Wohin, wenn die Blase drückt? Stadt kündigt Berchinger Wirten die Aktion „nette Toilette“

Von Bernhard Neumayer · 23. Oktober 2025 um 05:00

In Berching im Landkreis Neumarkt konnten Besucher in der Innenstadt im Rahmen der „netten Toilette“ bei zahlreichen Gastronomen kostenlos saubere WCs benutzen. Doch jetzt beendet die Stadt die Aktion. So reagieren die Betriebe darauf.

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Denn die Stadt hat den teilnehmenden Lokalen die Zusammenarbeit bei der „netten Toilette“ zum 30. September gekündigt. Wie Wirte unserer Zeitung mitteilen, kam die Nachricht für manche überraschend. Per Brief informierte die Stadt im August über das Aus der Aktion. Die Begründung: Mit den neuen öffentlichen Toiletten an der Schiffsanlegestelle und im Heimatmuseum sei das Angebot in der Stadt ausreichend.

Aktuell sind diese beiden WC-Anlagen der Stadt rund um die Uhr geöffnet. Doch wer keinen Euroschlüssel für die Behindertentoilette hat, muss 50 Cent dafür bezahlen. Außerdem befindet sich die Schiffsanlegestelle außerhalb der Stadt, das Heimatmuseum dagegen im Hans-Kuffer-Park und damit zentrumsnäher. Wenn aber jemand am Reichenauplatz unterwegs ist und dringend auf das Klo muss, wird er nicht bis zu einer öffentlichen Toilette laufen, schätzen einige Wirte, die mit uns gesprochen haben.

50 Cent pro Toilettengang im Bella Roma in Berching?

Manche möchten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, andere dagegen äußern sich öffentlich, wie Giancarlo „Giovanni“ Romano von der Eisdiele und Pizzeria Bella Roma. Er betont, dass er Gäste aus Freundlichkeit weiterhin auf die Toilette gehen lässt – auch wenn sie nichts bei ihm kaufen. „Aber vielleicht muss ich jetzt auch 50 Cent verlangen?“, fragt sich Romano. Die Putzkraft müsse er ja auch bezahlen. Ob er tatsächlich künftig von „Nicht-Kunden“ Geld fürs Pinkeln verlangt, weiß er aber noch nicht.

Bisher wurde er im Rahmen der „netten Toilette“ von der Stadt finanziell entschädigt, dass er sich an der Aktion beteiligt. Dieses Geld fällt jetzt weg. Weil der Betrag für Wirte aber ohnehin so gering war (jährlich ein kleiner, dreistelliger Betrag pro Jahr für einen Betrieb, der zwölf Monate pro Jahr dabei war), spielt die finanzielle Entschädigung für die Gastronomen keine Rolle, wie alle unserer Zeitung sagen.

Auch wenn das Zertifikat offiziell nicht mehr gültig ist, wollen viele Wirte weiter eine „nette Toilette“ bieten, wie Denise Amrhein und Markus Plank sagen. Die Gäste können nach wie vor in der Post und beim Winkler auf die Toilette gehen. „Für uns macht das keinen Unterschied, ob die Stadt jetzt gekündigt hat oder nicht“, sagt Amrhein.

Mobile Toiletten bei Festen in Berchinger Innenstadt

Bei großen Events in der Stadt, wie dem Rossmarkt, nutzen unzählige Besucher die Toiletten der Wirtschaften, ohne dort etwas zu bestellen. Dass der Bedarf an WCs bei Festen in der Innenstadt groß ist, weiß auch die Stadtverwaltung. Sie kümmere sich bei Großveranstaltungen aber um mobile Toiletten.

2014 hatte sie die „nette Toilette“ in Berching eingeführt, als öffentliche WCs „rar bis gar nicht vorhanden“ waren, teilt die Stadt mit. Am Rathaus gab es zuletzt eine, die aber nicht mehr in Betrieb ist. Dafür stehen Gästen nun die 24/7-Anlagen an der Uferpromenade und im Heimatmuseum zur Verfügung. Weil die Stadt den Bedarf damit gedeckt sieht, wurden nach Pächterwechseln keine neuen Verträge abgeschlossen – und die bestehenden Vereinbarungen zum 30. September gekündigt. Ein Gastronom habe sich daraufhin bei der Stadt beschwert.

Wie die Wirte mit Gäste umgehen, die nichts essen, aber auf die Toilette gehen, kann und will die Stadt ihnen nicht vorschreiben. Sie appelliert aber an die Gastfreundschaft: „Vielleicht fühlt sich ein WC-Gast so willkommen, dass er abends zum Essen wiederkommt.“

Die „nette Toilette“ in Berching

• Start: Ab 2014 beteiligte sich die Stadt Berching an der deutschlandweiten Aktion „nette Toilette“, an der auch Neumarkt teilnimmt.

• Hintergrund: Wer in diesen Städten unterwegs ist, kann bei teilnehmenden Gastronomen kostenlos die Toilette benutzen. Rote Aufkleber an den Türen der Betriebe zeigen Besuchern an, dass sich das Lokal an der Aktion beteiligt.

• Entschädigung: Betriebe, die bei der „netten Toilette“ mitmachen, bekommen eine minimale, finanzielle Entschädigung von der Stadt. Berching hat in den vergangenen Jahren zwischen 2800 und 3975 Euro pro Jahr an die Betriebe gezahlt – nicht pro Gastronom, sondern gesamt an alle beteiligten Wirte. Im Laufe der Jahre nahmen zwischen elf und 14 Lokale daran teil. Für den einzelnen Betrieb kam finanziell also nicht viel herum.