Blaskapelle Mühlhausen wurde zur Big-Band – „Oskar“ für Dirigent Michael Zirngibl

Ein roter Teppich im Foyer, der Duft von Popcorn, schwarze Tischdecken mit goldener Dekoration und glänzende „60“-Embleme auf der Bühne: Das war das einmalige Ambiente für das Motto des Abends – „Ganz großes Kino“. 31 Musiker der Blaskapelle Mühlhausen verwandelten den Neustädter Bürgersaal in einen Kinosaal. Ganz in Schwarz gekleidet, mit goldenen Hosenträgern, Fliegen und Einstecktüchern, begrüßten sie die Gäste persönlich am Eingang. Der Andrang war groß – schon eine halbe Stunde nach Einlassbeginn waren alle rund 300 Sitzplätze belegt, selbst die „Notsitze“ an den Seiten reichten kaum aus. Unter kräftigem Applaus marschierten Dirigent Michael Zirngibl und seine Musikerinnen und Musiker auf die Bühne. Die Moderation des Abends übernahm Birgit Ferstl, Rektorin im Ruhestand. Mit einem herzlichen „Griaß eich alle miteinander, ihr Liebhaber der traditionellen Blasmusik“ führte sie durch das Programm, ließ die Geschichte der Kapelle Revue passieren und verband charmant die Grußworte der Ehrengäste mit den musikalischen Darbietungen.
„Träumerei“ zum Auftakt

Zum Auftakt erklangen „Wiener Elan“ und „Träumerei“, die den offiziellen Teil festlich umrahmten. Landrat Martin Neumeyer erinnerte in seinem Grußwort daran, dass neben Ludwig Erhard als Bundeskanzler und Werder Bremen als Deutschem Fußballmeister auch die Gründung der Mühlhausener Feuerwehrkapelle im Jahr 1965 zu den wichtigsten Ereignissen jenes Jahres zählte. Bürgermeister Thomas Memmel dankte der größten Musikkapelle der Stadt Neustadt für ihr herausragendes Engagement bei Festen und Konzerten: „Ihr habt es euch zur Aufgabe gemacht, Stücke aus unserer Region, die sonst in Vergessenheit geraten, lebendig zu halten und auf die Bühne zu bringen.“ Er überraschte die „Kulturbotschafter der Stadt Neustadt“ mit einer Einladung zum Neustadt-Treffen am 20. Juli 2027 im niederländischen Nieuwstadt. Für ihn ist die Blaskapelle Mühlhausen „The Sound of Heimat“.

Auch die ehemalige Hopfenkönigin Julia Widmann erinnerte sich gern an die musikalische Umrahmung ihres Empfangs im Neustädter Rathaus. Ein Publikumsliebling durfte natürlich nicht fehlen: „Lasset uns das Leben genießen“ animierte den ganzen Saal zum Mitsingen. Mit Eigenkompositionen wie „Auf zum Stammtisch“ und „Mühlhausener Musikanten“ brachte Michael Zirngibl die pure Mühlhausener Lebensfreude zum Ausdruck. Doch der Dirigent hat auch eine andere musikalische Leidenschaft – die Musik des amerikanischen Trompeters und Komponisten Herb Alpert. Beim schwungvollen Medley der „Golden Hits“ fragte sich so mancher Zuhörer: Spielt hier wirklich eine bayerische Blaskapelle? Auch bei „Heal the World“ von Michael Jackson zeigte sich die Begeisterung der Musikerinnen und Musiker für moderne Klänge. Dem Motto des Abends entsprechend begann der zweite Programmteil mit einem Medley bekannter Kinderfilm-Melodien. Bei „Heidi“, „Pumuckl“, „Pippi Langstrumpf“, „Die Schlümpfe“, „Pinocchio“ und „Biene Maja“ wurden Erinnerungen an Kindheit und Jugend wach. Birgit Ferstl stellte charmant die Verbindungen zwischen den Titeln und den 60er-Jahren – dem Gründungsjahrzehnt der Kapelle – her.
Musikalische Vielfalt gezeigt

„Paula“, der „River-Kwai-Marsch“, „Midsomer Murders“ aus Inspector Barnaby, „Winnetou“, „Theme from Star Trek“, „Baby Elephant Walk“ und das legendäre „James Bond Theme“ zeigten eindrucksvoll die musikalische Vielfalt der Blaskapelle. Beeindruckend war auch der Einsatz der Jugend: Der 15-jährige Michael Loibl, das jüngste Mitglied der Kapelle, spielt bereits an der Seite seiner Eltern – und das „ohne Furcht“. Kein Wunder, denn sein Großvater Sebastian Loibl sen. gehört mit 77 Jahren zu den Gründungsmitgliedern. Unter großem Beifall wurde er von Michael Zirngibl mit einem „Ehrenhut“ geehrt. Im Namen seiner Musikerinnen und Musiker überreichte Bernhard Loibl dem Dirigenten Michael Zirngibl symbolisch den „Oskar für die beste Regie, den besten Hauptdarsteller, die beste Musik, die beste Komposition, die besten Nerven, das unzerstörbare musikalische Gehör und das höchste ehrenamtliche Engagement“.
