Er ist Regensburgs Fledermaus-Papa: Tom Aumer päppelt so viele Flatterer wie noch nie

Vorsichtig öffnet Tom Aumer den Karton, der ihm durch die geöffnete Gartentür gereicht wird. Ein kurzer prüfender Blick hinein und sofort erkennt der Artenschützer aus Regensburg, dass es eine erschöpfte Rauhautfledermaus ist, die ihm Martin Niklas aus Mintraching übergibt.
Bei Arbeiten auf einer Baustelle bei Thalmassing fand dieser die Fledermaus und wusste nicht, wohin mit dem Tier. „Wir haben in der Vogelstation angerufen und die haben gesagt, wir sollen sie zu Herrn Aumer bringen“, erklärt er, sichtlich froh, dass er das Tier nun in guten Händen weiß.
Bereits 24 Fledermäuse fanden so in diesem Jahr ihren Weg nach Stadtamhof in das Zuhause von Tom Aumer. Aktuell leben acht Exemplare bei ihm. „So viele auf einmal hatte ich noch nie hier“, sagt er. Es sind fünf Zweifarb-Fledermäuse, zwei Rauhaut-Fledermäuse und eine Zwerg-Fledermaus, zählt er auf. Da sie es kühler brauchen, hält Aumer sie in seinem Hausflur in mehreren Glaskästen mit Rinde. „Sie rotten sich zusammen, um sich wärmen“, erklärt der Experte.
24 Arten in Regensburg
Warum es in diesem Jahr viel mehr sind als sonst, kann er nicht sagen. „Vielleicht liegt es an den milden Temperaturen, die immer wieder mit Kälteeinbrüchen wechseln.“ Aumer ist Kreisvorsitzender des etwa 3000 Mitglieder zählendem Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) sowie beruflich LBV-Referatsleiter für Artenschutz. Seine Leidenschaft für Fledermäuse ist ehrenamtlicher Natur. Da alle Fledermausarten vom Aussterben bedroht seien, sei es ihm wichtig, andere für das Thema zu sensibilisieren.
Vor einigen Jahren hat er das Aufkommen der Fledermäuse in Regensburg flächendeckend ermittelt und wurde dadurch bekannt in der Region. „Regensburg ist ein Fledermaus-Hotspot“, erklärt er. Von 24 Fledermaus-Arten, die in Bayern vorkommen, gebe es 16 in Regensburg. Schnell sprach sich herum, dass er sich mit Fledermäusen auskennt. Inzwischen ist er offiziell von der Fledermaus-Koordinierungsstelle Nordbayern gelistet, so dass die Menschen aus der Region auf ihn stoßen, um ihm ihre Fundtiere zu bringen.
„Ich horte die Fledermäuse nicht“, betont er. Tiere hinter Gittern möge er nicht. „Ich habe Freude daran, sie wieder frei zu lassen.“ Wenn er sehe, wie sie kraftvoll davonfliegen, gehe ihm das Herz auf. Je nach Jahreszeit und Temperatur entscheidet er, wo die Tiere in die Freiheit entlässt. Wenn es warm genug ist, dann lässt er sie direkt in Stadtamhof aus. „Fledermäuse lieben die Donauarme, denn hier finden sie genug Insekten zum Fressen.“ Seinen aktuellen Bestand bringt er jedoch in ein Winterquartier, weil die Gefahr sonst zu groß wäre, dass sie keins mehr finden. Dafür kennt er passende Höhlen und Keller in der Region.
Leibspeise Mehlwürmer
Bevor er sie freilassen kann, muss er sie jedoch mehrere Wochen mit Mehlwürmern, Grillen und Wasser versorgen, damit sie ein optimales Gewicht erreichen, dass von Art zu Art variiert. „Sie brauchen Fettreserven für den Winterschlaf“, erklärt er. Regelmäßiges Wiegen gehöre daher zu seinen Aufgaben. Von Vampir-Mythen und Blut saugenden Exemplaren oder der Mär, dass sie Covid verbreiten, hält Aumer wenig. Trotzdem sei Vorsicht geboten, damit sie ihn nicht beißen. Manche Arten wie das Mausohr, dessen Flügel eine Spannweite wie eine Taube erreichen können, hinterlasse bei einem Biss zwei tiefe Löcher. „Das tut ordentlich weh.“
Wichtig sei, die Tiere nicht mit bloßer Hand anzufassen. „Fledermäuse können Tollwut haben.“ Er selbst sei geimpft. „Es reicht schon, wenn man den Speichel einer tollwütigen Fledermaus ins Auge bekommt.“ Daher rät er dazu, die Tiere nur mit Handschuhen anzufassen. Am besten sei, ein Handtuch über sie zu werfen und sie so vorsichtig in einen Karton zu packen.