Einen sicheren Raum bieten: Don Bosco Ensdorf hat eine neue Kinderwohngruppe

Von Florian Wein · 24. Oktober 2025 um 19:00

Rund 50 Gäste zwängten sich in einen kleinen Besprechungsraum. Die Einrichtungsleitung von Don Bosco in Ensdorf war sichtlich selbst überrascht, wie viele Menschen sich die Eröffnung der neuen Kinderwohngruppe im Bereich Hilfen zur Erziehung nicht entgehen lassen wollten.

Andererseits war es auch nur logisch, war man bei der feierlichen Einweihung doch nicht müde zu betonen, wie viele Mitarbeiter und Helfer in der stationären Kinder- und Jugendhilfe im Kloster Ensdorf beteiligt sind.

„Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Dieses nigerianische Sprichwort kam immer wieder zur Sprache. Kinder benötigen vielfältige Ansprechpersonen. „Es darf nicht alles gleich sein“, sagte Einrichtungsleiter Thomas Zintl. „Es sind keine Maschinen, die alles nach Copy-Paste-Schema machen können.“ Das ist nicht immer harmonisch, aber ein „gemeinsames Ringen um Lösungen“.

Keine Angst haben müssen

Zintl möchte einen sicheren Ort herstellen, an dem Kinder, die meist mit seelischen Einschränkungen kommen, keine Angst haben müssen. „Man sieht es nicht von außen, merkt es im Umgang aber recht schnell, das sie zu kämpfen haben“, erzählte der Einrichtungsleiter. „Diese Kinder mussten schon früh erfahren, dass die Welt kein sicherer Ort ist.“ Hier kommt die Pädagogik Don Boscos voll zum Tragen. „Aufrichtige und verlässliche Beziehungen schaffen“, möchte Zintl. Don Bosco nennt es „amorevolezza“.

In der Kinderwohngruppe bei Don Bosco in Ensdorf gab es bislang vier Plätze für Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren. Es handelt sich um Kinder, die nicht mehr bei ihrer Familien leben können oder in der Entwicklung besondere pädagogische Hilfe benötigen. Die Begleitung erfolgt nach individuellen Bedürfnissen. Die neue Wohngruppe mit den liebevoll gestalteten Kinderzimmern wurde auf Initiative eines Kindes geplant. „Ein junger Kerl, den keiner haben wollte“, berichtete Thomas Schieder, Leiter des Jugendamtes Amberg-Sulzbach. Bei Don Bosco möchte man sich jedem Kind annehmen. „Egal wie schwer das Packerl ist, das sie zu tragen haben“, so Schieder.

Für die neue Wohngruppe sind aktuell zwei Kinder vorgesehen. Einrichtungsleiter Daniel Neuburger sieht die neuen Räumlichkeiten als „wichtiges zweites Standbein im Sinne Don Boscos“. Bei der Eröffnung wurde unterstrichen, wie groß und wichtig das Team ist, das sich individuell um die Kinder und Jugendlichen kümmern kann. „Es ist nicht nur das pädagogische Team – ohne Hauswirtschaft, Küche, Verwaltung oder Technik funktioniert nichts“, so Thomas Zintl.

Die Zimmer wurden liebevoll für Kinder eingerichtet. - Foto: Florian Wein

Doch hierfür benötigt es besondere Menschen mit einem außergewöhnlichen Engagement. Zuletzt musste man sich von einem Mitarbeiter trennen, als das Gefühl entstand, dass das Kind nicht mehr im Mittelpunkt stehen würde. „Man trennt sich eher vom Mitarbeiter als vom Kind“, so Neuburger.

Das Team der Kinderwohngruppen bei Don Bosco in Ensdorf möchte weiterhin Verlässlichkeit und Sicherheit in Bezug auf die Erziehung anbieten. Die Kinder und Jugendlichen haben Schwierigkeiten, sich in der Gesellschaft integriert zu fühlen. Hier soll stets der Hebel angesetzt werden. „Es ist nie perfekt, das wäre auch gruselig“, gab sich Thomas Zintl realistisch.

Fest mit Kindern im Frühjahr

Nach den Eröffnungsansprachen wanderten die Gäste ein paar Stockwerke nach oben, um die neuen Räumlichkeiten im Kloster zu besichtigen. Pater Ulrich Schrapp segnete die Kinderwohngruppe und gab sie ihrer Bestimmung frei.

Die Menschen, die sie mit Leben füllen werden, fehlten aber noch. Mit den Kindern soll im Frühjahr ein großes Eröffnungsfest auf die Beine gestellt werden – schließlich stehen sie im Mittelpunkt.