt ihre politischen Schwerpunkte deutlich. Ziegler denkt Verwaltung vom Ergebnis her. Gute Verwaltung sei kein Selbstzweck, sondern müsse als Dienstleister funktionieren: unterstützend, beratend, ermöglichend. „Verwaltung darf kein Blockierer sein“, betont sie. Statt formaler Ablehnung setzt sie auf frühzeitige Beratung, klare Zuständigkeiten und pragmatische Lösungen. Bürger und Kommunen sollten einen festen Ansprechpartner haben und nicht von Stelle zu Stelle laufen müssen.
Auch beim Thema Bürokratieabbau wird Ziegler konkret. Verfahren müssten schneller werden, gerade mit Blick auf Unternehmen. In Gesprächen mit Betrieben habe sie immer wieder dieselbe Rückmeldung erhalten: Entscheidungen dauern zu lange. Schnelligkeit sei längst ein Standortfaktor. Zwar könne ein Landkreis Gesetze nicht ändern, aber sehr wohl Ermessensspielräume nutzen. „Man darf sich nicht hinter Vorschriften verstecken“, sagt sie. „Klar müssen Gesetze eingehalten werden, aber wenn ein Grenzwert nicht zu 100 Prozent, sondern nur zu 98 Prozent eingehalten ist, kann man oft trotzdem genehmigen“, weiß sie als Verwaltungsjuristin. Auch so könne es gelingen, den Menschen und der Entwicklung von Betrieben keine unnötigen Steine in den Weg zu legen.
Hausärzte: Gesundheitsversorgung auch auf dem Land sichern
Der Landkreis Neumarkt sei im Moment gut aufgestellt. Die wirtschaftliche Basis sei solide, die Ausgangslage im Vergleich zu anderen Regionen günstig. Gleichzeitig warnt Ziegler davor, sich darauf auszuruhen.
Große Herausforderungen sieht sie vor allem in der Digitalisierung, im demografischen Wandel und in der Gesundheitsversorgung. Gerade Letztere sei für die Menschen unmittelbar spürbar. Das Kreisklinikum müsse in kommunaler Hand bleiben, das Leistungsangebot gesichert und weiterentwickelt werden. Doch zur Gesundheitsversorgung gehört viel mehr. Was kann der Landkreis tun, wenn immer weniger junge Hausärzte auf dem Land praktizieren wollen? „Hausarztschmiede“ nennt Katharina Ziegler ihre Antwort auf dieses Problem. Unter anderem mit finanziellen Anreizen will sie erreichen, dass sich wieder mehr junge Mediziner auf dem Land niederlassen. Dass das nicht von heute auf morgen geht, sei klar.
Vollzeit im Landratsamt trotz Familie
Vollmundige Versprechungen sind nicht Zieglers Ding. Auf Ehrlichkeit und Sachlichkeit setze sie. „Ich möchte das Bestmögliche rausholen, aber nichts versprechen, was nicht umsetzbar ist“, sagt sie. Auch im Umgang mit Politikverdrossenheit und radikalen Tendenzen plädiert sie für einen nüchternen Ansatz: zuhören, Probleme ernst nehmen, Lösungen liefern. Polarisierung helfe niemandem und löse vor allem keine Probleme.
Momentan ist Katharina Ziegler viel unterwegs, spricht täglich mit den unterschiedlichsten Menschen. Als Landrätin wird das in dieser Intensität wohl nicht mehr möglich sein, doch Bürgernähe will sie sich auch dann nicht nehmen lassen. „Man muss dauerhaft am Ohr der Menschen bleiben“, sagt sie. Bürgersprechstunden, digitale Beteiligungsformate und ständige Ansprechbarkeit gehören für sie dazu.
Seit 2008 Mitglied der Jungen Union
Politisch interessiert ist Katharina Ziegler schon immer. 2008 trat sie in die Junge Union ein. Der Schritt zur Landratskandidatur sei vielmehr aus der Erfahrung heraus entstanden – und aus dem Wunsch, Verantwortung zu übernehmen. „Ich glaube, ohne Fachwissen wird Politik heute immer schwieriger“, sagt Ziegler.
Dass sie darüber hinaus auch noch Mama zweier Kinder ist, sieht sie als Vorteil, schließlich kenne sie die echten Sorgen von arbeitenden Müttern. Dass ihr wegen der Kinder manchmal mangelnde Belastbarkeit unterstellt werde, ärgert sie. Für sie ist klar: Das Amt der Landrätin ist eine Vollzeitaufgabe – „von Montag früh bis Sonntagabend“. Rücksicht auf persönliche Umstände dürfe kein Maßstab sein, weder im Positiven noch im Negativen.
Zur Person
• Privatleben: Katharina Ziegler (40) lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Neumarkt. Die Stadt war und ist ihre Heimat. Hier hat sie am Ostendorfer Gymnasium ihr Abitur gemacht, ehe es zum Jurastudium nach Regensburg ging. Arbeit und Familie lassen auch außerhalb des Wahlkampfs wenig freie zeit. Diese nutzt sie gern in der Natur beim Laufen, Wandern, Radfahren oder Yoga.
• Beruf: Nach Stationen als Richterin am Verwaltungsgericht Regensburg und am Landratsamt Neumarkt als Leiterin der Abteilung Bau und Umwelt leitet sie nun bei der Regierung der Oberpfalz das Sachgebiet Organisation und Digitalisierung.
• Politische Karriere: 2008 trat Ziegler in die Junge Union ein. Über jahrzehntelange Erfahrung in der Politik verfügt sie zwar noch nicht, dennoch ist es nicht ihr erster Wahlkampf: Bei der Bundestagswahl trat sie als Listenkandidatin an.
• Podiumsdiskussion: Katharina Ziegler stellt sich ebenso wie die Landratskandidaten von Freien Wählern, Grünen, SPD und FDP am Dienstag, 10. Februar, um 18.30 Uhr im Pfarrheim der Hofkirche den Fragen von Redaktionsleiterin Eva Gaupp. Der Eintritt ist frei.