Zusammenhalt im Fokus: Chamer Fußball-Spielgemeinschaft geht neue Wege

Von Tanja Fenzl · 29. Dezember 2025 um 19:00

Teamgeist fördern, Mobbing entgegentreten – die Spielvereinigung Willmering-Waffenbrunn und die SG Spielgemeinschaft Schloßberg wollen ein Zeichen setzen und gehen neue Wege beim Teambuilding. Mit mehreren Aktionen wollen die Vereine ihre Spieler sensibilisieren und den Sportsgeist in den Vordergrund stellen. Die Vereine sind damit ganz gezielt auf einer Linie mit dem Deutschen Fußballbund, der in den letzten Jahren immer stärker gegen so genannte interpersonelle Gewalt in den Vereinen mobil macht.

Als eine der ersten Aktionen haben sich die Trainer der gemeinsamen C-Mannschaft der beiden Spielgemeinschaften deshalb eine besondere Überraschung für ihr Team – übrigens ungeschlagener Meister in der gerade beendeten Herbstsaison – überlegt. Beim Lasertag in Regensburg konnten sich die Spieler zusammen mit ihren Trainern in unterschiedlichen Gruppenzusammenstellungen austoben – dabei aber sollte immer der Teamgedanke im Vordergrund stehen, Grüppchenbildung vermieden werden.

Schon bei der Saisoneröffnung hatten Schlossbergs Jugendleiter Christian Schneider sowie Haupttrainer Hannes Karl Eltern und Spielern deutlich gemacht, dass Mobbing, Ausgrenzung und Bullying keinen Platz beim Fußball haben. Die jungen Fußballspieler der C-Mannschaft in ihrer ersten Saison in der neu gegründeten Spielgemeinschaft WiWa/Schloßberg sollten nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits davon zusammenhalten und als Team auftreten, legten Schreiner und Karl ihnen ans Herz. Nicht nur in den alten Mannschaftsformationen, sondern auch im neuen Team, das innerhalb kurzer Zeit zu einer Einheit zusammenwachsen sollte.

Viele Aktionen geplant: Taekwondo und Ernährungsberatung

In den kommenden Wintermonaten wollen die beiden Vereine diesen Grundgedanken weiter verfolgen. So ist als eine der nächsten Aktionen eine Kooperation mit dem Taekwondo-Zentrum in Pemfling geplant. Die Spieler aus Runding, Windischbergerdorf, Willmering und Waffenbrunn sollen dort nicht nur über die kalte Jahreszeit ein erweitertes Sportprogramm geboten bekommen, sondern auch im Rahmen eines Selbstverteidigungslehrgangs körperliche Robustheit sowie Respekt und Achtsamkeit vermittelt bekommen. „Das ist ein sehr wichtiges Thema“, betont Hannes Karl, hinter dem vier weitere Trainerkollegen stehen.

Wir wollen eine ganzheitliche Förderung unserer Kinder. Werterziehung ist uns ganz, ganz wichtigChristian Schreiner, Jugend-Gesamtleiter SG Schloßberg

Bereits in der vergangenen Sommersaison hatte das WiWa-Team neue Wege bei der Saisonvorbereitung beschritten und ein Trainingslager in Kroatien organisiert – auch dort sollte schon das Teambuilding im Vordergrund stehen. Bei der SG Schloßberg stehen die Themen Inklusion, Zusammenhalt und Anti-Mobbing schon seit vier Jahren hoch im Kurs, betont Gesamtjugendleiter Schreiner.

Vereine arbeiten auch mit tschechischen Vereinen zusammen

„Wir wollen eine ganzheitliche Förderung unserer Kinder. Werterziehung ist uns ganz, ganz wichtig“, sagt Schreiner. Der Verein sucht Antworten auf die Fragen wie hält man zusammen, wie gehe ich gegen Rassismus vor, wie betreibt man Inklusion. „Wir haben zum Beispiel auch Spieler mit offenem Rücken integriert“, erläutert Schreiner.

Erst im Sommer durfte Christian Schreiner stellvertretend für die SG Schloßberg eine Ehrung für hervorragende Jugendarbeit entgegennehmen. - Foto: Gerhard Hopp

Auch in der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit passiert einiges. Gerade das vereinsübergreifende C-Jugendteam wird über den Winter hinweg in Tschechien spielen. Auch das Trainingslager im Frühjahr soll dort stattfinden. „Zusätzlich soll es auch einen Ernährungstag geben“, kündigt Schreiner eine weitere ganzheitliche Aktion an. „Wir arbeiten hier ganz eng mit dem Kaufland in Cham zusammen, das uns mit Fachleuten unterstützt“, sagt Schreiner.

Die SG Schloßberg wurde erst kürzlich für ihre herausragende Jugendarbeit ausgezeichnet. „Und in diesem Sinne wollen wir uns auch stetig weiterentwickeln zum Wohle unserer Kinder“, so der Jugendleiter. „Bei den Kooperationen sollen entsprechend alle Kinder profitieren.“

Welche Ausmaße falsch verstandener Sportsgeist in Zeiten von überbordendem Social Media annehmen kann, wurde gerade in den vergangenen Monaten auch in Ostbayern deutlich. So rastete in Regensburg ein Papa-Sohn-Duo aus und schlug auf Spieler und Trainer ein. In Wenzenbach machten die Vereinsfunktionäre öffentlich, wie eine Jugendtrainerin regelmäßig massiv beleidigt wurde. In Oberbayern wurde ein zwölf Jahre alter Nachwuchsschiedsrichter von Schulkameraden nach dem Spiel sogar vor Zeugen mit dem Tod bedroht.

Sie setzen auf Prävention

Wie allumfassend das Problem ist, wird auch daran ersichtlich: Bei Mobbing innerhalb der Teams gibt es inzwischen sogar Handlungsempfehlungen des Bayerischen und Deutschen Fußballverbands. Dort heißt es: „Fußball ist ein Mannschaftssport. Die Mannschaft muss zusammen funktionieren und man muss sich auf Mitspieler einlassen. Wer das nicht möchte und durch permanentes Mobben auffällt, der ist fehl am Platze. Wenn Gespräche mit Spielern und Eltern nicht helfen, sollten Konsequenzen gezogen werden: Keine Anwesenheit am Spieltag, eine Woche kein Training, bis hin zum Ausschluss aus dem Team.“

WiWa und Schloßberg setzen stattdessen auf Prävention, um es erst gar nicht zu solchen und ähnlichen Vorfällen kommen zu lassen.

Bei den jungen Sportlern von WiWa und SG Schloßberg kommen die Aktionen bis dato übrigens super an, was auch an den zahlreichen – stets freiwilligen – Teilnehmern ersichtlich ist. Die Aktionen werden von den Vereinen aus der Jugendkasse gefördert.