Ganztagsbetreuung als Herausforderung: 150 Teilnehmer bei Kongress in Kümmersbruck

Von Josef Popp · 6. November 2025 um 17:00

Der demografische Wandel hat tiefgreifende Auswirkungen auf nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche – auch auf das Bildungssystem und vor allem auf die Betreuung an Grundschulen. Durch die Alterung der Gesellschaft und sinkende Geburtenraten verändert sich nicht nur die Zahl der Kinder, sondern auch die Zusammensetzung der Familienstrukturen. Bei einem Kongress in Kümmersbruck zum Thema Ganztagsbetreuung kamen kürzlich rund 150 Teilnehmer zusammen.

Immer mehr Eltern, insbesondere Mütter, sind berufstätig und auf verlässliche Betreuungsangebote angewiesen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an qualifizierter Betreuung, weil viele Familien keine Großeltern oder andere Angehörige in der Nähe haben, die Kinder regelmäßig betreuen könnten – ein direkter Effekt der zunehmenden Mobilität und der kleineren Familien.

Fachkräftebasis sichern

Hinzu kommt, dass der demografische Wandel auch den Arbeitsmarkt beeinflusst: Um die Fachkräftebasis zu sichern, ist es notwendig, dass beide Elternteile berufstätig bleiben können. Dies setzt voraus, dass Schulen über Ganztagsangebote oder ergänzende Betreuungsformen verfügen, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Nun tritt im nächsten Schuljahr für die Grundschulen (ab der ersten Jahrgangsstufe) ein Rechtsanspruch auf eine Betreuung der Kinder an einer offene Ganztagsschule in Kraft.

Bei einem Kongress des Instituts für Schulqualität und Bildungsforschung, der Regierung der Oberpfalz und des Schulamts Amberg/Amberg-Sulzbach in Kümmersbruck wurden Lehrer, Sachaufwandsträger sowie externe Partner darauf vorbereitet. Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin Dr. Anna-Maria Seemann informierte über die Möglichkeiten der qualitativen Umsetzung in der Praxis. Mehr als 150 Gäste waren dazu gekommen.

Offene Ganztagsschule an 24 Schulen

In den Zuständigkeitsbereichen der Schulämter für die Stadt Amberg beziehungsweise für den Landkreis ist man in den vergangenen Jahren bereits gut vorangekommen. So wird im Schuljahr 2025/26 im Schulamtsbezirk an 24 Grundschulen (im Vorjahr waren es 20 Grundschulen) eine Offene Ganztagsschule angeboten: 82 Kurzgruppen (bis 14 Uhr) und 40 Langgruppen; im Jahr zuvor waren es 61 Kurzgruppen und 26 Langgruppen.

Eine Kurzgruppe kann aber einer Schülerzahl von zwölf Kindern, eine Langgruppe ab einer Zahl von 14 Zählkindern eingerichtet werden. Als Gründe für diese Entwicklung sieht das Staatliche Schulamt, dass sich immer mehr Schulaufwandsträger und Schulen für die Einrichtung einer Offenen Ganztagsschule entschieden haben, der Betreuungsbedarf und Betreuungsquote sind steigend.

Es gibt auch gebundene Ganztagsschulangebote

Zwei Grundschulen bieten seit mehreren Jahren Ganztagsklassen in Form der Gebundenen Ganztagsschule an: die Barbara-Grundschule Amberg mit sieben Klassen und die Jahn-Grundschule in Sulzbach-Rosenberg mit vier Klassen. An vier Grundschulen wird derzeit eine Mittagsbetreuung angeboten.

Die Betreuungsquoten im Bereich der Ganztagsschule bzw. der Mittagsbetreuung variieren von Standort zu Standort und reichen aktuell bis zu einer Quote von knapp 90 Prozent. Nicht einbezogen sind dabei weitere Betreuungsformen, wie beispielsweise Kinder, die einen Hort besuchen.

Im Bereich der Mittelschule wird an acht von 13 Einrichtungen eine Offene Ganztagsschule angeboten. Insgesamt konnten 14 Gruppen gebildet werden. Die Zahlen bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie in den vergangenen Jahren.

Ausbau von Räumen nötig

Zwei Mittelschulen bieten seit mehreren Jahren Ganztagsklassen in Form der Gebundenen Ganztagsschule an: die Dreifaltigkeits-Mittelschule in Amberg mit zehn Klassen und die Mittelschule Kümmersbruck mit sechs Klassen.

Um dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter gerecht zu werden, planen viele Sachaufwandsträger – soweit noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden – den Ausbau geeigneter Räume. Dazu stehen Fördermittel des Freistaats Bayern und auch des Bundes zur Verfügung. Insgesamt zeigt sich, dass der demografische Wandel die Notwendigkeit gut organisierter, qualitativ hochwertiger Betreuungsformen an Grundschulen verstärkt.