Mädchen für MINT begeistern: Wenn Vorbilder Mut machen

Von Maja Schoplocher · 8. Oktober 2025 um 07:00

Wenn Schülerinnen sich jede Woche zu einem Videocall treffen, steht dabei der Austausch im Mittelpunkt: Sie sprechen mit Ingenieurinnen, Informatikerinnen, Wissenschaftlerinnen oder Fachkräften aus der freien Wirtschaft – Frauen, die ihre Fragen beantworten und Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Berufe vermitteln. Das ist die Idee hinter „CyberMentor“, einem Mentoring-Programm, das seit 2008 an der Universität Regensburg angeboten wird.

Persönliche Betreuung über Jahre

Gegründet wurde es von Prof. Dr. Heidrun Stöger (Universität Regensburg) und Prof. Dr. Dr. Albert Ziegler (FAU Erlangen-Nürnberg), inspiriert durch ein ähnliches Projekt in Kanada. Heute betreut „CyberMentor“ jährlich bis zu 800 Schülerinnen und hat sich längst zu einem Netzwerk entwickelt, das weit über schulische Inhalte hinausgeht. Außerdem wurde das Programm in den vergangenen Jahren vielfach ausgezeichnet, unter anderem von der Harvard University und der UNESCO als Best-Practice-Modell.

Jede Teilnehmerin wird über ein Jahr hinweg von einer ehrenamtlichen Mentorin in wöchentlichen, rund 30-minütigen Online-Treffen begleitet. Manche Mentees bleiben sogar mehrere Jahre dabei und bauen mit ihrer Mentorin eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf. Auch gibt es inzwischen Frauen, die einst selbst Mentee waren und nun als Mentorin ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben.

Mentorinnen aus Wissenschaft und Praxis

Wichtig ist den Verantwortlichen des Projekts Kristin Frauenhoffer und Dr. Claudia Uebler, dass es dabei nicht um Nachhilfeunterricht geht. Sie wollen jungen Mädchen zeigen, dass es Frauen im MINT-Bereich gibt, die nahbar sind. So sollen Schülerinnen, statt nur auf große Vorbilder wie Marie Curie zu schauen, ganz konkrete Rollenvorbilder erleben: Frauen, die heute in MINT-Berufen aktiv sind.

Die Bandbreite an Mentorinnen ist groß: Sie kommen aus der Wissenschaft, aus Unternehmen oder aus Ausbildungsberufen. Allen gemeinsam ist das Ziel, Mädchen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und ihnen Mut zu machen, dort eigene Wege zu finden und zu gehen. Viele der Mentorinnen haben ein persönliches Anliegen bei der Unterstützung der Schülerinnen. Sie selbst waren oft eine der wenigen Frauen in ihrem Studiengang oder Beruf und möchten nun dazu beitragen, dass diese Lücke kleiner wird.

CyberMentor Plus: Vernetzung in der Schule

„CyberMentor“ ist nicht nur ein Praxisprojekt, sondern wird von Anfang an eng wissenschaftlich begleitet. Mit Befragungen und Vergleichsgruppen analysieren die Forschenden die Entwicklung der Mädchen und können so zeigen, welchen Einfluss die persönliche Förderung auf Selbstvertrauen, Motivation und Berufsentscheidungen hat. Seit 2018 erweitert „CyberMentor Plus“ das Angebot. Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium vernetzen sich Schülerinnen hier direkt in der Schule.

In speziell eingerichteten Kleingruppen arbeiten etwa sechs bis acht Mädchen gemeinsam an Projekten. Geleitet werden diese Treffen von MINT-Lehrkräften, die so die Mentoring-Erfahrung in den Schulalltag einbinden.

Ob digitale Besprechungen, gemeinsame Projekte oder ein Willkommenstreffen zu Beginn: „CyberMentor“ lebt vom Austausch. Über eine digitale Plattform erhalten die Teilnehmerinnen Materialien, Projektvorlagen und die Möglichkeit, Ideen zu teilen. Kurzporträts über unterschiedliche Berufsfelder geben zusätzliche Orientierung. „Es ist ein großes Netzwerk aus MINT-interessierten Mädchen und Frauen“, fasst Uebler zusammen.

Netzwerk mit Zukunft

Langfristig möchten die Verantwortlichen das Programm in eine gemeinnützige Organisation mit enger universitärer Anbindung überführen, um Spenden und Förderungen, auch aus privater Hand, auszubauen. Denn: „CyberMentor“ ist auf Unterstützung angewiesen und sorgt dafür, dass mehr Frauen schon früh für MINT-Bereiche gewonnen werden.

Im September haben sich die Verantwortlichen Fördergelder der Heinz-Trox-Stiftung mit insgesamt 1,75 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren sichern können. Damit entsteht für „CyberMentor“ eine langfristige und stabile Basis.

Universitätspräsident Prof. Dr. Udo Hebel wertete die Förderung in einer Pressemitteilung als Auszeichnung für den Erfolg des Programms. Mitgründerin Heidrun Stöger sprach von einem wichtigen Signal für die Zukunft des Projekts: Die Unterstützung helfe, noch mehr Mädchen für MINT zu gewinnen und „CyberMentor“ dauerhaft zu sichern.

Bis heute beschäftigt das Projektteam um Stöger und Ziegler zwölf Mitarbeiter, unterstützt durch studentische Hilfskräfte. Denn in dem Prozess, wie sich die Mentorrinnen und Mentees zusammenfinden, steckt viel Handarbeit: Zwar hilft ein Algorithmus, doch am Ende prüfen die Verantwortlichen alle Paare persönlich. Eines ist den Mitarbeitern klar: Mädchen, die bei „CyberMentor“ mitmachen, gewinnen mehr als Wissen. Sie gewinnen Selbstvertrauen und entdecken neue Möglichkeiten für ihre Zukunft.

Das Cyber-Mentor-Programm im Detail

• Deutschlands größtes Online-Mentoring-Programm für Mädchen in MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)

• Gründung: 2005 von Prof. Dr. Heidrun Stöger (Uni Regensburg) und Prof. Dr. Dr. Albert Ziegler (FAU Erlangen-Nürnberg)

• Zielgruppe: Schülerinnen der 5.–13. Klasse

• Ablauf: Ein Jahr Online-Mentoring durch persönliche MINT-Mentorinnen aus Wirtschaft und Wissenschaft, unterstützt durch Mail, Chat, Forum und Infos zur Studien- und Berufswahl

• Teilnahme: Einstieg jedes Jahr im Oktober, bis zu 800 Mentoring-Paare pro Runde

• Wirkung: Mehr MINT-Aktivitäten, höhere Sicherheit bei der Berufswahl, größere Wahrscheinlichkeit für MINT-Studium (62% der Ehemaligen vs. 31% in Vergleichsgruppen)

• Erreichte Paare seit 2005: Über 11.000

• Förderung: Unterstützt von Bund, Ländern, Stiftungen und Unternehmen