Brücke in Woffenbach wird neu gebaut: Warum der Platz nicht für einen Radweg reicht

Die städtische Brücke über die Bahnstrecke bei Woffenbach ist marode. Sie muss neu gebaut werden. Die Pläne dafür stehen, aber die Lösung für Radfahrer gefiel nicht allen Stadträten in der Sitzung am Mittwoch. Der engagierteste Radler im Gremium verteidigte sie hingegen aus mehreren Gründen und sieht die Autofahrer in der Pflicht.
Angesichts des nötigen Neubaus der Brücke hatten manche Stadträte offenbar gehofft, dass dieser breiter ausfallen könnte. Die Breite der bestehenden Brücke erlaubt nur einen Gehweg auf einer Seite. Mit einer breiteren Brücke, so die Vorstellung manches Stadtrats, wäre ein Radweg auf beiden Seiten möglich. Das geht aber nicht, wie Michael Vetter vom Bauamt erklärte.
„Wir bauen im Bestand“, sagte Vetter. Durch die umstehenden Häuser und einzuhaltende Abstände könne die neue Brücke nicht breiter werden. Auch der Vorstellung, einen Radstreifen pragmatisch mit dem eben vorhandenen Platz auszuweisen, erteilte Stadtbaumeister Matthias Seemann eine Absage. Man könne Radwege nicht nach Belieben gestalten. Es gebe Richtlinien.
Seemann unterstrich, die aktuelle Lösung sei die beste – auch für die neue Brücke. Bedeutet: Es bleibt bei einem Gehweg. Ebenso werden die Schilder beibehalten, die seit gut drei Monaten auf ein Überholverbot von Radfahrern hinweisen (es gilt auch für Motorräder und andere einspurige Fahrzeuge).
Überholverbot von Radfahrern auf Brücke in Woffenbach
Das soll vor allem die Sicherheit der Radfahrer erhöhen, die auf der Straße fahren müssen (mit Ausnahme von Kindern bis zehn Jahren). Einen geteilten Weg für Fußgänger und Radfahrer und das zudem in beide Richtungen hätten Experten und die Polizei als unsicher beurteilt, sagte Vetter.
Mit der gefundenen Lösung werde nur die Rechtslage umgesetzt, sagte Verkehrsreferent Olaf Böttcher, der sich außerdem als Vorsitzender des ADFC für die Interessen von Radfahrern einsetzt. In Tempo-30-Zonen werden grundsätzlich keine extra Radwege angelegt. Schließlich sei es Zweck solcher Zonen, dass der Verkehr ruhig fließt. Dafür müssten sich die Autofahrer an das Tempolimit halten, appellierte Böttcher.
Neu gebaut werden soll die Brücke während der Generalsanierung der Bahnstrecke im kommenden Jahr. Dafür sperrt die Bahn die Strecke von Februar bis Juli komplett. Eigentlich also ideale Voraussetzungen für die Stadt, um die Brücke abzureißen und neu zu bauen. Sollte man denken. Doch so einfach ist es nicht, wie der Planer des Ingenieurbüros Emch und Berger erklärte.
Denn auch während der Bauarbeiten fahren täglich Züge. Zum einen für die Bauarbeiten, zum anderen von anliegenden Firmen wie Max Bögl. 72 Stunden müssen sich dennoch finden. In dieser Zeit soll die Brücke in einem Rutsch abgerissen werden.
Was ist mit Brücke in Neumarkt, wenn drittes Gleis für S-Bahn kommt?
3,7 Millionen Euro kostet das und der Neubau nach aktuellem Stand. Dazu wird die Bahn einen erheblichen Betrag beisteuern müssen. Die Stadt hat Fördergelder beantragt.
FDP-Stadträtin Ira Hörndler fragte sich, welche Rolle das seit Jahren immer wieder kommunizierte Vorhaben eines dritten Gleises für die S-Bahn beim Brückenneubau spiele? Das sei bei der Bahn abgefragt worden, erklärte der Brückenplaner. Die offizielle Haltung der Bahn: Ja, das S-Bahnnetz soll langfristig ausgebaut werden. Aber offenbar ist der Zeithorizont derart langfristig, dass die Bahn nicht verlangt hat, das bei der Brückenplanung zu berücksichtigen.
Nach Eindrücken von Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn aus Gesprächen mit der Bahn ist das Thema eines dritten S-Bahn-Gleises extrem fern. Der Brücke kann es nur recht sein. Aufgrund ihrer „soliden Konstruktion“ aus Beton und Stahl bescheinigt ihr der Planer bei einem guten Unterhalt eine Lebenserwartung von 70 Jahren.