Eine wahrlich weihnachtliche G’schicht: Charles Dickens auf Bayrisch in Schwaig

Bilderbuch-Theateraufführung für die ganze Familie mit Gänsehautmomenten in Schwaig. Das ist bei der Schwoagara Dorfbühne diesen Winter geboten.
Auf dem Weg zur Appel-Seitz-Stiftung nach Schwaig sah man vergangenen Freitag bereits erste weihnachtliche Dekorationen leuchten. Richtig weihnachtliche Stimmung zauberten dann rund 45 Darsteller aus drei Generationen mit der sehr emotionalen Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens auf die Bühne – auf Bayrisch. Darin wandelt sich der kalte, hartherzige Ruach zum warmherzigen Menschen.
Die „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens hatte Christian Hauber bereits vor einigen Jahren ins Bayerische übertragen und ein Manuskript für eine Theateraufführung geschrieben. Dabei hat er viele hintergründige Gedanken über das menschliche Streben nach Geld, Gier und Geiz einfließen lassen. Nach Aufführungen im Jahr 2013 und 2015 hat er mit Unterstützung von Steffi Gruner und Stefan Eichschmied neue Elemente, unter anderem sechs Lieder und zwei Tänze – Sternpolka und Showtanz –, eingebaut und das Stück der Dorfbühnen-Familie (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) „auf dem Leib“ geschrieben.

Vom Knirps bis zum Senior
Rund 45 Mitwirkende im Alter von vier bis 66 Jahren, darunter auch so manches Enkelkind eines Darstellers, schlüpften in 53 Rollen mit fantasievollen Kostümen. Unter anderem waren Schulkinder, Mägde, Waschweiber, Dorffrauen, Geister, ein Polizist, Musikanten und ganze Familien auf verschiedenen Schauplätzen zu sehen.

Das fröhliche vorweihnachtliche Treiben auf dem Dorfplatz mit Maroni-Stand und ausgelassener Schneeballschlacht der Kinder wird plötzlich vom lauten Schimpfen des hartherzigen Großgrundbesitzers Bartholomäus Ruach unterbrochen, für den es kein Weihnachten gibt. In seiner Schreibstube drangsaliert er den Angestellten Egidius Fretter und schlägt jede Hilfe für bedürftige Personen kaltherzig aus.
Da taucht der Geist des verstorbenen Jakob Notinger, einem verstorbenen ehemaligen Geschäftspartner vom Ruach auf, der wegen seines raffgierigen Lebens in Ketten gefesselt ist. Wenn es ihm gelingt, den Ruach von seiner Hartherzigkeit abzubringen, würde er davon befreit.

Zusammen mit fünf anderen Geistern gelingt es ihm, den Ruach zu überzeugen, mit dem „Engel der Weihnacht“ in seine Vergangenheit zurückzuschauen. Vor lauter Gier nach Geld hatte er seine geliebte Fine nicht geheiratet. Bartholomäus Ruach hadert mit seiner Vergangenheit und als in der „Geist der Gegenwart“ mit seinen „kalten“ Aussprüchen von früher konfrontiert, will er sich ändern. Aber erst ein Blick in die zukünftige Weihnacht gibt ihm die Kraft, sein Wesen zu ändern.

Am Grab seiner geliebten Fine versöhnt er sich mit ihr und sie offenbart sich ihm als „Geist der Weihnacht“. Da der Ruach sich zu einem warmherzigen Menschen gewandelt hat, wurde der Geist des Jakob Notinger auch von den Ketten befreit. Bartholomäus Ruach springt aus seinem Bett, und nachdem er zum ersten Mal wieder die Worte „Frohe Weihnachten“ aussprechen konnte, machte er sich daran, zu den Menschen gut zu sein und vor allem die bedürftigen Menschen zu unterstützen.
Vorsitzender spielt den Ruach
Sebastian Liedl, erster Vorsitzender der Schwoagara Dorfbühne, spielte den Bartholomäus Ruach. Seine emotionale Ausdrucksweise in den verschiedensten Gefühlslagen ist unübertroffen, egal ob „eiskalt“ oder „herzlich“. Die Versöhnung mit „seiner“ Fine am Grab ist so manchem Besucher „unter die Haut gegangen“. Genauso überzeugend hat Christian Hauber den gefangenen Geist des Jakob Notinger in Aussehen, Mimik und Gestik verkörpert. Beide gingen in ihren Rollen voll auf und ihre bayerische Mundart, manchmal auch a bisserl derb, brachte so manche Emotion auf den Punkt.

Nicht weniger authentisch waren auch alle anderen Mitwirkenden sowohl in ihrer Verkörperung der Rollen wie auch in den Kostümen. Die wechselnden Bühnenbilder, aus raffinierten Einblendungen aber auch konkret detailgetreuen Requisiten „zusammengebaut“, verstärkten die emotionale Wirkung einzelner Szenen. Exakt aufeinander abgestimmte Ton- und Lichteffekte betonten die Situationswechsel zwischen Wirklichkeit, Traum und Geisterwelt. Nach rund dreieinhalb Stunden und minutenlangem Applaus gingen 230 Erwachsene und Kinder mit der Erwartung nach Hause, „dass morgen schon Weihnachten“ ist. Elf weitere, bereits ausverkaufte Aufführungen stehen noch an.