Schwarzbau-Vorwurf: Arrachs Bürgermeister Mühlbauer bringt Carport-Teil mit

Von Regina Pfeffer · 3. Dezember 2025 um 13:00

Finanzen, Feuerwehr, Fremdenverkehr: Um solche Themen drehen sich Bürgerversammlungen normalerweise. Gerhard Mühlbauer, Bürgermeister von Arrach (Landkreis Cham), hat unlängst das Spektrum erweitert – und ein abgesägtes Teil seines eigenen Carports mitgebracht. Er wollte so den Vorwurf eines „Schwarzbaus“ entkräften.

In seiner Eigenschaft als „offener und ehrlicher Gemeindebürger“ nutzte Bürgermeister Mühlbauer die Bürgerversammlung, um zu bekennen, dass er bei der Errichtung eines Carports „versehentlich seine Grundstücksgrenze überbaut“ habe. Der betroffene Nachbar habe Strafanzeige gestellt.

Bürger reagieren mit spontanem Applaus

Grenzen und Abstände seien nicht eingehalten worden. So habe er die erlaubte Traufhöhe überschritten und zehn Quadratmeter zu groß gebaut. „Entschuldigung, dass dies passiert ist, aber Fehler passieren einfach und ich habe sie gelöst“, so der Bürgermeister, der sich gegen den Vorwurf des „Schwarzbaus“ ausdrücklich verwehrte. Spontanen Applaus brachte das mittlerweile abgeschnittene Dachteil des Carports, das Mühlbauer anschaulich auf der Bühne vorzeigte.

Entschuldigung, dass dies passiert ist, aber Fehler passieren einfach und ich habe sie gelöst.Bürgermeister Gerhard Mühlbauer

Im Rahmen der Bürgerversammlung der Gemeinde Arrach hat auch Tourist-Info-Leiter Stephan Frisch seinen Bericht abgegeben. Er ging auch auf aktuelle Tendenzen ein. „Seit zehn Jahren liegt der Fokus unter anderem auf der Neubelebung und Weiterentwicklung der Werbegemeinschaft Lamer Winkel. Wir haben es geschafft in den letzten Jahren, eine ,Marke Lamer Winkel‘ aufzubauen“, so Frisch einleitend. Im laufenden Jahr könne man sehr zufrieden sein, wann man die blanken Zahlen betrachte. Diese stellte der TI-Leiter mit aussagekräftigen Säulen-Diagrammen dar.

Laut Tourismusverband Ostbayern stiegen die Preise im ostbayerischen Raum innerhalb der letzten fünf Jahre um 30 Prozent. Auch im Luftkurort Arrach blieb man von der negativen Entwicklung im Bereich der Gastronomie (teils wegen fehlender Nachfolger, Personalmangel oder sonstigen Gründen einer Betriebsaufgabe) nicht verschont. Als Gefahr habe sich die Preisentwicklung der Parkgebühren in den Wintersportzentren gezeigt.

Ein leichtes Plus bei den Übernachtungszahlen

Ein leichtes Plus von einem Prozent habe sich dennoch bei den Übernachtungszahlen ergeben. Ins Auge gefasst wird die Erhöhung des Kurbeitrags (unverändert bei 1,30 Euro seit der Euro-Umstellung 2002) Ende 2026 auf etwa zwei Euro.

„Uns bricht mittlerweile der Winter weg. Die Zahlen vor 2019 sind nicht mehr zu erreichen“, bekannte Frisch bezüglich der unsteten Wetterlage, fehlendem Schnee, Schließung des örtlichen Skigebietes und Wegfall einiger Betriebe.

Während man bei den Übernachtungszahlen im Winter ein Minus von 1,5 Prozent verbuchen musste, stiegen die Zahlen von Mai bis Oktober um 1,0 Prozent an. „Wir wollen nicht schwarzmalen, aber die Gefahren berücksichtigen“, so der Tourismus-Fachmann.

Wetter-Pech beim „Bunten Sommer 2025“

Werbewirksam war die Teilnahme an überregionalen Veranstaltungen wie dem Trailrunning-Event U.TLW (Eröffnungsveranstaltung im Seepark) oder bei der Landesgartenschau in Furth im Wald. Die Qualität förderten Maßnahmen wie die erfolgreiche Re-Prädikatisierung als Luftkurort, die Zertifizierung der Tourist-Info Arrach und die Nachzertifizierung „Reisen für alle“.

Pech gehabt habe man mit dem Kulturprogramm „Bunter Sommer 2025“, der wetterbedingt schlecht ausfiel (nur vier von acht geplanten Veranstaltungen). Bei den neuen Terminen warte man die Auslosung der Fußballweltmeisterschaft am 5. Dezember ab. Auf einen zahlreichen Besuch freue man sich für die Seeweihnacht am Sonntag, 14. Dezember.

Lob für die Seniorenbeauftragte Marion Weber

Bürgermeister Gerhard Mühlbauer dankte der Seniorenbeauftragten Marion Weber für ihre hervorragende Arbeit seit 2014, seit 2018 mit Seniorenfahrzeu). Seit kurzem finde eine „früchtetragende Kooperation“ mit dem Nachbarort Hohenwarth statt, zu der gemeinsam organisierte Ausflüge, Vorträge und andere Festivitäten gehören.

946 Adressen wurden wegen des Breitbandausbaus (Schließung der Versorgungslücke durch Kooperation mit dem Eigenbetrieb Digitale Infrastruktur des Kreises Cham) angeschrieben. Gesamtkosten/Gemeindeanteil: 1,6 bis 2,4 Millionen Euro, Fertigstellung 2027/28 (unverbindich).

PV-Anlage auf dem Dach der Feuerwehr geplant

Nach Ablauf der EEG-Förderung wird die PV-Anlage auf dem Rathaus/Schule von der Bürgersolarkraftwerk Arrach GdbR als Eigenverbrauchsanlage weiterbetrieben. Weitere Photovoltaik-Anlagen sollen auf den beiden Feuerwehrgerätehäusern entstehen. Die Gemeinde Arrach beteiligt sich mit einem Betrag von 262 532 Euro am Regionalwerk Cham. Der Car-Sharing-Standort Arrach mit Mikar wird verlängert.

Das BRK Cham plant eine Rettungshalle mit 200 Quadratmetern für Fahrzeughalle, Umkleide, Aufenthaltsraum, Lager usw. Die Gemeinde Arrach hat dazu ein entsprechendes Grundstück in Nähe des Bauhofes angekauft. Eine Konzeptstudie aus dem Jahr 2011 für ein mögliches gemeinsames Feuerwehrzentrum mit Rettungsstandort und gewerblich genutzten Räumen, eventuell auch für den Katastrophenschutz, sei aber eine Zukunftsvision und derzeit noch nicht spruchreif, so Rathauschef Gerhard Mühlbauer zu eingegangenen Fragen eines Bürgers.