Trauer um Waldschlössl-Wirt: Sepp Maurer, der „Gschlößl Sepp“, ist gestorben

Sepp Maurer senior, der Waldschlössl-Wirt, ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren gestorben – zwölf Tage nach seinem Geburtstag. Mit ihm verliert der Landkreis Cham einen der großen Visionäre und Vorreiter herzlicher bayerischer Gastlichkeit.
Gemeinsam mit seiner Frau Marianne führte er das Hotel „Waldschlössl“ auf der Höllhöhe, das 1862 als kleines Wirtshaus seinen Anfang genommen hatte. Was einst mit einer einzigen Mitarbeiterin begann, wurde unter seinen Händen zu einem Betrieb, der zuletzt rund 90 Beschäftigten Arbeit bot.
Geboren 1944
Geboren am 15. November 1944 in Bruckhof als jüngstes von neun Kindern, wuchs Sepp Maurer in einer glücklichen, behüteten Familie auf. Wie sein Vater Michael war er von Natur aus handwerklich begabt und stets bereit, anzupacken. Er lernte, wie sein Vater, den Beruf des Elektrikers und war gleichzeitig in der Landwirtschaft tätig. Im elterlichen Betrieb arbeitete er mit großem Einsatz. Begeistert erzählte er später seinen Söhnen immer wieder davon, wie die ersten Fernsehgeräte ausgeliefert wurden. Schon mit 16 Jahren richtete er mit seinen Brüdern Max und Michael den Strom im Schulhaus von Rattenberg ein. Im Alter von 25 Jahren lernte er die zehn Jahre jüngere Marianne Aschenbrenner aus Schergengrub kennen. Sie war die Liebe seines Lebens und er blieb bis zu seinem Tod jeden Tag an ihrer Seite.
Mit einfachsten Mitteln richteten sich die beiden ihr erstes Zuhause ein und heirateten in der Bergkirche Neurandsberg. Tagsüber arbeitete er im Schichtbetrieb bei der Firma Bischof und Klein, abends und an den Wochenenden fuhr er mit dem Mähdrescher Lohnarbeiten. Drei Jahre später übernahm das junge Paar das Waldschlössl in Neukirchen b. Hl. Blut, das Elternhaus seines Schwiegervaters Ludwig Aschenbrenner. Im Juni 1978 kam ihr erster Sohn Sepp zur Welt, im November 1980 ihr zweiter Sohn Ludwig. Die harten Anfänge veranlassten ihn, im Alter von 36 Jahren einen dritten Beruf zu erlernen und so machte er aus Liebe zu seiner Frau in Pocking eine Kochlehre. Die ersten Gäste holten die beiden damals noch mit einem alten VW-Bus bis aus Berlin. Schritt für Schritt und mit viel Fleiß wuchs aus bescheidenen Anfängen ein Vier-Sterne-Wellnesshotel. Und mit Gerichten wie seinem berühmten Jäger- und Almpfandl wurde Sepp Maurer weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt.
Besonders am Herzen lag es ihm, den Hof Schergengrub zu erhalten und damit beiden Söhnen eine Zukunft zu ermöglichen. Mit viel Geduld lehrte er ihnen Werte wie Ehrlichkeit, Anstand, Stolz und Leidenschaft für die Aufgaben, die das Leben verlangt. Immer wieder sagte er zu ihnen: „Ihr zwei müsst zusammenhalten, egal was ist. Dann kann euch nichts passieren.“ Er zeigte ihnen handwerkliche Fähigkeiten, brachte ihnen das Kochen bei - und das mit einer Ruhe und Freude, die nur ein Vater besitzt, der seine Kinder über alles liebt. Seine Söhne waren sein ganzer Stolz.
Stolz auf seine Söhne
Sein jüngerer Sohn Ludwig wurde einer der besten Köche Deutschlands und machte aus Schergengrub eines der bekannten Häuser der Region, während sein älterer Sohn Sepp seinen eigenen Weg ging, ein erfolgreicher Trainer wurde, die Sportschule Kinema aufbaute und das Waldschlössl weiterführte.
Bis zuletzt galt die Leidenschaft von Sepp Maurer sen. dem Fußball. Die DJK Rattenberg und der FC Bayern München waren seine Lieblingsvereine. Und auch der Wald blieb einer seiner liebsten Orte. Nach längerer Krankheit verstarb er im Kreise seiner geliebten Familie. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen besonderen Menschen: den Gschlößl Sepp, der jeden Tag mit tiefer Zufriedenheit lebte. Der Vater war’s, was braucht’s der Worte mehr.