Doppelgängerinnen-Mord von Ingolstadt kommt als True-Crime-Doku bei Amazon-Prime

Plötzlich war Ingolstadt überall in den Schlagzeilen: Der sogenannte Doppelgängerinnen-Mord von Ingolstadt und der anschließende Prozess am Landgericht Ingolstadt haben in ganz Deutschland über Monate hinweg höchste mediale Aufmerksamkeit erregt. Unter dem Titel „Der Insta-Mord“ wird der Fall jetzt in einer True-Crime-Doku aufgerollt, die ab Donnerstag, 16. Oktober, beim Streaming-Portal Prime Video zu sehen ist. Auch zwei Redakteurinnen des Donaukurier treten darin auf.
Der Film der Produktionsfirma Beetz Brothers rekonstruiert mit Interviews und Spielszenen Schritt für Schritt die Ereignisse jener verhängnisvollen Sommernacht im August 2022 und die weitere Entwicklung. Im Mittelpunkt des Films steht Rawan, der Ex-Mann von Shahraban K.B. – die später als Mörderin verurteilt wird. Zu Wort kommen auch Beteiligte wie die Anwälte und Familienmitglieder der Täter sowie der Vater des Opfers und Zeugen. Und Ruth Stückle von der Lokalredaktion, die damals hauptsächlich über den Kriminalfall und den Prozess berichtete.
Der Körper der Toten ist übersät mit Messerstichen
Ebenfalls zu sehen: Der Ingolstädter Künstler Ludwig Hauser, dessen Atelier an der Peisserstraße liegt. Er schildert im Film die Ereignisse vom 16. August 2022: „Es war eigentlich ein richtig schöner Sommerabend“, beginnt er. Angelockt von lauten Stimmen und Lärm sieht er, wie Polizeikräfte aus einem am Straßenrand abgestellten schwarzen Mercedes-Coupé die Leiche einer jungen Frau ziehen. Der Körper der Toten ist übersät mit Messerstichen. Selbst die Eltern, die das Auto in der Peisserstraße entdeckt haben, gehen davon aus, dass die Tote ihre Tochter sei. Schnell fällt der Verdacht auf deren Ex-Mann Rawan. Dieser, wie Shahraban K.B. jesidischen Glaubens, hatte sich nur wenige Wochen zuvor von ihr getrennt. Vor der Kamera beschreibt er die toxische Beziehung – auch, wie die zierliche Frau ihn misshandelt hat.
Doch bei der Obduktion der Leiche kommen Zweifel auf. Und plötzlich nimmt der Fall eine dramatische Wendung: Die angeblich Tote lebt – die 23-jährige Deutsch-Irakerin wird als mutmaßliche Mörderin verhaftet. Wenig später auch ihr mutmaßlicher Komplize Sheqir K., ein Mann aus dem Kosovo, damals ebenfalls 23 Jahre alt. Der DNA-Test besagt, dass es sich bei der Toten um Khadidja O. aus dem baden-württembergischen Eppingen handelt. Die zwei gleichaltrigen Frauen sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
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Etwa 17 Monate später beginnt der Prozess vor dem Landgericht Ingolstadt. Die Anklage liest sich wie ein düsteres Drehbuch: Über Instagram soll Shahraban K.B. gezielt nach einer Doppelgängerin gesucht haben. Gemeinsam mit ihrem Komplizen soll sie ihr Opfer in einen Wald gelockt und ermordet haben, um so ihren eigenen Tod zu inszenieren. Der Film zeigt in aller Brutalität, wie das Messer wieder und wieder niedergeht.
Ein Labyrinth aus Widersprüchen, Rätseln und Abgründen
In ihrer Einlassung vor Gericht hat Shahraban K.B. stets ihre Unschuld beteuert und Sheqir K. allein für die Tat verantwortlich gemacht. Doch der Prozess entwickelt sich zu einem Labyrinth aus Widersprüchen, Rätseln und Abgründen, was der Film spannend erzählt und dabei zu einer Art Ingolstädter Milieustudie gerät. Ging es tatsächlich um die Flucht aus familiären Zwängen – oder doch um Eifersucht, Rache und verletzte Gefühle? Warum hat sich der Komplize an der Tat beteiligt? Im Gerichtssaal sitzt Sheqir K. mit regungsloser Miene da und schweigt beharrlich.
Am 19. Dezember 2024 fällt die 1. Strafkammer am Landgericht Ingolstadt das Urteil: lebenslänglich für beide Angeklagten. Bei Shahraban K.B. stellt das Schwurgericht zwei Mordmerkmale und damit eine „besondere Schwere der Schuld“ fest: Heimtücke und niedrige Beweggründe. Ihre Anwälte gehen in Revision. Bei Sheqir K. bleibt das Motiv unklar.
Unsere Sonderseite zum Doppelgängerinnen-Mord von Ingolstadt
Wie der Prozess lässt der Film „Der Insta-Mord“ viele Fragen offen. Im Abspann steht, dass Rawan, 2018 als jüngster Friseurmeister Bayerns ausgezeichnet, jetzt Philosophie, Politik und Wirtschaft studiert. Ruth Stückle vom Donaukurier bleibt am Ball und wird auch über die Entscheidung des Bundesgerichtshofs berichten. Wann diese erwartet wird, steht laut BGH noch nicht fest.
DK-Redakteurin zu Gast bei Stern-TV
Die True-Crime-Doku „Der Insta-Mord“ wird bereits am kommenden Mittwoch, 15. Oktober, bei Stern TV auf RTL vorgestellt. Zu Gast im Studio wird dabei neben der besten Freundin des Mordopfers auch die DK-Redakteurin Ruth Stückle sein, die für den Donaukurier hauptsächlich über den spektakulären Kriminalfall und den Prozess berichtet hat.
In der um 21.30 Uhr beginnenden Livesendung auf RTL werden auch Ausschnitte des Films über den Doppelgängerinnen-Mord gezeigt, der ab 16. Oktober im Bezahlfernsehen Prime Video gestreamt werden kann.