Rekordlauf im Altmühltal: Von Stelzer rennt 200 Kilometer Panoramaweg in unglaublicher Zeit

Von Johannes Schleissheimer · 12. Oktober 2025 um 19:17

Der 30-jährige Extremsportler Christopher von Stelzer bewältigte den rund 200 Kilometer langen Altmühltal-Panoramaweg in unter 24 Stunden. Dank Helfern, Fans und Mitläufern erzielt er die „Fastest Known Time“ und begeistert die Läufer-Community.

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Von Stelzer unterbietet die selbst gesteckte Zielzeit

Was geübte Wanderer zumeist in acht Tagesetappen à 20 bis 30 Kilometer in Angriff nehmen, gelang Extremsportler Christopher von Stelzer in nicht einmal 24 Stunden: Von Freitag auf Samstag legte der 30-Jährige die gesamte, rund 200 Kilometer lange Strecke des Altmühltal-Panoramawegs zurück. Der Startschuss fiel am Freitag um Punkt 12 Uhr in Gunzenhausen – 23 Stunden und 33 Minuten später erreichte von Stelzer das Ziel in Kelheim, wo ihn Freunde und Familie mit einem selbstgebastelten Banner jubelnd empfingen.

Dass er seine selbst gesteckte Zielzeit von 24 Stunden letztlich sogar um fast 30 Minuten unterbot, lag vor allem daran, dass von Stelzer seinem Motto auch in schwierigen Phasen treu blieb: „Alles, was laufbar ist, muss auch gelaufen werden.“ Nur Passagen mit hohem Sturzrisiko legte der Extremsportler im Gehschritt zurück. Im Schnitt benötigte er 6:52 Minuten pro Kilometer. Dabei sind über 60 Minuten eingerechnet, die er an den Verpflegungsstationen verbrachte.

Auch Sport- und Arbeitskollege Benedikt Maussner (rechts) stand dem 30-Jährigen während seines Rekordlaufs tatkräftig zur Seite. - Foto: Richard Bos

Damit ist es offiziell: von Stelzer hält die „Fastest Known Time“ auf dem Altmühltal-Panoramaweg – ein Rekord, den ihm so schnell wohl niemand streitig machen wird. „Wir haben es geschafft – und das Wir wähle ich ganz bewusst“, äußerte ein glücklicher von Stelzer einen Tag nach dem Lauf. „Letztendlich war das nur als Gemeinschaftsprojekt möglich. Jede Person war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, und einen solchen Support auf der Strecke hätte ich mir im Vorfeld niemals vorstellen können.“

Extremsportler kämpft sich dank starker Begleitung zum Rekord

Nicht nur Familie und Freunde unterstützten von Stelzer, indem sie unter anderem für die perfekte Koordination der elf Verpflegungsstationen sorgten, sondern auch zahlreiche Zuschauer, die ihn anfeuerten – sowie viele Hobbyathleten, die einen Teil der Strecke laufend oder auf dem Fahrrad mit ihm zurücklegten. Bei idealem Laufwetter ging Christopher von Stelzer die ersten 30 Kilometer nach eigener Aussage etwas zu schnell an und bekam in der Folge Probleme mit der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, weshalb er das Tempo drosselte. In Treuchtlingen empfing ihn die erste größere Menschenmenge, und ab Kilometer 50 schlossen sich ihm die ersten Laufbegleitungen an. Kurz vor Dollnstein setzte die Dämmerung ein. Den Empfang in und um Eichstätt bezeichnete von Stelzer als einen der Höhepunkte.

Auf seinem Weg wurde er immer wieder von zahlreichen Mitläufern unterstützt. - Foto: Richard Bos

An der Strecke wurde er vielerorts angefeuert und in der Stadt sorgten Familie und Freunde dafür, dass seine Energiespeicher wieder aufgefüllt wurden. Mit Kilometer 90, kurz hinter Eichstätt, war der erste große Meilenstein erreicht, und anschließend begleiteten ihn einige Radfahrer auf den befahrbaren Abschnitten. Nach der Etappenstation Kipfenberg wartete in Kinding eine besondere Überraschung: Mitten in der Nacht stiegen drei Läufer ein und begleiteten ihn über die nächsten 20 Kilometer.

Das Ziel im Blick: Von Stelzer trotzt Müdigkeit und Schmerzen

„Das war zu diesem Zeitpunkt Gold wert, denn in der Nacht kämpft man auch gegen die biologische Uhr an. Ab etwa drei Uhr wurde es körperlich extrem anstrengend, und erstmals machte sich das rechte Knie bemerkbar“, berichtete von Stelzer dankbar. Doch auch diese Phase überstand er – und er wusste bereits im Vorfeld, dass ihn ab Beilngries, das er gegen 4 Uhr morgens erreichte, ein weiterer Athlet bis ins Ziel begleiten würde. In Beilngries gönnte sich von Stelzer fünf Minuten Auszeit nur für sich – um kurz zur Ruhe zu kommen und den Geist zu sammeln. Auch wenn das Wiederanlaufen danach einiges an Überwindung kostete, sorgte die Aussicht, die Nacht bald hinter sich zu haben, für neue Motivation.

Kurz vor Riedenburg wurde es wieder hell. „Hier begannen die ersten Hochrechnungen, und mir wurde klar, dass ich die 200 Kilometer tatsächlich schaffen kann – und dass es, wenn nichts mehr schief läuft, sogar unter 24 Stunden möglich sein würde“, berichtet von Stelzer. Nachdem mit dem Keltenwall der letzte schwierige Anstieg gemeistert war, bog er in Richtung Zielort Kelheim ein. Nach den letzten drei Kilometern entlang der Donau wurde von Stelzer im Ziel von über 20 Bekannten und Freunden empfangen.

Nach dem Zieleinlauf war Christopher von Stelzer sichtlich erschöpft. - Foto: Christian Kahler

„Sobald eine solche Anstrengung überwunden ist, fahren Körper und Geist gleichermaßen herunter. Der Weg zum Auto war dann nur noch gestützt möglich. Was die Leute an und auf der Strecke für mich geleistet haben, ist unbeschreiblich – es hatte eine ganz eigene, Dynamik, die man bei professionellen Rennen so nicht findet. Wenn ich durch meinen Lauf den ein oder anderen dazu motivieren konnte, die Laufschuhe mal wieder zu schnüren, ist damit mehr gewonnen als mit jedem Rekord.“