Leerstand in Bad Kötzting soll moderner und bezahlbarer Wohnraum werden

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr nimmt die Stadt – als eine von nur drei Kommunen in Bayern – am Modellprojekt „Leerstand jetzt wohnen“ teil. Ende September hatten die Bürger zwei Wochen lang Zeit, um ihre Ideen für die Nachnutzung der „Alten Metzgerei“ unweit des Rathauses einzubringen. Am Mittwochabend wurde im Postsaal einer Lenkungsgruppe, bestehend auch aus Stadträten, Mitgliedern der Initiative FreiRäume und dem Verein Stadtmarketing, die Ergebnisse präsentiert und konkrete Raum-Pläne diskutiert.
108 Vorschläge seien eingegangen, erklärten Architekt Peter Brückner, dessen Büro mit dem Projekt betraut ist, und Elisabeth von Mücke, Referentin Städtebauförderung beim Freistaat Bayern – und was wollte die Mehrheit?
Klare Tendenz zum Wohnen
Die Tendenz sei klar zum langfristig kostengünstigen und innovativen Mitwohnraum gegangen. Dabei – das gehöre zum Ziel des Modellprojekts – sollte die Umsetzung schnell möglich und auch auf andere Kommunen im Freistaat übertragbar sein.
Die Lösung der Architekten: Gar nicht viel ändern, sondern die bestehende Substanz nutzen. Dafür habe das Büro Brückner & Brückner die Bausubstanz bereits untersucht und herausgefunden, dass Feuchtigkeit nur in wenigen Teilen ein Thema und das Dach beispielsweise völlig in Ordnung sei.
Barrierefrei nicht möglich
Jedes Stockwerk wurde für die Workshop-Teilnehmer schon einmal grob überplant. Herausgekommen sind sieben Wohneinheiten, die zwischen 30 und gut 50 Quadratmeter Größe hätten. Der größte bauliche Eingriff wäre, das Treppenhaus in der Gebäudemitte abzureißen und es in der ehemaligen Metzgerei neu entstehen zu lassen. Dabei würde eine Galerie entstehen, die auch künstlerisch genutzt werden könnte. Auf Balkone könne aus Kostengründen verzichtet werden, da eine 90-Quadratmeter-Dachterrasse ohnehin zur Verfügung steht; selbst auf Waschmaschinen in jeder Wohneinheit könne mit Blick auf die Größe eventuell verzichtet, dafür ein Waschsalon im Keller eingerichtet werden.





Oberstes Ziel sei es, die Kosten gering zu halten, erklärte Peter Brückner. Das reiche bis zu Unisex-Toiletten im Erdgeschoss, das weiterhin als öffentlicher Raum genutzt werden soll. Alle „Standards“, die die Kosten in die Höhe treiben könnten, müssten hinterfragt werden. Darum werde es aber auch nicht möglich sein, das Gebäude barrierefrei zu gestalten. Doch dafür könnte schon Anfang 2027 mit dem Bau begonnen werden.
Kommentar: Ein Konzept, das angenehm überrascht
Der Staat, der mitfinanziert, ein Architekturbüro, das plant – und die Stadt, die dann immer noch einen großen Teil der Kosten zu tragen hat. Das ist nicht selten eine Mischung, die am Ende teuer werden kann. Darum war es schön, beim Workshop zu hören, dass genau das nicht das Ziel sein wird.
Natürlich ist es bedauerlich, dass ein im 21. Jahrhundert saniertes Gebäude zum Beispiel nicht über einen Aufzug verfügen und darum nicht barrierefrei sein wird. Selbstverständlich wäre es für die späteren Mieter umso schöner, wenn alles neu, modern und auf den neuesten Stand der Technik gebracht wird, und das würde ja auch dem Geist der Zeit entsprechen. Umso schöner ist es zu hören, dass ein bayernweites Modell-Projekt diesem Trend nicht hinterherlaufen wird. Statt „alles neu“ folgt „Leerstand jetzt wohnen“ einem anderen Trend, der es in den vergangenen Jahren allerdings eher selten in Bauprojekte geschafft hat: Nachhaltigkeit und damit auch Bezahlbarkeit. Denn was nützen die schönsten Neubauten, wenn sich die danach niemand mehr leisten kann? Spannend ist auch die Wohnnutzung, die es so in der Stadt nirgends (und schon gar nicht durch die Stadt verwaltet) gibt: Wohngemeinschaften. Jüngere Menschen als Zielgruppe, die eine kleine Wohnung brauchen, um erst einmal von zu Hause ausziehen zu können. In Großstädten sind WGs seit Jahrzehnten für viele die Realität, in Bad Kötzting fehlen die Möglichkeiten quasi komplett.
Ob das Konzept aufgehen wird? Ich denke: Ja. Schließlich ist es nicht nur der Fantasie von Architekten entsprungen, sondern war klarer Wunsch der Bürger, die sich beteiligt haben.