Haushalt 2026: Die Stadt Amberg muss ans Sparschwein

Von Gerhard Spies · 28. Oktober 2025 um 19:00

Den Hammer an das Sparschwein setzte Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) nur symbolisch an. Dass die Stadt ihr Sparschwein plündern – also Rücklagen angreifen – muss, um den Haushalt 2026 finanzieren zu können, ist aber harte Realität. Amberg steht in finanzieller Hinsicht vor den größten Herausforderungen seiner Geschichte. Und das, obwohl die Einnahmen aus Gewerbe- und Umsatzsteuer genauso sprudeln wie bisher.

„Wir können die geforderte Sollzuführung vom Verwaltungshaushalt an den Vermögenshaushalt in Höhe von 4,18 Millionen Euro nicht mehr leisten, müssen deshalb auf die Rücklagen zugreifen“, erklärte Cerny am Montag beim Pressegespräch im Rathaus die Symbolik mit dem Hammer und dem Sparschwein.

Gestiegene Ausgaben

Ursache des Defizits seien aber nicht die Einnahmen, sondern die Ausgaben. Besonders in zwei Bereichen – im Bausektor und im sozialen Bereich – seien die Ausgaben enorm gestiegen. Beim Bausektor hätten sich die Kosten in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Und im sozialen Bereich würden die enorm gestiegenen Ausgaben in der Jugendhilfe und das Defizit des Klinikums durchschlagen, erklärte der Oberbürgermeister.

Es ist damit der Verwaltungshaushalt, in dem eine große Lücke von rund 4,7 Millionen Euro klafft. Auf 182,3 Millionen Euro wächst er 2026 an. Gegenüber 2025 bedeutet das eine Steigerung um 5,49 Prozent. Für das Klinikum muss die Stadt im Haushaltsjahr 2026 eine Liquiditätsreserve in Höhe von 8,9 Millionen Euro bereitstellen, um die medizinische Versorgung zu sichern. Ein Kompromiss im Gesundheitssektor sei dabei nicht in Sicht. Nach wie vor bleibe die Kommune auf den gestiegenen Fallpauschalen beziehungsweise der Inflationsrate sitzen.

„Unser Erspartes reicht nicht mehr als drei bis vier Jahre“, rechnete Kämmerer Jens Wein vor. Zwar verfüge derzeit die Stadt noch über eine solide Rücklagenbasis, doch diese Mittel seien begrenzt und würden nicht dauerhaft zur Stabilisierung des Haushalts herangezogen werden können. „Wir werden aber auch in den nächsten Jahren auf unsere Rücklagen angewiesen sein, um den Haushalt genehmigungsfähig zu bekommen“, prognostizierte Wein.

Kosten bei Bauprojekten verdoppelt

Einer der beiden enorm gestiegenen Ausgabenbereiche ist der Bausektor. „Bei den Bauprojekten haben sich die Kosten in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt“, erklärte Cerny.

Trotzdem werde man an den geplanten Projekten im Bereich Infrastruktur und Bildung festhalten, versprach er. Im Bereich Baumaßnahmen wolle man auf jeden Fall die Erschließung der Gewerbegebiete West und Karmensölden fortführen, den Ausbau des Kanals im Industriegebiet Nord sowie die Anschlussmaßnahmen für die Westumgehung anpacken. „Wir investieren weiter in Gewerbeflächen, sonst gehen uns die Unternehmen weg“, betonte Cerny.

Auch an den Investitionen in die Bildung will die Stadt festhalten. „Wir werden die Kita in Ammersricht bauen, bei der Max-Josef-Schule und der Willmannschule die notwendigen Sanierungen vornehmen und die Ganztagseinrichtungen errichten. Auch, wenn trotz Förderung viel an uns hängen bleiben wird“, versprach Cerny.

Das zweite Sorgenkind aus finanzieller Sicht ist die Jugendhilfe. „Seit zehn Jahren ist die Jugendhilfe jährlich um 15 Prozent gewachsen“, erklärte der Kämmerer. „Das sind Stellschrauben, die wir nicht beeinflussen können“, beklagte Cerny. Denn diese Kosten würden aus bundesrechtlich festgelegten Leistungen resultieren, auf die die Kommune keinen Einfluss habe.

Zu wenig Handlungsfreiheit

Bund und Freistaat würden Gesetze und Standards formulieren, die Kommunen müssten die finanzielle Suppe jedoch auslöffeln. Diese Situation ärgert Cerny besonders. Das treffe auf Kliniken ebenso zu, wie im sozialen Bereich. „Wir bekommen als Kommunen immer mehr Aufgaben, die nicht refinanziert sind“, beklagte Cerny. „Wenn wir aber als Kommune keine finanziellen Handlungsspielräume mehr haben, brauchen wir auch keinen Stadtrat mehr“, machte er klar. Trotzdem versprach Ambergs OB: „Wir werden sparen, aber nicht bei der Förderung der Vereine und nicht bei der Investition in Bildung.“

Zahlen und Fakten:

Gesamthaushalt 2026: 227,37 Millionen Euro (plus 0,48 Prozent gegenüber 2025)

Verwaltungshaushalt: 182,29 Millionen Euro (plus 5,49 Prozent)

Vermögenshaushalt: 45,09 Millionen Euro (minus 15,7 Prozent)

Fehlbetrag: Die fehlende Sollzuführung beträgt insgesamt 4,68 Millionen Euro.

Rücklagenentnahme: etwa 8,4 Millionen Euro

Geplante Darlehen: 18 Millionen Euro, davon 8,9 Millionen Euro für das Klinikum St. Marien, 9,1 Millionen Euro für Investitionen