Bauamt präsentiert „Vorzugsvariante“ für die Ortsumgehung von Grafenwiesen

Von Stefan Weber · 5. November 2025 um 05:00

Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp und Landrat Franz Löffler trafen sich am Dienstagvormittag Politiker der Gemeinden entlang der geplanten Umgehungsstraße von Grafenwiesen mit Vertretern des Staatlichen Bauamtes, das mit der Planung befasst ist. Auch Altlandrat Theo Zellner befand sich unter den Gästen und versicherte am Rande der Veranstaltung Grafenwiesens Bürgermeisterin Sabine Steinlechner, dass auch er seit Jahrzehnten auf die Umsetzung warte. „Am Rande“ auch deshalb, weil sie nicht eingeladen war.

Dabei sei „das Miteinander wichtig“, versicherte Dr. Hopp, um 45 000 Menschen, die in der Region von der Verlegung der Staatsstraße betroffen seien, helfen zu können. In diesem Zusammenhang war es nicht nur ihm, sondern auch weiteren Sprechern wichtig zu betonen, dass es nicht das Verdienst von Umweltschutz-Organisationen sei, dass die lange Zeit vorgesehene Brücke nicht mehr in der Planung vorgesehen sei.

Spitzenwert in der Oberpfalz

„Wenn ein bestimmter Verband sagt, dass er erreicht hat, dass die Regenbrücke weg ist, dann ist das Blödsinn“, so Landrat Löffler. Hintergrund sei viel mehr, dass sich „Quell- und Zielverkehr verändert“ hätten und das Bauwerk deshalb nicht mehr notwendig sei. Das habe das Vorhaben in der Kosten-Nutzen-Berechnung auf den Wert von 4,2 gehoben – ein Spitzenwert in der gesamten Oberpfalz, wie auch Berthold Schneider, Leiter des Fachbereichs Straßenbau am Staatlichen Bauamt, betonte.

Gut ein Jahr sei vergangen, seit es im großen Rahmen ein Treffen zum Thema Ortsumgehung gegeben habe. In dieser Zeit seien am Bauamt vor allem mögliche Varianten „vertieft untersucht worden“. Aufgrund dieser Untersuchungen sei eine „Vorzugsvariante“ erarbeitet worden, die nun Grundlage für weitere Planungen bilde.

Die Vertreter der Straßenbauabteilung präsentierten Vertretern aus der Politik die aktuellen Planungen für die Ortsumgehung von Grafenwiesen. - Foto: Alois Dachs

Oberstes Ziel sei es, eine „rechtssichere Lösung“ zu erarbeiten, bevor das Projekt den Planungs- und Genehmigungsweg beschreiten könne. Bedeute konkret: „Beim Thema Zeitplan kann ich mich nicht festlegen, auch, weil alle Vergaben EU-weit ausgeschrieben werden müssen. Aber: Es soll so schnell wie möglich gehen.“

Fehlt es am Ausgleich?

Landrats-Kandidat Michael Multerer betonte als Sprecher der Bürgermeister, wie wichtig der „Individualverkehr für die Menschen in der Region“ sei; Bad Kötztings Stadträtin Carola Höcherl-Neubauer, dass eine Zeitersparnis von fünf bis sechs Minuten bei der Fahrt ins Krankenhaus nach Cham für einen Lohberger durchaus eine wichtige Rolle spiele.

Als Chameraus Bürgermeister Stefan Baumgartner mit Blick auf das ebenfalls Jahrzehnte lange Tauziehen um die Ortsumgehung von Lederdorn darauf verwies, dass die für den Bau benötigte Fläche „sechs- bis siebenfach ausgeglichen“ worden sei, meldete sich doch noch ein Grafenwiesener zu Wort: Landwirt Andreas Miethaner aus Feßmannsdorf wies darauf hin, dass Angebote von „ortsüblichen Tarifen von zwei Euro“ definitiv zu wenig seien. „Das war ein Fehler des Bauamtes.“ Auch er selbst fahre natürlich auf den Umgehungen wie der bei Lederdorn. „Aber man muss die Betroffenen auch mal fragen“, stellte er fest.

Das sei allerdings auch ein Versäumnis der Politik vor Ort, stellte Stefan Baumgartner fest. In Chamerau seien notwendige Grundstücke viele Jahre vor dem Bau durch die Gemeinde gekauft worden. Die Frage, warum der „politische Wille“ in Grafenwiesen an dieser Stelle in den vergangenen Jahren vielleicht gefehlt haben könnte, musste offen bleiben, da kein Vertreter aus Grafenwiesen anwesend war.

Kommentar: Wo „gemeinsam“ endet

Von Stefan Weber

Die anwesenden Politiker werden nicht müde, die „Gemeinsamkeit“ zu betonen, wenn es um die Ortsumgehung von Grafenwiesen geht. Viele Jahrzehnte werde „gemeinsam“ versucht, eine Lösung für die Straße zu finden, die nicht nur den Lamer Winkel besser an den Rest des Landkreises anbinden, sondern auch die Gemeinde Grafenwiesen von Tausenden Autos und Lastwagen täglich entlasten soll.

Wie von einem Lastwagen überrollt gefühlt hat sich an dem Tag, an dem die oberste Etage des Saatlichen Bauamtes für das nette Gespräch unter Politikern nach Grafenwiesen gekommen war, vor allem eine: die Bürgermeisterin von Grafenwiesen. Sie war nicht zu dem Treffen eingeladen worden (ihr Kollege aus der Nachbargemeinde Rimbach allerdings schon) und konnte nur aus der Ferne den Kopf über die Versammlung schütteln, die „gemeinsam“ über die Zukunft der Umgehung für die Gemeinde gesprochen hat. „Ich werde es dann ja in der Zeitung erfahren“, lautete ihr Kommentar.

„Gemeinsam“, das endet im Jahr vor einer Kommunalwahl offensichtlich bei der Parteizugehörigkeit – und selbst dann erscheint es ganz neutral betrachtet nicht richtig, die Gemeinde, an der die Straße vorbeiführen soll, auszuschließen.

An diesem Tag wurde eigentlich nicht die Ortsumgehung von Grafenwiesen, sondern die Anschluss-Strecke Lamer Winkel besprochen. So würde das Treffen Sinn machen, aber: Warum dann in Grafenwiesen?

Zahlen zur aktuellen Planung

■ Baulänge: 3,515 Kilometer

■ Gesamtkosten: 30,3 Millionen Euro

■ Verkehrsbelastung: 6236 Fahrzeuge pro Tag (laut Erhebung im Jahr 2024)

■ Projekt: Die Planung sieht vor, den Durchgangs- und Fernverkehr der bisher östlich des Weißen Regens und in einer Ortsdurchfahrt von Grafenwiesen verlaufenden Staatsstraße 2140 auf die westliche Talseite zu verlegen. Die geplante Trasse beginnt zwischen dem nördlich des Grafenwiesener Ortsteils gelegenen Matheshof auf der bestehenden Staatsstraße 2140 und endet an der Kreisstraße Cham 49 auf Höhe des Bad Kötztinger Ortsteiles Hausermühle. Nördlich des städtischen Friedhofes erfolgt hier die Anbindung an die Kreisstraße über einen neu zu errichtenden Kreisverkehr. Die CHA 49 verläuft weiter im Norden der Stadt.