Influenza, RSV, Corona: So viele Fälle gibt es im Landkreis Cham

Seit Herbstbeginn sind immer mehr Menschen mit schniefender Nase und Husten unterwegs. Im Landkreis Cham steigen die Fallzahlen. Aber hat die Krankheitswelle den Landkreis bereits fest im Griff? Außerdem: Was hilft, das Immunsystem zu stärken?
Hausärztin Susanne Strauß bemerkt in ihrer Praxis in Cham einen „deutlichen Anstieg“ von viralen Infekten und einer damit einhergehenden erhöhten Arbeitsbelastung für sie und ihr Team. Unter ihren Patienten erkrankten gerade Jugendliche und jüngere Erwachsene derzeit an viralen Infekten. Außerdem treten Corona-Infektionen gehäuft auf. „Influenza- und RSV-Infektionen konnten wir bei Abstrichen in dieser Saison noch nicht nachweisen“, sagt Strauß.
Grippesaison läuft im Landkreis Cham an
„Wir sehen derzeit einen Anstieg der Atemwegsinfektionen“, bestätigt Dr. Benedikt Knon, Leiter des Gesundheitsamts des Landratsamts Cham, fest. Zu dieser Gattung der Erkrankungen gehören das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, Influenza und den Coronavirus, die nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig sind.
„Mit der 40. Kalenderwoche begann per Definition auf der nördlichen Halbkugel die jährliche Grippesaison – die Zeit, in der Influenzaviren sowie auch weitere respiratorische Viren hauptsächlich zirkulieren“, erklärt Tim Sünderhauf, stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
In der Woche vom 29. September bis zum 5. Oktober, der 40. Kalenderwoche, meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 20 Personen im Landkreis Cham, die an Corona erkrankten. Bis zur KW 44, in der es 42 Coronafälle gab, stiegen die Zahlen kontinuierlich leicht an. In der Folgewoche waren es 25 Personen, die an Corona erkrankten. Hinzu kommen seit September vier Influenza-Fälle und ein RSV-Betroffener aus dem Landkreis, sagt Knon.
Verschont von den Erregern bleibt keine der Altersgruppen, gibt Sünderhauf an. Allerdings sei die Inzidenz bei Corona für die Altersgruppe der Null- bis Einjährigen sowie bei Personen ab 60 Jahren am höchsten.

Leiter des Gesundheitsamts erklärt die Lage
Aber was bedeuten diese Zahlen nun genau? Knon gibt Entwarnung: „Die Lage ist nicht außergewöhnlich. Das entspricht dem üblichen saisonalen Verlauf mit Beginn der kälteren Jahreszeit.“
Sünderhauf betont, dass das derzeitige Infektionsgeschehen bei akuten Atemwegserkrankungen auf einem niedrigen Niveau liege.
„Bisher sind wir von einer Krankheitswelle verschont geblieben“, bestätigt Sylvie Dietl, Leitung des evangelischen Kindergartens in Cham. Ähnliches trifft auch auf den Chamer Kindergarten „Kleine Wichtel“ zu. Leiterin Verena Amberger erzählt: „Es sind immer wieder einige Kinder krank, aber es hält sich in Grenzen.“
Die Kinderarztpraxis des Ehepaars Habash spricht von einer „normal starken Auslastung“ ihrer Praxis. Bisher mündeten die Corona-Infektionen ihrer Patienten eher selten in schweren tiefen Atemwegsinfektionen, stellt Dr. Sonja Habash fest. Dafür verzeichneten sie viele Hand-Fuß-Mund-Infekte.
Die Nachfrage nach der Corona-Impfung ist hingegen nicht mehr so groß.Stellvertretender Pressesprecher des LGLs
Hausärztin Susanne Strauß verzeichnet außerdem einen Anstieg bei den Impfungen. Gegen Influenza- und RSV-Infektionen ließen sich ihre Patienten derzeit vermehrt impfen. „Die Nachfrage nach der Corona-Impfung ist hingegen nicht mehr so groß.“ Konkrete Daten liegen dem LGL zu den vorgenommenen Impfungen im zweiten Halbjahr von 2025 noch nicht vor, sagt Sünderhauf.
Den Erregern zum Trotz: Maske, Zink und Vitamin D
„Die erste Infektionswelle kommt jedes Jahr etwa um diese Zeit“, stellt Alexander Pöschl, Pressesprecher der Apotheker im Landkreis Cham, gelassen fest. Grund für diesen Anstieg sei, dass sich die Menschen ab Beginn des Herbsts wieder mehr im Haus aufhalten. „Da übertragen sich Viren und Bakterien leichter als draußen.“ Deshalb rät er zu viel Bewegung an der frischen Luft. Außerdem verweist er auf, Zink, Vitamin D und weitere Mineralstoffe und Vitamine, die das Immunsystem unterstützen, volle Leistung zu bringen.
Bei erkrankten Personen im engeren oder sogar familiären Umfeld rät er dazu, Abstand zu halten. Aber Pöschl räumt ein: „Selbstverständlich ist dies nicht immer umsetzbar, wenn man zum Beispiel an kranke Kleinkinder denkt.“ Dann helfen strenge Hygiene und eventuell das Tragen einer FFP2-Maske, um sich vor einer Infektion zu schützen. Mit diesen Tipps könne ein jeder sein Immunsystem fit halten und gute Prophylaxe zu betreiben.
So unterscheiden sich die Symptome:
Influenza: „Die Unterscheidung zwischen Corona-, Influenza- und RSV-Infektion ist im Praxisalltag oft nicht so einfach“, stellt Hausärztin Dr. Susanne Strauß klar. Gemeinsame, eher unspezifische Symptome seien Schnupfen, Halsschmerzen, trockener Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Typisch für eine Influenza-Infektion sei ein plötzlicher Beginn der Erkrankung mit oft hohem Fieber.
Corona: Gibt der Patient eine Störung oder den Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns an, sei dies ein typisches Merkmal für Corona, laut Strauß. Fieber hingegen trete bei dieser Infektion meist nicht so gravierend auf.
RSV: Eine RSV-Infektion beginne oft eher schleichend mit leichten Erkältungssymptomen. Bei Säuglingen, Personen mit einem schwachen körperlichen Abwehrsystem und alten Menschen könnte die Infektion auch einen schweren Verlauf haben, sagt Strauß. Bei einer stärkeren Ausprägung könnten unter anderem mit Atemnot, einer pfeifenden Atmung, Appetitlosigkeit und mit einer Trinkschwäche bei Säuglingen einhergehen. Als Komplikation könne bei allen drei Infektionen eine Lungenentzündung auftreten.