Das Chamer Volksfest ist tot, es lebe das Frühlingsfest! Volksfestverein sattelt um

Von Johannes Schiedermeier · 8. Dezember 2025 um 14:52

Unter den Christbaum im Foyer der Stadthalle hat der Volksfestverein eine handfeste Überraschung gelegt: Schon ab 2026 fällt das traditionsreiche Chamer Volksfest weg. Die Verantwortlichen setzen voll auf das boomende Frühlingsfest und verlängern es auf zehn Tage.

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Volksfestvereins-Vorsitzender Christian Plötz, sein Stellvertreter Josef Kappenberger und Schausteller-Chef Anderl Pfeffer präsentierten eine ganze Liste von Gründen für die „schwere Entscheidung“. Und sie gaben ein Versprechen: „Es wird kreativ sein. Es wird Qualität haben und vor allem eine Zukunft“, so Plötz.

Sinnlos, nicht zu reagieren

„Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und wir stemmen das alles ehrenamtlich. Uns gehört der Platz, uns gehören die sanitären Einrichtungen samt aller Kosten. Es macht keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken und nicht zu reagieren. Dann wären auf die Dauer beide Feste in Gefahr geraten“, sagt der Vorsitzende des Volksfestvereins. Und: „Das war keine panische Adhoc-Entscheidung nach dem letzten Volksfest. Das Thema bewegt uns schon seit sechs bis sieben Jahren.“ Sie sei gefallen am Ende der Abrechnungen und nach zahlreichen Gesprächen mit allen Beteiligten.

Plötz macht es an einem Beispiel fest: Vor ein paar Jahren hat das Sicherheitskonzept noch auf drei Din A4-Seiten gepasst. Heute sind es 73. „Bei all dem hat man dann noch einen Spagat zu bewältigen: Es soll sich sicher anfühlen, aber nicht bedrohlich.“

Kosten bringen Verein in Bedrängnis

Und Sicherheit ist nur ein Aspekt. „Wir machen auch Veranstaltungen wie Kindertag, Seniorentag und Singendes, klingendes Cham. Das kostet alles Geld.“ Auch in allen anderen Bereichen sind die Kosten kontinuierlich gestiegen.

Das bringt den Verein in Bedrängnis, sagt der Vorsitzende, weil er seine Einnahmen nicht beliebig erhöhen kann: „Irgendwann macht dann keiner mehr mit. Der Festwirt nicht, die Schausteller nicht und auch die Besucher kommen an ihre Grenzen. Wir wollen dieses Fest aber weiterhin für alle machen, nicht nur für die, die genügend Geld haben.“

Motto: Bezahlbare Qualität

2. Vorsitzender Josef Kappenberger fügt hinzu: „Wir haben ja auch einen Anspruch. Es soll ein Event bleiben, das bezahlbar ist, aber seine Qualität behält. Und am Ende finanzieren wir mit dem Erlös das nächste Fest und unterstützen das Ehrenamt mit Spenden.“

Da haben es wohl nur wenige geahnt: Ein letztes Prosit auf das Volksfest. Ab sofort setzt der Volksfestverein voll auf das boomende Frühlingsfest. - Foto: Simon Tschannerl/Archiv

Das bestätigt der Chef der Schausteller, Anderl Pfeffer, der mit seiner Bude seit vielen Jahren zum Inventar des Chamer Volksfestes gehört: „Natürlich tut uns Schaustellern jeder Tag weh, der als Arbeitstag verloren geht. Aber wir verstehen auch die Beweggründe des Vereins und tragen sie mit. Für uns ist es auch rentabler, einmal anzureisen und einmal auf- und abzubauen. Dafür dauert es länger.“ Außerdem sei es den Schaustellern ein großes Anliegen, die Tradition der Volksfeste zu bewahren. Deswegen, sagt der Vize-Bundesvorsitzende der Schausteller, ist es immer schon so gewesen, dass man gemeinsam mit der Zeit gegangen ist und flexibel auf neue Anforderungen reagiert hat.

Das Frühlingsfest boomt

„Wir leisten uns seit Ende der 60er Jahre zwei Feste und seit den 50ern ein Volksfest. Wir sind aber eine Stadt mit 18 000 Einwohnern. Die Besucher auf den Festen werden nicht mehr, das Geld sitzt nicht mehr so locker, aber die Ausgaben steigen. Es war an der Zeit, zu reagieren“, legt Plötz nach.

Es war eine schwere Entscheidung, aber es war die richtigeChristian Plötz, Vorsitzender des Chamer Volksfestvereins

Der Volksfestverein hat sich für das Frühlingsfest entschieden. Dafür spricht viel, sagt Plötz. Das Frühlingsfest boomt seit Jahren, während das Volksfest eine mühsame Sache geworden ist, angesichts der zahlreichen Feste und Veranstaltungen, die im August im gesamten Umfeld stattfinden. Das Frühlingsfest aber ist traditionell im Mai meist das erste Fest zu Beginn der Saison. Das zeigt sich in den Besucherzahlen. Deswegen, sagt Plötz, hat sich der Volksfestverein entschieden, nur noch ein Fest zu veranstalten und das dafür zehn Tage lang: das Frühlingsfest. Wie heißt dann künftig der Verein? Frühlingsfestverein? Plötz lacht. „Das ist nur der Name, den uns der Volksmund gegeben hat, weil der andere etwas unaussprechlich ist: Eigentlich heißen wir ja Verein zur Förderung öffentlicher Veranstaltungen und kultureller Bestrebungen der Stadt Cham e. V.“

Wettbewerb: Wie heißt das neue Fest?

Gut, wenn das geklärt ist, wie heißt dann künftig das Fest? Diese Entscheidung will der Volksfestverein in die Hände der Chamer Bürger legen und demnächst einen Wettbewerb ausschreiben. Der soll noch im Dezember laufen, damit später genug Zeit ist, die Werbekampagne für das Fest zu organisieren. Im Februar gibt es dann eine Pressekonferenz, in der zehn Tage Programm und die Attraktionen vorgestellt werden. Plötz ist sich sicher: „Es war eine harte Entscheidung, aber es war die richtige.“