Wieder erfreuen spezielle Anekdoten die Neustädter

Wieder einmal füllte eine Lesung am Buß- und Bettag die Neustädter Stadtbücherei. Es gab besinnliche Musik und heitere Gesichten - vorgetragen von Eduard Albrecht und der Oberstimmer Hoagartenmusi. Die Zuhörer wohnten dabei letztendlich einer Welturaufführung bei.
Bei seiner musikalischen Lesung in der Stadtbücherei trug Heimatpfleger Eduard Albrecht erstmals aus dem zweiten Band seiner „Geschichten links und rechts der Donau“ vor. Da spielte so manche Persönlichkeit eine Hauptrolle, an die man sich in Neustadt noch gut erinnert.
Der Artinger-Bader gehört dazu. So manche Anekdote gebe es von ihm. Die Lacher hatte Albrecht vor allem auf seiner Seite, als er darüber berichtete, dass der Artinger einmal beim Radeln von der Polizei gestoppt worden ist. Der Bader war mit nacktem Oberkörper unterwegs. Als Passanten das sahen, riefen die gleich die Gesetzeshüter, denn sie vermuteten: „Da ist ein Verrückter unterwegs, der aus einer Anstalt ausgebüxt ist.“ Der Bader war aber einfach sportlich, „der noch mit über 70 Jahren regelmäßig das Sportabzeichen abgelegt hat“.
Zweiter Band von Eduard Albrecht musste sein
Am Rande der Veranstaltung in der Bücherei verriet Albrecht dieser Zeitung, dass relativ rasch klar war, dass es einen zweiten Band seines Buches, das wie berichtet auf mündlich weitergegebenen Anekdoten und auch alten Zeitungsberichten beruht, geben werde. An die zehn Geschichten hatte er im ersten Teil nicht unterbringen können. „Und dann haben mir Leute auf dem Marchinger Dorffest allein noch einmal Fünf erzählt.“ Da war dann der Entschluss gefallen.
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Der Stadtheimatpfleger verrät nicht immer, ob denn jede seiner Erzählungen bis ins letzte Detail der Wahrheit entspricht. Beim Vortrag in der Bücherei betonte er bei einigen jedoch ganz bewusst, dass es sich auch so zugetragen hat. So bei der Geschichte vom Hienheimer Straßenwärter Sepp Koch. Hatte doch eines Tages ein Zeitgenosse beim Löwendenkmal an der Bundesstraße 16 bei Bad Abbach die Hoden der Tiere rot angemalt. Koch musste die Farbe entfernen, was ihm zu seinem Leidwesen den Spitznamen Sacklputzer einbrachte. Sackl bedeutet auf Bairisch unter anderem Hoden.
Die Polizei wurde eingeschaltet, konnte den Übeltäter aber nie ermitteln. Der habe sich viel später in einer Wirtshausrunde selbst verraten. Es war ein „Zuagroasta“ aus dem Norden. „Der hat sich über eine Niederlage des Hamburger SV gegen Bayern so geärgert, dass er die Missetat begangen hat.“ Leider habe der Sepp Koch das zu Lebzeiten nie erfahren. „Es bleibt zu hoffen, dass beide in der Ewigkeit darüber gemeinsam lachen können.“
Nur wenige Stühle blieben leer
Die musikalischen Lesungen am Buß- und Bettag locken laut Albrecht Jahr für Jahr mehr Zuhörer an. Heuer blieben von den 84 Stühlen, die laut Bücherei-Personal aufgestellt worden sind, nur einige wenige leer. Unter den Gästen waren beispielsweise Irmgard und Ludwig Huber aus Abensberg, der Albrecht vom gemeinsamen Wandern kenne und deshalb mit seiner Ehefrau gekommen sei. Die kannte bis dahin die Geschichten von Albrecht noch nicht - begeisterte sich aber rasch dafür: „Die Lesung ist sehr schön, sehr unterhaltsam.“

„Wir sind Hiesige, da muss man schon kommen“, sagte in der Pause derweil Evi Wittmann, die gemeinsam mit Freundin Lydia Schorsch zur Lesung gekommen war. Beide gehören nach eigenem Bekunden fast schon zum Stammpublikum von Albrechts Lesungen. Sie hätten einfach Spaß dabei - und da waren sie nicht die einzigen. Immer wieder gab es Applaus - und spontanes Lachen während der einzelnen Vorträge.
Erinnerungen eines Totengräbers aus Neustadt a. d. Donau
Zu genießen gab es während des Abends auch die Erinnerungen des Hienheimer Totengräbers Franz Thoma. Hatte so mancher Verstorbene doch eigenartige Vorkehrungen getroffen. So zimmerte sich ein Zeitgenosse selbst einen Sarg - mit Guckloch. Denn er habe sehen wollen, wer denn so alles zu seinem Begräbnis komme. Das müsse so doch funktionieren, dachte sich der gute Mann, immerhin gebe es das ewige Leben. Andere haben sich den Sarg mit Metall beschlagen lassen, um unter der Erde die Würmer abzuhalten.
Mittlerweile hat sich bei Albrecht ein wahres Sammelsurium solcher Geschichten angesammelt, wobei das schon Jahrzehnte gedauert hat. „Begonnen hat das alles, als Anton Metzger und ich vor rund 40 Jahren eine Dorfchronik für Marching verfassten.“ Damals schon sei ihm das eine oder andere aufgefallen. Und so habe er damit angefangen, sich Interessantes, das er hier und da aufgeschnappt hat, zu merken und aufzuschreiben. Und jetzt kann er eben gleich zwei Bücher präsentieren, die voller Anekdoten seiner Heimat sind.

Und so hörten die Gäste des Abends auch noch von dem kleinen Marchinger Jungen, der die Sterbeglocke der Kirche so gern geläutet hat, da ihm der Klang gefiel. Dass er damit jedes Mal das ganze Dorf in Aufruhr versetzte, kam ihm da nicht in den Sinn. Außerdem wissen sie jetzt, wie es Karl Zettl schaffte, seine selbstgebaute Kapelle weihen zu lassen, nachdem der Regensburger Bischof ihm das eigentlich verwehrt hatte. Das Bauwerk gründet sich übrigens auf ein Gelübde, dass der Gögginger Gastronom einst ablegte, um Enkelkinder zu bekommen.
Diese Geschichten und Erzählungen waren während der rund zwei Stunden in der Stadtbücherei immer wieder durchsetzt mit Musik. Da griff Albrecht wie beschrieben mehrfach selbst zur Gitarre, außerdem spielte die Oberstimmer Hoargarten Musi, die aus der einstigen Heimat des Protagonisten stammt, auf.
Am Dienstag, 25. November gibt es in Pförring die nächste Gelegenheit auf einen Auftritt von Eduard Albrecht. Um 18.30 Uhr hält er im dortigen Pfarrheim den historischen Vortrag „Auf da Doana möcht i fahrn“.