Parsberg: Neue Lebenshilfe-Außenstelle erleichtert Zugang zu Frühförderung und Beratung

Von Markus Rath · 2. Dezember 2025 um 17:00

Die Lebenshilfe Neumarkt eröffnet eine neue Außenstelle in Parsberg. Bevor die neuen Räume am Freitag feierlich eingeweiht werden, durfte die Mediengruppe Bayern sie besichtigen und dabei erfahren, was die neue Einrichtung für die Menschen im südöstlichen Landkreis bedeutet.

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Helle Flure, warme Farben – die neue Außenstelle der Lebenshilfe Neumarkt wirkt einladend und motivierend zugleich. „Für uns ist das ein Quantensprung“, sagt Brigitte Gradl, Leiterin der Frühförderstelle. „Eigene Räume zu haben, eröffnet ganz andere Möglichkeiten. Spontane Elterngespräche, flexiblere Förderung – das tut unserer Arbeit unglaublich gut.“

Die Frühförderstelle ist der größte Baustein der neuen Außenstelle. Sie begleitet Kinder, die in ihrer Entwicklung Unterstützung brauchen oder deren Teilhabe gefährdet ist, von der Geburt bis zur Einschulung. Rund 420 Familien im gesamten Landkreis Neumarkt werden aktuell betreut – von Diagnostik über offene Beratung bis hin zu therapeutischer und pädagogischer Förderung.

„Bei uns arbeiten Pädagogen, Therapeuten und ein Psychologe Hand in Hand,“ erklärt Gradl. „Frühförderung ist immer eine Komplexleistung. Es geht nie nur um eine Therapieform, sondern um ein ganzheitliches Angebot für Kind und Eltern.“

Wartelisten sind bei Frühförderung leider Alltag

Der Bedarf steigt – auch das verschweigt niemand. Wartelisten gehören inzwischen zum Alltag. „Das schmerzt jedes Mal“, sagt Gradl. „Weil es oft kostbare Zeit ist, die verloren geht.“ Die neuen Räume sollen helfen, Engpässe zu entschärfen.

Deshalb ist Parsberg für den Bereichsleiter Kinder und Jugend, Gerhard Seitz, und die Lebenshilfe mehr ist als ein Außenposten: „Wir sind schon lange hier aktiv – in der schulvorbereitenden Einrichtung, in der heilpädagogischen Tagesstätte und im offenen Ganztag. Aber man hat uns nicht gesehen.“

Mit dem neuen Standort werde das anders. Die Räume dienen künftig auch als Basis für ambulante Dienste – zum Beispiel für Hilfen zur Erziehung oder das Netzwerk Frühe Kindheit (Koki). „Unsere Kolleginnen sind viel unterwegs, unterstützen Familien zuhause. Jetzt haben sie eine feste Anlaufstelle für Besprechungen oder Dokumentation. Und vielleicht entsteht aus dem Raum auch mal etwas Kreatives“, sagt Seitz.

Eine Besonderheit ist der interdisziplinäre Fachdienst: Fachkräfte unterstützen Kinder mit Integrations- oder Inklusionsplatz direkt in den Kitas und Krippen. „Sie helfen im sozial-emotionalen Bereich, beraten Teams und begleiten die Kinder im Alltag“, so Gradl. Auch dieser Dienst profitiert von der neuen Basis, die Seitz auch als Signal sieht.

Seitz: „Frühförderung muss wohnortsnah und barrierefrei erreichbar sein.“ Für Familien und deren Kinder bedeute dies eine Entlastung beim ersten Schritt, bei Beratung und Förderung. Die Schwelle, sich Hilfe zu suchen werde niedriger.

Signal für gesamte Region Parsberg

„Zudem wird unser Angebot mit der neuen Außenstelle noch stärker regional verankert“, sagt Seitz – ein Schritt, der der Inklusion, Teilhabe und familiengerechten Versorgung neue Möglichkeiten gebe. Für Sorgeberechtigte, Fachkräfte und Kinder sei das ein Gewinn – und ein gutes Signal für die Gesamtregion.

Auch deshalb könnte die Lebenshilfe auf lange Sicht weitere Außenstellen gut gebrauchen. „Gerade der südliche Landkreis wäre ein Traum“, meint Seitz. „Das würde Wege verkürzen – für Familien und für uns.“

Welche neuen Möglichkeiten eine solche Außenstelle bietet, zeigt der Rundgang in Parsberg, wo Gradl die unterschiedlichen Funktionsräume zeigt: Ein Physiotherapieraum mit fest verankertem Klettergerüst, so dass man auch verschiedene Ebenen ausprobieren kann. Die Kinder können dort klettern.

Zusätzlich können ganz viele Schaukelmöglichkeiten installiert werden. Im Normalfall wird in diesen Räumen eher eine Einzelförderung gemacht. Eine Trennwand ermöglicht es zudem, aus dem großen Raum zwei Räume zu machen.

Im Materialschrank zeigt Brigitte Gradl Flusssteine, Bälle und Motorikmodule. - Foto: Markus Rath

Im Psycho-Motorik-Raum, dem größte Bewegungsraum der Einrichtung, wird in kleinen Gruppen trainiert – kognitive Fähigkeiten, Ausdauer, Motorik, Kreativität. „Ganz oft sind das Vorschulkinder, die sich hier fit machen für einen guten Start in die Schule“, erzählt Gradl, während sie einen Materialschrank öffnet, gefüllt mit Flusssteinen, Bällen und Motorikmodulen. „Wir können hier Bewegungslandschaften aufbauen und so das Gleichgewichtssystem gezielt fördern.“

Gut zu wissen

• Einweihung: Am Freitag, 5. Dezember, werden die Räume bei einer Feierstunde mit geladenen Gästen offiziell eingeweiht.

• Tag der offenen Tür: Von 14.30 bis 17 Uhr können Besucher die Frühförderstelle im Haus der Gesundheit (zweiter Stock) und alle weiteren Angebote kennenlernen. Es gibt Kinderaktionen, Gespräche mit Mitarbeitenden und Einblicke in die Arbeit der interdisziplinären Teams.