Neustädter Tierschützer fordern Taubenhäuser – und ziehen dabei mit der Stadt an einem Strang

Von Wolfgang Abeltshauser · 18. Januar 2026 um 05:00

Sommer wie Winter bevölkern jede Menge Tauben die Innenstadt von Neustadt im Landkreis Kelheim. In der kalten Jahreszeit geht es denen aber gar nicht so gut, sagen Neustädter, die sich um die Tiere kümmern wollen. Es gebe in deren Augen eine Lösung, die auch den Menschen im Neustädter Zentrum helfen könnte.

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„Viele Menschen glauben, die Tauben sind Wildtiere“, schätzt Angelika Hecker. Sie ist Sprecherin einer Gruppe von Neustädtern, die mittlerweile ein sorgsames Auge auf die Tiere geworfen haben. Dabei stimme das nicht, betont die 54-Jährige aus Bad Gögging, die sich seit vielen Jahren mit dieser Tierart beschäftigt - unter anderem gemeinsam mit anderen Neustädtern als Mitglied einer Regensburger Tierschutzgruppe. Letztendlich handle es sich um Haustiere - sie seien etwa Nachkommen von Brieftauben, die nicht mehr zu ihren Besitzern zurückgekommen sind.

Schwer, im Winter Futter zu finden

Deshalb hätten sie nicht die Instinkte von Wildtieren, täten sich schwer, im Winter Futter zu finden. Schon im Sommer seien Stadttauben ja letztendlich davon abhängig, dass etwa von Restauranttischen im Freien genügend abfalle - oder Menschen sie füttern.

Da die Tiere derzeit zu wenig zu fressen finden, seien sie häufig schwach oder sogar krank. Das sei etwa daran zu erkennen, dass kranke Tauben sich absondern von größeren Gruppen und sich nicht mehr gemeinsam mit anderen in die Luft schwingen. In den Augen von Hecker dürfe das nicht bleiben - letztendlich fordere das in ihren Augen auch das Tierschutzgesetz. Deshalb ist die Gruppe jetzt mit einem Vorschlag an die Stadt herangetreten. Damit könnte man in ihren Augen auch der schieren Zahl der Tiere Herr werden, die Hecker allein in der Kernstadt auf mindestens 700 schätzt.

Platz für bis zu 150 Tauben

Im Sinn habe man so genannte Taubenhäuser. Mitglieder der Neustädter Gruppe haben solche etwa in Regensburg als Mitstreiter besagter Gruppe realisiert. Auch in Kelheim gebe es das schon. Darin könnten etwa 100 bis 150 Tiere Platz finden. Die könnten dort schlafen, gefüttert werden und auch brüten.

In Kelheim gibt es seit einiger Zeit ein Taubenhaus in Sichtweite zur Befreiungshalle. - Foto: Beate Weigert

Würden die Tiere die Angebote annehmen, könnte man außerdem relativ einfach die Zahl der Tiere reduzieren, indem man Eier durch Attrappen austauscht. „Tauben brüten pro Jahr bis zu acht Mal und legen dabei jeweils zwei Eier.“ Man könne sich leicht ausrechnen, wie rasch sich da so eine Population ausbreiten kann, sofern der Mensch nicht regulierend eingreift. Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigt, merkt schnell, dass Menschen in anderen Orten längst so vorgehen, um die Zahl der Tauben zu reduzieren.

Kirchplatz ist ein Lieblingsplatz der Tiere

Diese Argumentation überzeugt Bürgermeister Thomas Memmel, mit dem die Gruppe sich bereits in mehreren Gesprächen ausgetauscht hat. „Seit sechs Jahren beschäftige ich mich regelmäßig mit den Tauben in der Stadt“, sagt der im Gespräch mit dieser Zeitung. Nicht zuletzt deshalb, weil Menschen, die sich über Taubenkot ärgern, letztendlich bei ihm aufschlagen. Ein Lieblingsplatz der Tiere ist bekanntlich der Kirchplatz. Dort, mitten in der Stadt, sind die Exkremente der Tauben sicherlich besonders ärgerlich. Schaffe man es, weniger Tauben in der Stadt zu haben und deren Zahl langfristig zu regulieren, wäre auch dieses Problem deutlich kleiner.

Es gehe in den Augen von Hecker und Memmel einfach darum, einer Taubenpopulation von vernünftiger Größe ein sinnvolles Dasein zu ermöglichen. „Ich kann mir ein Pilotprojekt mit einem Taubenhaus vorstellen“, stellt sich das Hecker vor. So könne man herausfinden, ob die Tiere dies annehmen. Sei das so, könne man über weitere Taubenhäuser nachdenken.

Standort beim Volksfestplatz eine Möglichkeit

Im Blick habe man jetzt einen einen Standort beim ehemaligen Wertstoffhof zwischen Schützenheim und Sportanlage. Grundsätzlich wäre eine dortige Lösung geeignet, da sich diese unweit dem Areal rund um die Kirche befinde, auf dem sich die Tauben gerne aufhalten. Erfahrungen würden zeigen, dass sich die Tiere ungern allzu weit von einem angestammten Aufenthaltsort weglocken lassen.

Memmel schlägt vor, dass Mitarbeiter des Bauhofs das Taubenhaus zimmern und aufstellen. Um dies anzuordnen benötige man auch keinen Ratsbeschluss, die Kosten dafür befänden sich innerhalb des Verfügungsrahmens des Bürgermeisters. Die Aufgabe der ehrenamtlichen Gruppe sei dann, sich um die Tauben zu kümmern und die Arbeit rund um das Taubenhaus zu organisieren. Das haben die aber schon im Gespräch mit dieser Zeitung zugesagt.