Riedener Olymp erntete viele Lacher: Theatergruppe „D’Goaslandler“ präsentierten neues Stück

Eine ganz andere Richtung schlug das diesjährige Stück „Dämmergötterung“ der Riedener Theatergruppe „D’Goaslandler“ ein. Anstatt in ein traditionelles Bauernstückl entführten die Schauspieler auf sensationelle und humorige Weise ihr Publikum in die mystische Götterwelt des Olymps, angelehnt an die griechischen Gottheiten der Antike.
Auf oberpfälzisch eingefärbt steigerten sich die Schauspieler in ihren göttlichen Rollen von Szene zu Szene und sorgten für Lacher bei den Zuschauern. Eines war bereits in den ersten Szenen erkennbar: Auf dem oberpfälzischen Olymp geht“s ganz schön vogelwild und „krachad“ zu.
Die Premiere vor ausverkauftem Haus in der Riedener Schulturnhalle zeigte wieder einmal, dass durch die abwechslungsreiche Stückauswahl, die passenden Rollen für jeden Schauspieler und viel Einsatz und Engagement aller Beteiligten die Aufführungen der Goaslandler längst kein Geheimtipp mehr sind.
Eine gesunde Mischung
Die göttliche Komödie in fünf Bildern aus der Feder von Roland Beier entdeckte Theaterurgestein und Regisseur Gerhard Schnabel, der sich sehr über die vielen positiven Rückmeldungen der Gäste freute. „Genau mein Humor“, war oft in den Pausen zu hören. Die Leistungen seiner bunt gemischten Truppe von sehr erfahrenen alten Hasen bis zu den jungen Wilden machten den langjährigen Regisseur Schnabel sichtlich stolz und das Publikum glücklich. „Es ist ein total verrücktes Stück, mir gefällt darin vor allem die derbe aber herzliche Art, welche die Schauspieler perfekt rüberbringen. Zudem ist der Zeitsprung zwischen Antike und Moderne sehr gelungen“, beschreibt Schnabel das Stück Dämmergötterung. Für ihn ist es die 16. Aufführung als verantwortlicher Regisseur.

Das beeindruckende Bühnenbild, welches mehrmals wechselte, ist mit Überraschungs- und Lichteffekten ausgeschmückt. Als Souffleuse agierte heuer Claudia Fröhlich.
Publikum mit eingebunden
Pünktlich um 19 Uhr öffnete sich der Vorhang bei der Premiere am 27. Dezember zum oberpfälzischen Olymp, der natürlich perfekt nach Rieden passt. Süffisant, lustvoll und mit allerlei Annehmlichkeiten versehen leben die griechisch-oberpfälzischen Gottheiten um ihren Göttervater Zeus (Gerhard Fleischmann) ein süßes Lotterleben im Olymp.
Zeus, sehr von schönen Frauen angetan, hält es mit der Treue nicht so genau und blickt oft lüstern mit seinem Teleskop nach der ein oder anderen Schönheit in der Welt der Menschen. Diesmal kommen ihm die Zuschauerinnen vor die Linse. „Mei... dey dou, in Reihe 9 auf Platz..... Hohohoh, mei o mei, de wars, de konn ma oschaun.....“ Das Publikum kann sich das erste Mal vor Lachen kaum mehr auf den Stühlen halten.
Damit ihm bei den Frauen geholfen wird, braucht er Eros (Marcel Malotta), welcher die Frauen mit dem Liebespfeil in Zeus Arme lenken soll. Über ihren „Lustmolch und Saubärn“ Zeus kann Ehefrau Hera (Regina Schnabel) sich nur ärgern, was sie der Liebesgöttin Aphrodite (Marion Fleischmann) unmissverständlich klarmacht: „Wos moanst, wos er (Zeus) gsagt hod, als i eam mit da Antipe erwischt hob?.... Schatzi, hod er gsagt, Schatzi, des war nur a Probebohrung...“ „Hod er nach Erdöl gsuacht?“, fragt Aphrodite ungläubig. „Und bei da Demeter hod er nur an Acker pflückt...“ seufzt Hera. „Na ja, was soll ma sunst bei ner Fruchtbarkeitsgöttin macha?“, erwidert Aphrodite. „I konn goar nimma hischaua“, so Hera.

Jede der Gottheiten lässt in dem Stück seine ganz persönliche und manchmal auch urkomische Geschichte einfließen. Der Ödipus (Jakob Haas) hängt noch sehr am Rockzipfel von seiner Mama Iokaste (Franziska Haas-Würz) und sucht sie ständig. Mama Iokaste wäre froh, wenn der Sprössling mal selbst durch den Olymp streift und versteckt sich vor ihrem Sohnemann. Währenddessen versucht Hera, ihren unzüchtigen Zeus zur Rede zu stellen, der ist aber auf der Flucht, möchte lieber zu einem feuchtfröhlichen Umtrunk zum Dionysos.
Immer wieder huscht von Ort zu Ort Götterbote Hermes (Johannes Haas), der eine Liebschaft mit Zeus Bruder Poseidon (Bene Hofrichter) pflegt. Doch es kündigt sich Unheil in der griechischen Götterwelt an: Die ersten Gottheiten verschwinden, sogar noch: Der Olymp bröckelt. Mit ein paar Ausbesserungsarbeiten ist es da nicht getan. Denn die Götter feiern nur noch Feste und sind mit sich selbst beschäftigt. Sie vergessen dabei die Menschen, welche sich immer mehr in Soziale Medien, Internet und Digitalisierung flüchten.
Der Olymp wird digital
Nicht mehr Eros Liebespfeil, sondern der Algorithmus einer Partnersuchbörse bestimmt das Liebesleben der Menschen. Und so kommt es, dass immer mehr Gottheiten sich in Luft auflösen. Wer kann helfen? Etwa Göttin Psyche (Johanna Weiß), welche der Spiegel der Menschheit ist und selbst im Selfiefieber mit dem Handy herumstreift. Oder doch Zeus hinterhältiger Bruder Hades (Armin Hofrichter) aus der Unterwelt, der sich einen Serverraum für das Darknet bauen lassen will?
Nach vielen Überlegungen beschließt Zeus, den Olymp zu digitalisieren, damit die Heimstatt der Gottheiten mitsamt den Protagonisten überlebt. Bei den Umbauarbeiten, angeleitet von der Göttin Psyche, helfen Elektra (Tamara Reichert) und Medea (Andrea Klinger). Ob das alles hilft und der Olymp gerettet wird, kann man noch bei den weiteren Aufführungen erleben.
Es gibt noch Karten
Termine: Theateraufführungen sind noch am Dienstag, 30. Dezember, sowie am Freitag und Samstag, 2. und 3. Januar jeweils um 19 Uhr. Der Vorhang öffnet sich letztmals am Sonntag, 4. Januar. Dann geht es bereits ab 16 Uhr in der Riedener Mehrzweckhalle bei der Grundschule los.
Tickets: Der Eintritt an der Abendkasse kostet für Erwachsene acht Euro, Kinder bis 15 Jahre müssen vier Euro entrichten. Bei den Abendvorstellungen ist der Einlass stets um 18 Uhr, die Sonntagsvorstellung am 4. Januar kann man bereits bei Kaffee und Kuchen um 14 Uhr aufsuchen.