Die Aids-Tanzgala: Gewaltiges Paket an Tanzkunst im Theater Regensburg

Von Michael Scheiner · 23. November 2025 um 16:50

Die Aids-Tanzgala am Theater Regensburg präsentierte zehn Choreografien und Ausschnitte, darunter von berühmten Namen wie Sasha Waltz und Richard Siegal. Aber der Liebling des Publikums war das Ensemble Upside Down.

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Das bunte Schlussbild mit allen Tänzern und Tänzerinnen und dem gesamten Regensburger Team machte noch einmal die gewaltige Leistung deutlich, die hinter der Aids-Tanzgala steckt. Zehn verschiedene Choreografien und Ausschnitte aus größeren Tanzstücken von acht Tanzcompanys und Ensembles verdichteten sich in der 22. Ausgabe der Benefizveranstaltung im Theater am Bismarckplatz zu einem künstlerischen Festschmaus, der seinesgleichen sucht.

Wie Balsam auf der Seele

Noch vor der offiziellen Begrüßung durch Intendant Sebastian Ritschel und der Übergabe der Moderation an Petra Stikel schlug die Regensburger Tanzcompany mit der Choreografie „Echoes of Language“ von Soleil Jean-Marain einen markigen Pflock ein. Zur rhythmisch und klanglich packenden Musik – „13 Drums“ von Maki Ishii – entwickelten fünf Tanzende eine enorm dynamische, vielstimmige Verhandlung und Unterhaltung der Körper. Beleuchtet von Leuchtstoffröhren, die wie Schaukeln vor den Akteuren hingen, entluden sich scharfe Spitzen gegeneinander, baute sich dramatische Spannung auf und ging regelmäßig etwas im Austausch schief.

Die Staatliche Ballettschule Berlin – hier: Helena Nietzold, Nicolo Schiavo und Cooper Tate – war mit „Romanze“ zu Gast. - Foto: Michael Scheiner

Über diese angespannt-vibrierende Stimmung legte sich Uwe Scholz’ „Romanze“ wie Balsam auf die Seelen der Gäste. Selbst Zuschauer und Zuschauerinnen, die keinen Draht zur Form des klassischen Balletts haben, zeigten sich in der Pause hellauf begeistert von der tänzerischen Leistung, der Hingabe und Ausdruckskraft der drei Tanzeleven von der Staatlichen Ballettschule Berlin. Zur Musik des Spätromantikers Sergei Rachmaninow tanzten Helena Nietzold, Nicolo Schiavo und Cooper Tate von der Berliner Schule mit federleichter Grazie und zärtlich-kraftvoller Anmut.

Alejandro Azoren und Skyler Maxey-Wert vom Ballett am Rhein zeigten die Choreografie „Mano a Mano“. - Foto: Michael Scheiner

In einer weiteren Choreografie des mit nur 45 Jahren verstorbenen Uwe Scholz – „die Schöpfung“ nach Joseph Haydn – standen die koreanische Solotänzerin Soojeong Choi und der Brasilianer Evandro Bossle vom Leipziger Ballett der Leistung der jungen Berliner in nichts nach. Dagegen wirkte der Pas de deux „Scène d’amour“ der hochdekorierten und preisgekrönten Choreografin und Regisseurin Sasha Waltz eigentümlich blutleer und wenig inspiriert. Rosa Dicuonzo und Yuya Fujinami tanzten den Ausschnitt aus Hector Berlioz’ Sinfonie „Romeo et Juliette“ in hellen neutralen Gewändern mit somnambuler Traumverlorenheit.

„Scène d’amour“ von der hochdekorierten Sasha Waltz, hier getanzt von Rosa Dicuonzo und Yuba Fujinami, wirkte eigentümlich blutleer und wenig inspiriert. - Foto: Michael Scheiner

Dagegen strotzte „Mano a Mano“, ein weiterer Pas de deux,hier von den beiden Choreografen Iratxe Ansa und Igor Bacovich, vor Kraft und Spannung. Alejandor Azorin und Skyler Maxey-Wert versprühten mit nackten Oberkörpern in kämpferischer, wie in tiefer zärtlicher Nähe das Aufeinanderprallen explodierender Lust und Leidenschaft. Dazu trug auch die orchestrale Musik von Astor Piazzolla und eine mit Hell-Dunkel-Kontrasten auf den Körpern spielende hervorragende Lichtregie bei, die dem Tanz eine zusätzliche herbe Note verpassten.

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Erhielten die beiden Tänzer des Ballett am Rhein Düsseldorf-Duisburg schon lautstarken Beifall, so konnte das regionale inklusive Ensemble Upside Down die üppigste Bestätigung und Resonanz verbuchen. Mit ihrer gemeinsam erarbeiteten Choreografie „Kleine Liebe“ eroberten die sechs Tanzenden, darunter eine Rollstuhlfahrerin, die Zuneigung des Publikums in dem bis auf den letzten Platz besetzten Theater praktisch im Sturm. Annäherung, Zugewandtheit, eine von Licht und halbtransparenten Tüchern umhüllte körperliche Begegnung und das leidvolle Verlassenwerden vermittelte das aus Laien und Profis bestehende Ensemble mit großer Eindringlichkeit und mit starkem Einsatz.

Knackiger Schlusspunkt

Gleich mit zwei sehr unterschiedlichen Produktionen war das Ballett Schwerin vom Mecklenburgischen Staatstheater bei der Aids-Tanzgala vertreten. Groovy, schnell und voller – auch popmusikalischer – Ironie präsentierte ein männlich-weibliches Quartett in blaugrünen Kostümen das Stück „7:1“, eine rasante Choreografie mit Discoanteilen von Jonathan dos Santos. Das machte richtig Laune. Weniger schwungvoll, als vielmehr von einer latent lastenden Stimmung getragen tanzten Anna Korostelova und Matteo Andrioli später auf abgedunkelter Bühne das Stück „Summer“ von Ana Isabel Casquilho. Die Portugiesin ist Ballettmeisterin in Schwerin.

Einen knackig-kurzen Schlusspunkt unter den Abend setzte schließlich Richard Siegal, der neue Chefchoreograf am Staatstheater Nürnberg, mit seiner Choreografie „Unitxt“ zu der von Grooves betonten Musik von Alva Noto.