„Der Wolfshund ist ein Angstbeißer“: Willmeringer Hundetrainer erklärt, wie die Rasse tickt

Von Nils Mayer · 18. Oktober 2025 um 19:00

Achtung Verwechslungsgefahr: Auf dem Bild ist zwar ein echter Wolf zu sehen, die Wolfshunde leiden aber zunehmend am „schlechten Image“ der Verwandtschaft, meint Hundetrainer Fred Kerscher. - Foto: Symbolbild: Arne Dedert/dpa

Vor einigen Wochen wurde der Chamer Kaplan von einem Rudel Tschechoslowakischer Wolfshunde attackiert und verletzt. Nun gibt es den nächsten Angriff: Ein Jogger wird bei Schorndorf von einem unangeleinten Hund der Rasse gebissen. Hat der Landkreis Cham ein Problem mit aggressiven Wolfshunden?

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Für Hundetrainer Fred Kerscher von der Hundeschule Dogtalk aus Willmering steht fest: Nicht die Vierbeiner sind das Problem, sondern die Hundehalter. „Eigentlich ist der Wolfshund ein Angstbeißer und ist eher zurückhaltender“, erklärt der 66-Jährige. Und auch der Chamer Landrat Franz Löffler appelliert an die Eigenverantwortung der Hundehalter.

Ein Kampfhund ist der Wolfshund übrigens nicht. Auch die Pressestelle des Landratsamts erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Die Hunderasse gilt nicht als gesteigert aggressiv oder gefährlich – im Gegensatz zu den Kategorie-1-Hunden.“ Unter diese Kategorie fällt unter anderem der bekannte Pitbull. Aus diesem Grund gebe es auch keine strengen Vorschriften von Seiten des Staates.

Gemeinden in der Pflicht

„Es entspricht dem Grundsatz der Eigenverantwortung, dass der Staat nur dann eingreifen muss, wenn Hundehalter ihrer Verantwortung nicht selbstständig nachkommen“, meint Landrat Löffler. Außerdem sei ohnehin die jeweilige Gemeinde als örtliche Sicherheitsbehörde in der Pflicht. „Diese Aufgabe erfüllen die Gemeinden im Landkreis sehr zuverlässig“, sagt Löffler. Schlussendlich würden einige wenige Einzelfälle ein schlechtes Licht auf die vielen Hundehalter im Landkreis werfen.

Hundetrainer Fred Kerscher sieht das ähnlich: „Die verantwortungslosen Hundehalter sind halt mal wieder das Problem.“ Der Wolfshund sei nämlich besonders sensibel und brauche dementsprechend viel Zeit und Geduld bei der Erziehung.

„Im Grunde will die Rasse überhaupt nichts mit dem Menschen zu tun haben, genau wie der verwandte Wolf eben“, sagt er. Der Kontakt zu Menschen müsse deshalb im Training lange geübt werden. „Der Wolfshund braucht einfach ein bisschen länger als so manch andere Rasse.“ Auch im Umgang komme mit einem Wolfshund viel Arbeit auf den Halter zu, erklärt Kerscher. „Das ist halt kein Golden Retriever, der nur kuscheln will.“

Werden die Eigenheiten der Rasse aber einfach ignoriert, seien Zwischenfälle mit den Wolfshunden nur eine Frage der Zeit. Dabei sei der Wolfshund überhaupt kein gefährlicher Hund. „Und trotzdem steht die ganze Rasse jetzt unter Generalverdacht.“

Auch aus persönlicher Erfahrung weiß er nach eigenen Worten, wie die Wolfshunde ticken. „Schon dreimal war die Rasse bei meiner Hundeschule zu Besuch und es gab nie irgendwelche Probleme.“

Seit rund 30 Jahren ist Kerscher jetzt schon als Hundetrainer tätig und für ihn steht fest: „Der Wolfshund ist definitiv nicht die gefährlichste Rasse, die ich in dieser Zeit gesehen habe.“ Die Vierbeiner, die dem Wolf zum Verwechseln ähnlich sehen, würden vielmehr an einem Image-Problem leiden. „Manch einer denkt da natürlich gleich an den Wolf und seinen Jagdinstinkt“, erzählt der Hundetrainer. „Das ist natürlich Unsinn, weil die richtige Erziehung am Ende entscheidet.“

Übrigens: Obwohl Kerscher erfahrener Hundetrainer ist, würde er sich laut eigener Aussage „die Rasse nicht antun“. „Ich weiß, wie sensibel Wolfshunde sind, und das passt nicht zu mir“, erklärt er.

Er wisse, wie viel Arbeit da auf ihn zukommen würde. „Trotzdem ist so ein Wolfshund natürlich ein echter Hingucker.“

Also doch keine Wolfshund-Gefahr im Landkreis? „Diese ganze öffentliche Diskussion gerade ist Unsinn“, meint Kerscher und ergänzt: „Mal sind es Kampfhunde und dann wieder eine andere Rasse, aber am Ende ist immer der Mensch das Problem.“