Regensburg als Hotspot der Alten Musikszene

Für rund 150 Jahre war Regensburg das Zentrum des Heiligen Römischen Reiches. Ab 1663 tagte der Immerwährende Reichstag, Gesandte aus ganz Europa trafen und berieten sich, brachten ihre kulturellen Identitäten und Gebräuche mit an die Donau. Und auch ihre Musik. Insofern ist das altehrwürdige Zimmer 18 im Alten Rathaus, indem die Stadt für gewöhnlich ihre Pressekonferenzen hält, auch nicht der schlechteste Ort für die alljährliche Präsentation des Programms der Tage Alter Musik Regensburg, die dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiern konnten.
Und es ist auch Ausdruck für die städtische Wertschätzung eines Festivals, das wie kaum eine andere Kultureinrichtung internationale Künstler und Zuhörer aus aller Welt Jahr für Jahr an Pfingsten nach Regensburg lockt, um die Klänge des frühen Mittelalters bis hin zur Musik des 18. Jahrhunderts in den historischen Sälen und Kirchen der Stadt ausgiebig zu feiern.
Thema auf Dienstreisen
Die Begeisterung der scheidenden Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist ungebrochen, sie verweist auf die anhaltende Strahlkraft des Festivals und seine Bedeutung für die Regensburger Kulturlandschaft. Hartmann lässt die Oberbürgermeistern, die nicht mehr zur Wahl antritt, nur ungern ziehen: „Sie waren mit ihrer Standhaftigkeit immer für uns da, auch wenn wir meist mit unseren vielen kleinen und großen Anliegen sicher sehr lästig waren.“ Als „wunderbar gewachsenen Baum der Regensburg Kultur“ bezeichnet Kulturreferent Wolfgang Dersch die Konzerttage im Frühsommer und erzählt nicht ganz ohne Stolz, dass er auf seinen internationalen Dienstreisen nicht nur auf die Domspatzen, sondern auch stets auf die Tage Alter Musik angesprochen wird.
Auch Irene Dullinger, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Regensburg, betonte die Bedeutung des Festivals in der Region und weit darüberhinaus. „Dass wir bereits im 21. Jahr als Hauptsponsor die Arbeit von Ludwig Hartmann, Stephan Schmid und Paul Holzgartner unterstützen, ist für unser kulturelles Engagement von besonderer Bedeutung.“ Auch innerhalb der Regensburger Sparkasse, so Dullinger weiter, genieße das Festival einen hervorragenden Ruf.
Immer noch überwältigt ist Hartmann vom zurückliegenden 40-jährigen Jubiläum, an dem alle Konzerte restlos ausverkauft waren. Und auch der 2021 gegründete Förderverein entwickelt sich prächtig, gut 460 Mitglieder unterstützen mittlerweile mit ihren Beiträgen die Konzerttage. „Wir sind angesichts der Kostenentwicklung tatsächlich längst auch auf die Hilfe des Vereins angewiesen,“ betont Hartmann.
Im Blick auf das bevorstehende Programm für Pfingsten 2026 verweist der Festivalgründer auf einige Highlights aus den 18 Konzerten: So steht das mittlerweile traditionelle Eröffnungskonzert der Regensburger Domspatzen mit Werken von Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy ganz im Zeichen der romantischen Musik. Im spannenden Nachtkonzert des belgischen Bläserensembles Oltremontano und dem Tiburtina Ensemble aus Tschechien erklingen Nachbauten von Instrumenten, wie sie der deutsch-niederländische Maler Hans Memling in seinem berühmten Altarbild als Engelskonzert abgebildet hat. Diese spektakuläre Idee ist auch Inhalt des Begleitsymposiums in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg.
Cembalo und Hammerflügel
Mit vier Konzertminiaturen unter dem Titel „Bachs Welt der Tasteninstrumente“ erfüllen sich die Macher endlich den Wunsch, Cembalo und Hammerflügel mehr Raum als Soloinstrument zu geben. Spannend dürfte auch eine historische Annäherung an das Nibelungenlied und seinem kulturell-musischen Umfeld mit dem Ensemble Parlamento aus der Schweiz werden. Mit prachtvoller Vokalmusik aus Europas bedeutendsten Städten der Renaissance beschließt die britische Sängerformation „Stile Antico“ dann am Pfingstmontag ein Festival, das mit der Musik des „alten Kontinents“ auch immer die kulturellen Verbindungen über alle Grenzen hinweg beschwört und zelebriert. Das ist dann auch der eigentliche Wert an sich, über alles Trennende hinweg. Das Ganze versenden der Bayerische Rundfunk und das Deutschlandradio dann noch in die ganze Welt hinaus. Regensburg als Hotspot der Alten Musik und der Kulturverständigung – Ludwig Hartmann grinst zurecht. Es läuft.
Die Tage Alter Musik finden von 22. bis 25. Mai 2026 statt, der Ticketverkauf startet am 24. November (10 Uhr). Alle Details: tagealtermusik-regensburg.de