82.000 Arbeitsplätze: Vom Tourismus profitiert ganz Ostbayern

Von Gerd Otto · 22. Oktober 2025 um 17:34

Weg vom Kirchturm-Denken und für „mehr Mut zu Zukunftsinvestitionen vor Ort“ – mit diesen Forderungen reagieren Ostbayerns Industrie- und Handelskammern sowie der Tourismusverband TVO auf eine neue Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus.

Obwohl die nach 2014 und 2019 vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) zum dritten Mal erarbeitete Untersuchung den Stellenwert der Tourismusbranche für die Entwicklung Niederbayerns und der Oberpfalz erneut bestätigen konnte, appellierten IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes und TVO-Vorstand Michael Braun nicht zuletzt mit Blick auf die Kommunalwahlen 2026 an die künftigen Bürgermeister und Landräte, ihr touristisches Engagement nicht den Haushaltszwängen zu opfern.

Tourismus maßgeblich für regionale Entwicklung

Immerhin trage der Tourismus als eine echte Querschnittsbranche maßgeblich zu Einkommen, Beschäftigung sowie generell zur regionalen Entwicklung bei, verwies Braun auf den zuletzt ermittelten Gesamtumsatz von 5,2 Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor lag dieser Wert bei 4,4 Milliarden Euro, ehe 2019 mit 4,8 Milliarden Euro der bis dahin gültige Rekord erreicht wurde. Das heutige Umsatzplus gegenüber dem durch die Corona-Pandemie jäh unterbrochenen Höhenflug beträgt satte acht Prozent, obwohl die knapp 20 Millionen im Jahre 2024 registrierten Übernachtungen das Niveau des Jahres 2019 mit damals 21,2 Millionen immer noch nicht erreicht haben.

In diesem Zusammenhang hob Braun hervor, dass es dem Tourismus in Ostbayern weniger um quantitative Aspekte gehe. Der um 2006 in der Region Ostbayern eingeleitete Transformationsprozess habe vielmehr die Qualität in den Mittelpunkt gerückt, und dies mit Erfolg: „Zum Beispiel gab es damals bei uns keinen einzigen Sterne-Koch, heute sind es sieben.“

Ein Jobmotor in Ostbayern

Wie Helmes betonte, zeichne sich der Tourismus ganz allgemein als Jobmotor aus und biete vor allem die unterschiedlichsten Betätigungsfelder. Laut dwif-Studie werden derzeit in Ostbayern in der Branche 82 000 Arbeitsplätze bereit gestellt – bei einer „touristischen Wertschöpfung“ von 2,5 Milliarden Euro. Schließlich gebe es kaum einen Bereich der Wirtschaft, der nicht vom Tourismus profitiert, neben der Gastronomie und der Hotellerie vor allem der Einzelhandel, das Handwerk in seiner vielfältigen Ausprägung oder auch diverse Dienstleister. Aber auch die lokale Infrastruktur, so Braun, werde durch den Tourismus gestärkt. Diese Standortqualität nutzen Einheimische ebenso wie die Gäste.

Das zahlenmäßig größte Marktsegment für die Region stellt mit über 45 Prozent der Tagestourismus dar, mit seiner überaus positiven Wirkung auf die Gastronomie, der mit einem Anteil von knapp 50 Prozent „größte direkte Profiteur“, sowie den Einzelhandel (28,3 Prozent) und die nachgelagerten Dienstleister – vom Bäcker und Metzger bis zu Werbeagenturen – mit 22,6 Prozent. Die durchschnittlichen Ausgaben der Touristen in gewerblichen Betrieben wurde mit 144 Euro pro Person und Tag errechnet.

In die Kassen der ostbayerischen Kommunen fließen laut Helmes und Braun als touristisch bedingte Einnahmen immerhin 480 Millionen Euro, während der Bundeshaushalt allein von der Mehrwertsteuer mit 573 Millionen Euro profitiert. Für Ostbayerns Touristiker jedenfalls steht fest: „Hier lohnen sich Investitionen.“