So hilft Fotograf Günther Hauke dem Zufall auf die Sprünge

Die Ausstellung „Mein Abensberg“ zeigt Fotos aus dem Archiv des Abensberger Fotografen Günther Hauke. Der streift seit Jahrzehnten mit seiner Kamera durch die Heimat.
So mancher Fotograf würde sagen, die besten Bilder macht der Zufall. Günther Hauke ist da anderer Meinung – zumindest meist. Einem Raubtier gleich, pirscht er sich an sein Motiv ran, beobachtet, wartet ab – und kommt dann ein ander Mal wieder. So wie bei den Lampions in der Lusteckstraße. „Ich geh vorbei und denke mir, ,ein Traum‘. Dann fahre ich mit dem Fotoapparat hin. Da ist die Sonne weg. Dreimal gehe ich hin, bis es passt.“ Erst dann „schlägt“ er zu, erst dann klickt der Apparat.
Kaum ein anderer hat die Stadt im Detail so unter die Linse genommen wie Hauke. Wer sie mit Haukes Augen sehen, sie gar neu entdecken möchte, der soll seine Ausstellung „Mein Abensberg“, die ab 19. Januar (Vernissage ist am 16. Januar) im Aventinum zu sehen ist, nicht versäumen.
Auf die Frage, wie lange er schon fotografiert, antwortet er launig: „Ein bisserl länger.“ Es war 1962, Hauke war in der sechsten Klasse, als sein damaliger Lehrer Hans Löwinger ihn und seine Mitschüler fotografisch auf den Geschmack brachte. Zum Entwickeln ging‘s in den Keller der Schule.
Geld hatten die jungen Burschen freilich keines, von einer eigenen Kamera konnten sie nur träumen. 1964 nahm sie Löwinger dann mit zur Photogilde. Und deren damaliger Chef Adam Kelly hatte etwas für die Jugend übrig. „Das waren Zeiten“, sagt Hauke, „Kelly, Hans Löwinger, Horst Dill und Hans Maier unterstützten uns wo es nur ging, sie liehen uns Kameras und brachten uns die Fotografie näher.“ Seine erste eigene Kamera bekam Hauke dann mit 16 Jahren, eine Exa 2a für 200 Mark, das war 1966.
Magie und Pannen
Hauke erinnert sich gerne an die Magie zurück, wenn sich im Labor langsam das Bild herausschälte, man wusste, ob es was geworden ist oder nicht. Pannen blieben freilich ein ums andere Mal nicht aus, auch nicht beim Fotografieren selbst. „Da wollte ich in Hienheim die Hochspannungsleitung fotografieren und hatte keinen Film drinnen“, erzählt er im Rückblick.
Doch das brach den Enthusiasmus von ihm und seinen Fotofreunden nicht. Sonntags war man unterwegs auf Fotospaziergang, suchte nach dem besten Motiv. Auch Fotoreisen, wie etwa 1966 nach Berlin und in die DDR, als politische Bildungsreise deklariert, oder quer durch Europa gehörten dazu. „Ging es zum Beispiel mit dem Bus zum Achensee, dann wurde bereits in der Holledau Rast gemacht, Bierbänke raus, Weißwürst’ und Brezn gab‘s zum Essen und die gildeneigene Band, mit Gitarre, Bass und Akkordeon spielte auf“, erinnert sich Hauke. Tiefe Freundschaften entstanden, die die Dekaden überdauerten. „Die rufst an und die stehen bei Fuß“, sagt Hauke.
Ein Blick auf seine alte Spiegelreflex, die mit 85 anderen an „seinem Platzerl“, daheim in Vitrinen, liegt, der dürfte genügen für die gedankliche Reise zurück.
Daneben sind auch viele weitere Kameras, die Hauke im Laufe der Jahre angesammelt hat, „zum Leidwesen meiner Frau, die laufen mir einfach zu“, sagt er lächelnd. Alle analog. Ums Digitale machte er nämlich viele Jahre einen Bogen, „ich hab mich lange gespreizt“. Erst 2005 stellte er um auf Digitalfotografie.
Viele, viele Bilder sind in all den Jahrzehnten zusammen gekommen. Die Schönheit im Hässlichen, der Verfall, der hat ihn dabei im Übrigen nie interessiert. Die Schönheit in der Natur aber oder im Menschengemachten, die hielt er ein ums andere Mal fest. Und auch im Studio steht er dann und wann und zaubert mit Akribie ein gelungenes Portrait. Davon 60 Aufnahmen für die Ausstellung auszuwählen – keine leichte Aufgabe. „Ich wollte einen möglichst breiten Überblick haben“, sagt Hauke. Sie dann richtig anzuordnen, das sei eine richtige Brüterei gewesen. Dafür wisse er jetzt genau, wo welches Bild hinkommen soll. Die Gäste dürfen sich auf manch Bekanntes und auch Unbekanntes, auf manch ungewohnte Ansicht freuen.

Und auch ihm selbst erschließt sich manches Detail erst hinterher. Im Wohnzimmer hängt eine Sonnenblume mit zwei Bienen. Die fielen ihm beim Fotografieren gar nicht auf, sondern erst bei der näheren Betrachtung, bei der Vergrößerung hinterher. Und manchmal macht dann eben doch auch Hauke, der sich gerne akkurat vorbereitet, die Erfahrung, dass Planung zwar vieles, aber nicht alles ist und der Zufall doch dann und wann die schönsten Bilder macht. Die haben dann das Zeug zum Lieblingsbild.
Spontaner Schnappschuss
So etwa die Aufnahme, die seine beiden Enkelkinder zeigt: Die Schwester herzt ihren kleinen Bruder und Hauke hat diesen kleinen, innigen Moment für immer mit seiner Kamera eingefangen. Und so war dieser spontane Schnappschuss dann doch ein sehr schöner Zufall.
Blick durch die Linse
Vernissage: Die Ausstellung wird am 16. Januar um 19 Uhr im ersten Stock des Aventinums eröffnet.
Zeiten: Die Ausstellung ist dann vom 19. Januar bis zum 17. Februar während der VHS-Geschäftszeiten zu sehen.
Werke: Zu sehen sind neben Portraits auch viele Ansichten aus Abensberg.
Photogilde: Hauke ist seit 1978 zweiter Vorstand, techniscker Leiter, Chronist und Beisitzer. Die Photogilde traf sich früher im Jungbräu, später beim Kuchlbauer. Das erste Gildeheim befand sich im alten Krankenhaus, das heutige Aventinum. Dahin zog es sie vor ein paar Jahren auch wieder nach einer umfangreichen Renovierung zurück. Die Stadt sei dabei immer ein wichtiger Partner gewesen, so Hauke.