Schulleiter Florian Stief startet in Mega-Baustelle: „Es ist eine Riesen-Herausforderung“

Seit Anfang des Schuljahres haben die Grund- und Mittelschule Hemau (Landkreis Regensburg) und ihre fast 600 Schülerinnen und Schüler einen neuen Chef: Florian Stief, gebürtiger Amberger und inzwischen Tegernheimer, tritt in die Fußstapfen von Dr. Erwin Geitner. Im Interview spricht der 46-Jährige über Digitalisierung im Klassenzimmer, Projekte gegen Rassismus und den Mega-Umbau der Schule.
Ihre ersten Wochen als Chef haben Sie hinter sich – wie ist es bis jetzt so in Hemau?
Florian Stief: Stressig! Es gibt viel zu tun, aber es ist auch auch sehr, sehr interessant. Mir wurde der Start wirklich leicht gemacht. Ich habe zwei Konrektorinnen, die mich stark unterstützen und ein erfahrenes Kollegium.
Haben Sie sich Ihr neues Büro schon eingerichtet?
Stief: Man sieht, das Büro ist jetzt nicht das modernste. (Florian Stief deutet auf die alten Möbel um ihn herum und auf die 70er-Jahre-Holzpaneele an der Wand.) Weil die Schule und mein Büro komplett saniert werden, halte ich mich mit dem ganz großen Einrichten zurück.
Sie sprechen gleich den Elefanten im Raum an: Für 26 Millionen Euro wird die Grund- und Mittelschule erweitert und saniert. Im Juli war Spatenstich. Sie starten also auf einer Baustelle und werden jahrelang auf einer Baustelle arbeiten. War das schlechtes Timing von Ihnen?
Stief: Könnte man fast meinen (lacht). Nein, es ist eine Riesen-Herausforderung, aber es ist natürlich auch eine große Chance, noch mitzugestalten, wie zum Beispiel bei pädagogischen Konzepten im Klassenzimmer, bei der digitalen Ausstattung.
Trotzdem: Baulärm ist wohl erst mal Teil Ihres Alltags.
Stief: Ach, mit Baulärm komme ich schon zurecht. Umso schöner wird es sein, wenn wir irgendwann fertig sind. Ich bin mir sicher, es wird in der langen Bauzeit noch einige Überraschungen geben, aber wir sind alle optimistisch.

Was würden Sie an der Schule gerne umsetzen?
Stief: Im Moment stehen überall die Zeichen auf Digitalisierung. Da müssen auch wir in Schulen mit der Zeit gehen und die Möglichkeiten dafür in Klassenzimmern schaffen. Auf der anderen Seite sollte die Digitalisierung kein Selbstzweck sein.
An einigen Schulen, unter anderem in Skandinavien, wird die Digitalisierung wieder etwas zurückgerollt und Unterricht weniger auf Bildschirme ausgelegt.
Stief: Wenn ich digitale Geräte im Unterricht verwende, muss das pädagogischen, didaktischen Mehrwert haben. Wenn nicht, ergibt es sicherlich keinen Sinn, durchgehend nur digital zu arbeiten. Ich habe bereits auch als Systembetreuer an einer Schule gearbeitet und kenne mich relativ gut damit aus, was alles machbar ist.
Wie viel sind Sie privat am Handy und auf sozialen Medien unterwegs?
Stief: Viel oder wenig, das ist wohl subjektiv. Aber ich versuche schon, es auf das Nötige zu beschränken. Ob das immer klappt, ist die andere Sache.
Auf junge Menschen prasselt ja gerade dort, über die sozialen Medien, sehr viel ein, auch extreme Inhalte. Kann man dem als Schule entgegenwirken?
Stief: Den möglichen negativen Einfluss der sozialen Medien ganz zu verhindern, werden wir nicht schaffen. Was wir machen können, ist, den Schülern die Kompetenz zu vermitteln, gute Inhalte von schlechten Inhalten, Fake News von tatsächlichen News zu unterscheiden. Verantwortungsvollen Umgang mit Medien können wir in der Schule fördern. Das Medienverhalten in der Freizeit ist wieder etwas anderes.
Am Schuleingang hängt die Plakette „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Ihr Vorgänger war großer Verfechter dieser Prinzipien – wie ist es bei Ihnen?
Stief: Gerade in der heutigen Zeit ist Rassismus – ob digital oder in der Wirklichkeit – ein immer größeres Thema. Wir werden weiter Projekte für „Schule mit Courage“ machen.
Was kann man da als Schule leisten?
Stief: Aufmerksam machen, aufmerksam machen, aufmerksam machen: Auf die Missstände hinweisen – sowohl darauf, was im Moment passiert, als auch darauf, was in der Vergangenheit war. Es gibt seit zwei Jahren die Verfassungsviertelstunde, auch durch sie kann man sehr gut mit solchen Themen umgehen.
Ein anderes Thema sind psychische Probleme bei Jugendlichen. Studien zeigen einen deutlichen Anstieg.
Stief: Ich bin seit 19 Jahren Lehrer. Der Anteil von Kindern mit Förderbedarf, die an Grund- und Mittelschulen aufschlagen, ist stark gewachsen. Gleichzeitig wächst auch der Anteil an Kindern mit Inklusionsbedarf. Dies fordert viel zusätzliche Kraft und Engagement von den Lehrkräften. Es ist herausfordernd. Gleichzeitig kann diese Begegnung der Schüler mit Inklusionsschülern viel über Respekt beibringen und Kompetenzen aufbauen.
Apropos Respekt: Wie haben Sie in Ihren ersten Wochen das Klima an der Schule erlebt?
Stief: Ich bin tatsächlich sehr offen und nett empfangen worden. Ich war vom Kollegium sehr angetan. Die Schülerschaft ist wahnsinnig groß, vor allem die Grundschule wächst seit Jahren. Trotzdem hat man das Gefühl, dass es alles sehr heimisch ist und man gut mit den Schülern arbeiten kann.
Wie wichtig ist für Sie ein gutes Schulklima?
Stief: Ich lege sehr, sehr viel Wert auf offenen, respektvollen Umgang miteinander. Mit Eltern, mit Schülern und mit Lehrern.
Was war Ihr Antrieb, Schulleiter werden zu wollen?
Stief: In meinen Jahren als Lehrer habe ich die ein oder andere Schulleitung mitgekriegt. Aktiv eine Schule zu verändern und mitgestalten zu können, das ist tatsächlich etwas, was ich seit langem sehr interessant fand.
Erwarten die Schüler mit Ihnen als neuen Chef jetzt große Veränderungen?
Stief: Ich finde, Veränderung muss mit Augenmaß gemacht werden. Mein Ziel ist, die Stärken weiter auszubauen und vielleicht das ein oder andere, wie Digitalisierung oder individuelle Förderung, voranzutreiben. Zuerst einmal sehe ich mir aber an, wie hier alles funktioniert. Was gut läuft und wo man etwas verbessern könnte. Und dann sehen wir weiter.