Unterschätzte Oberpfälzer: Womit Strauß bei seinen WAA-Plänen nicht rechnete

Von Isolde Stöcker-Gietl · 1. November 2025 um 05:00

Zum achtzigsten Jubiläum der Mittelbayerischen Zeitung werfen wir einen Blick auf die Ereignisse, die die Menschen in der Region bewegt haben: Anfang der 1980er Jahre ist die Oberpfälzer Bergbauindustrie am Boden. Die Zahl der Arbeitslosen ist hoch und Ministerpräsident Franz Josef Strauß plant, eine Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf zu errichten. Mit dem folgenden Protest hatte er nicht gerechnet.

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In einem Kammerl im Alten Rathaus in Regensburg hatten Anfang der 1980er Jahre Redakteure der Boulevardzeitung „Die Woche“ eine Stadtratsitzung belauscht und als erste Wind bekommen von einer geplanten Atombrennstäbe-Wiederaufarbeitungsanlage im Taxöldener Forst bei Wackersdorf (Lkr. Schwandorf).

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Fast ein Jahrzehnt lang sollte das Bauprojekt die Oberpfalz in zwei Lager spalten. Während CSU-Ministerpräsident Franz Josef Strauß den Energiekonzernen eine unkomplizierte Realisierung versprach, gehörte der Schwandorfer Landrat Hans Schuierer (SPD) zu den strikten Gegnern der Atomanlage. Strauß wird eine Äußerung zugeschrieben, wonach er ein solches Projekt nirgendwo sonst für durchsetzbar hielt, als in der Oberpfalz. Wortwörtlich soll er gesagt haben: „Wenn wir es in der Oberpfalz nicht durchbekommen, dann schaffen wir es nirgendwo in Bayern.“ Um die erforderliche Zustimmung des Landkreises zu dem Bauprojekt zu untergraben, wurde von der Staatsregierung die „Lex Schuierer“ geschaffen.

An Pfingsten 1986 erreichten die Proteste am Bauzaun ihren Höhepunkt. Die Polizei setzte CS-Gas ein. - Foto: MZ-Archiv
Solche Bilder gab es Mitte der 1980er Jahre an jedem Wochenende in Wackersdorf. - Foto: Dieter Nübler
Die Protestierenden wurden vom Staatsapparat genau beobachtet und auch fotografisch dokumentiert. - Foto: Staatsanwaltschaft Amberg/Staatsarchiv Amberg
Ein anderes Kapitel: Das AntiWAAhnsinnsfestival in Burglengenfeld sprengte im Sommer 1986 Rekorde. - Foto: MZ-Archiv
Hunderttausend feierten friedlich zur Musik von Rio Reiser oder Udo Lindenberg. - Foto: MZ-Archiv

Am Bauzaun wurde währenddessen jedes Wochenende demonstriert. 1986 kam bei der Pfingstschlacht CS-Gas zum Einsatz. Das Anti-WAAhnsinnsfestival im selben Jahr in Burglengenfeld schrieb Musikgeschichte. Mit so erbittertem Widerstand hatten die Verantwortlichen nicht gerechnet. Das Ende der WAA kam dennoch überraschend. Sie war zu teuer geworden und ihr größter Verfechter Franz Josef Strauß war tot. Am 1. Juni 1989 schrieb die Mittelbayerische Zeitung: „Das Tor zur WAA wurde geschlossen.“