Nach schwierigen Jahren mit Kurzarbeit: Mahlo in Saal lässt Krisen-Modus hinter sich

Um ein Viertel brachen die Aufträge für das Unternehmen Mahlo, Spezialist für Regel- und Messtechnik in Saal a. d. Donau im Landkreis Kelheim in den letzten Jahren ein. „Jetzt haben wir die Talsohle durchschritten“, sagt das Inhaber-Ehepaar Ralph und Aura Greenwood-Mahlo. Kurzarbeit und Stellenabbau durch natürliche Fluktuation halfen durch die Krise.
„Die Mitarbeiter fürchten nicht um ihre Jobs.“ Aussagen wie diese vom Betriebsratsvorsitzenden Matthias Ziegler spiegeln die vorsichtig positive Stimmung der Belegschaft wider. „Die Beschäftigten wissen, dass es in den vergangenen Jahren schwierig war, stehen aber weiterhin hinter dem Unternehmen“, erklärt er. 179 Mitarbeiter zählt der Standort in Saal, darunter 26 Azubis.
Vor zwei Jahren waren es noch gut 20 Mitarbeitende mehr. „Die Stellen wurden überwiegend über Ruheständler und Altersteilzeit reduziert“, erklärt Ralph Greenwood-Mahlo. Geholfen habe dabei die Kurzarbeit, letztmals im ersten Quartal 2023. „Jetzt haben wir dieses Instrumentarium ausgeschöpft. Aber wir werden es auf absehbare Zeit auch nicht mehr einsetzen.“
Nach Rekordjahr 2021 auf Talfahrt
Ein „Speckpolster“ aus guten Jahren, so der Firmen-Inhaber (wie seine Gattin Gesellschafter), trug ebenfalls zur Stabilisierung bei. „Sonst hätte es massiv Kündigungen gegeben.“ Sein Rekordjahr 2021 erlebte der Betrieb ausgerechnet in der Corona-Zeit. „Der lange Lockdown in China hat die Textilproduktion dort fast zum Erliegen gebracht. Dafür haben Länder wie die Türkei, Ägypten, Pakistan und Bangladesch angeschoben“, erklärt Geschäftsführer Rainer Mestermann.

Bei Mahlo sprudelten Aufträge für Richtmaschinen, die für die genaue Ausrichtung des Textilgewebes sorgen, herein. Parallel gewann das Unternehmen Marktanteile bei Messsystemen für Vliesstoffe, aus denen unter anderem Schutzmasken hergestellt werden. Zahlen über die damaligen und aktuellen Umsätze geben die Firmenverantwortlichen nicht heraus. „Danach ging es allerdings schrittweise zurück“, sagt Mestermann.
Verglichen mit 2021 brach das Auftragsvolumen bis heute um etwa 25 Prozent ein. „Als China wieder hochfuhr, gab es Überkapazitäten“, der Ukraine-Krieg verschärfte den Abwärtstrend durch die Verteuerung bei Energie und Lebensmitteln. „Wer mehr für den täglichen Bedarf ausgeben muss, greift weniger zum Hemd im Regal“, veranschaulicht Aura Greenwood-Mahlo. Die Textilindustrie schwächelte.
Seit September diesen Jahres registriert der Mittelständler wieder mehr Aufträge. „Es gibt vorsichtige Zeichen, dass es aufwärts geht“, so Ralph Greenwood-Mahlo. Deutlich besser könnte das US-Geschäft laufen. Doch der erhobene Zoll von 15 Prozent erschwert den Export. Zudem verharrten Unternehmen in den Staaten in einer abwartenden Haltung. „Es gibt wenig Investitionen, weil niemand weiß, was der Politik morgen einfällt“, sagt der Firmenchef. Von 3,6 Millionen Euro Auftragseingang am US-Markt in 2024 ging er heuer zurück auf 2,8 Millionen. „Das schmerzt uns“, so Geschäftsführer Mestermann.
Die Weisheit der Großmutter
Die Geschäftsfelder Richtmaschinen sowie Messsysteme tragen jeweils zur Hälfte zum Gesamtvolumen des Betriebes bei. Mit 200 bis 400 produzierten Richtmaschinen im Jahr gilt Mahlo als Weltmarktführer, je nach Komplexität kostet eine zwischen 30.000 und 150.000 Euro. „Da will uns die Konkurrenz natürlich das Wasser abgraben.“ Bei der Messtechnik laufe es aktuell auch verhalten, aber die Marktchancen seien größer, so der Geschäftsführer.
„Schon meine Oma hat gesagt, dass der Textilsektor immer volatil ist“, erinnert sich Ralph Greenwood-Mahlo eines Satzes der früheren Firmeninhaberin. Darum habe man mit den Messsystemen vor 15 Jahren ein zweites Standbein aufgebaut. „Eine richtige Entscheidung“, unterstreicht Betriebsratschef Ziegler, der seit 38 Jahren bei Mahlo arbeitet.

Für den Blick in die Zukunft „bräuchten wir eine Glaskugel“, lächeln die Greenwood-Mahlos. „Als Unternehmen mit 80 Prozent Exportanteil sind die geopolitischen Spannungen stets ein Unsicherheitsfaktor“, sagt der Gesellschafter. „Wir bleiben positiv eingestellt“, ergänzt seine Frau.
Gehe es spürbar aufwärts, könnte man wieder über neue Stellen nachdenken. „Vorerst würden wir aber unsere Azubis übernehmen. Nicht allen können wir derzeit eine Zukunft im Betrieb versprechen.“ Ein sicherer Job gebe dem Nachwuchs Perspektiven.
Eine Änderung in der Unternehmensleitung tritt mit dem Jahreswechsel ein. Geschäftsführer Rainer Mestermann (62) hört nach 14 Jahren bei Mahlo auf. „Es gibt schon eine Nachfolgeregelung mit einer externen Lösung“, erklärt Ralph Greenwood-Mahlo. Wer es ist, werde man zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.