Bluttat Grafenau: Vater des Getöteten spricht über Beziehung: „Es gab ständig a Gaudi“

Es war wohl dieser wunderschöne Anblick, der sie schmerzte und ihr vor allem zeigte, was auch sie gerne hätte. „Du schaust so schön aus in dem Kleid, ihr seid so ein tolles Paar. Ich werd’ das alles nie haben.“ Das waren die Worte der 26-jährigen Angeklagten, die sich seit Mitte November vor dem Landgericht Passau wegen Totschlags verantworten muss.
Am Freitag, dem dritten Prozesstag, sagten Hochzeitsgäste aus. Denn unmittelbar vor der Tat war das Paar zu Besuch auf dieser Feier gewesen.
Ihr wird vorgeworfen, Anfang Juni ihren 24-jährigen Partner und Vater des gemeinsamen einjährigen Sohnes in ihrer Wohnung in der Elsenthal-Siedlung in Grafenau mit einem Messer erstochen zu haben.
Zeugen: Angeklagte wirkte bei Hochzeitsbesuch traurig
Am Freitag, dem dritten Prozesstag, sagten Hochzeitsgäste aus. Denn unmittelbar vor der Tat war das Paar zu Besuch auf dieser Feier gewesen.
Die dortige Stimmung sei ausgelassen gewesen. „Doch dann hatte Christina plötzlich zu weinen begonnen“, erinnerte sich der Bräutigam im Zeugenstand. Die Braut hatte sich dann sogar eine halbe Stunde Zeit genommen, hatte mit ihr gesprochen. Christina habe traurig gewirkt, betrübt, dass die eigene Beziehung nicht gut laufe. „Ich hab’ ihr dann immer gesagt, dass das schon wieder wird und dass es in jeder Beziehung mal Streit gibt“, erinnerte sich die Braut. Auch Julian L. habe versucht, seine Partnerin zu beruhigen.
2026 wollten Christina K. und Julian L. heiraten
Wenig später stand dann das Werfen des Brautstraußes an. „Ich wollte dafür noch ein paar Freundinnen zusammensuchen“, so die Braut, „und plötzlich kam Julian auf mich zu und sagte überraschend: ,Wirf der Christina den Strauß zu!‘“ So kam es dann auch, Christina K. fing den Strauß und direkt danach hatte Julian L. einen Ring herausgekramt und seiner Partnerin einen Heiratsantrag gemacht, den sie auch annahm. Und offenbar wollte das Paar dieses Mal Nägel mit Köpfen machen: Sie hatten direkt die Hochzeitssängerin gefragt, ob sie im kommenden Jahr Zeit habe, auch auf ihrer Hochzeit zu singen. Sogar einen Termin nannten sie: Der 30. Mai 2026 sollte es sein.
An ein seltsames Erlebnis erinnerte sich das Brautpaar ebenfalls: Bei ihrem Polterabend war auch Christina K. zu Besuch. „Wir haben alle ganz normal das Geschirr auf den Boden geworfen. Aber wenn beispielsweise eine Tasse nicht zerbrochen ist, ist Christina immer hin und hat sie noch einmal auf den Boden geworfen, teilweise direkt vor die anderen Gäste oder vor die Kinder.“
Wir begleiten den Totschlag-Prozess am Landgericht Passau in einem Newsblog. Hier zum Nach- und Mitlesen.
Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Dr. Jürgen Heinrich, wie betrunken das Paar bei der Hochzeitsfeier gewesen war, gab es unterschiedliche Wahrnehmungen. Beide seien allerdings nicht total alkoholisiert gewesen. Der Busfahrer, der die Hochzeitsgäste nach der Feier nach Hause fuhr, schilderte jedoch, dass Christina K. „aus dem Bus stolperte“.
Chef des Opfers: „Er war im Betrieb der beste Mann“
Auch Arbeitskollegen des Getöteten sagten aus. Sein Chef, der zugleich der Bräutigam jenes folgenschweren Abends war, fand nur lobende Worte: „Er war im Betrieb der beste Mann. Jeder wollte ihn auf der Baustelle haben.“ Der 24-Jährige sei zuverlässig und angenehm gewesen, es habe nie Streit gegeben. Auffallend sei gewesen, dass Julian L. zunächst immer heimatnah arbeiten wollte, nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes mit der Angeklagten jedoch darum bat, mehr auf Montage gehen zu dürfen – „weil er es zu Hause nicht mehr aushält“, erinnerte sich der Chef.
Am Nachmittag sagten Familienangehörige des Getöteten aus. Sie alle zeichneten ein schlechtes Bild der Beziehung. „Es hat schon eine Kleinigkeit gereicht, dann hat sie gesponnen“, sagte beispielsweise der Vater des Verstorbenen aus. Christina K., so vermuteten es die Angehörigen, sei sehr eifersüchtig gewesen: auf die frühere Freundin von Julian und auf deren gemeinsamen Sohn. „Teilweise wirkte es auch, als sei sie auf uns eifersüchtig“, so der Vater. Sein Sohn habe sich während der Beziehung stark verändert: „Er durfte irgendwann nichts mehr tun, es gab ständig a Gaudi, die Christina hat ihm nicht gut getan.“ Regelmäßig habe Christina K. den 24-Jährigen aus der Wohnung geworfen oder ihn ausgesperrt.
Bruder des Verstorbenen sagte, dass die Beziehung stark von Streit geprägt war
Auch der jüngere Bruder des Verstorbenen sagte, dass die Beziehung sehr stark von Streit geprägt war. Sein Bruder sei jedenfalls nie aggressiv gegenüber seiner Partnerin gewesen. Vielmehr habe man bei der Angeklagten häufiger grobes Verhalten bemerkt. So seien aus Neckereien schnell Fußtritte geworden oder mal ein Biss in Julians Brustwarze.
An eine Unterhaltung erinnerte sich eine frühere enge Freundin der Angeklagten. Es ging darum, was bei einer Trennung mit dem gemeinsamen Sorgerecht wäre: „Dann würde sie einen Weg finden, das alleinige Sorgerecht zu erhalten“, zitierte die Zeugin. „Notfalls hänge ich ihn hin wegen Schwarzarbeit“, soll Christina K. damals gesagt haben. Am Montag wird der Prozess fortgesetzt.