Leere Tanks und Schockanrufe: Die aktuellen Maschen der Trickbetrüger im Landkreis Neumarkt

„Ich will andere darauf aufmerksam machen, damit sie nicht darauf hereinfallen“, sagt ein Mann aus dem Landkreis Neumarkt. Seinen Worten lässt es sich schon entnehmen: Es geht um Trickbetrug. Im Fall des Mannes hat das mit einem auf einer Landstraße stehenden Auto zu tun. Was es damit auf sich hat und welche anderen Maschen Betrüger aktuell anwenden, erklärt die Neumarkter Polizei.
„Das ist mir innerhalb von wenigen Wochen gleich zweimal passiert“, erinnert sich der Mann. Zuletzt bei seiner Fahrt über Land nahe Berg, als plötzlich ein Auto auf der Straße gestanden habe. „Ich habe mir gedacht: ,Was ist da los?’ und habe angehalten, um nachzufragen“, erinnert er sich.
Das Ergebnis: Neben dem älteren Audi-Modell habe ein Mann um die 50 gestanden und ihm mit ausländischem Akzent erklärt, dass der Tank leer sei und er Geld brauche. Einige Wochen zuvor habe er ein ähnliches Erlebnis nahe Stauf gehabt, sagt der Mann. Damals sei es ein anderes Auto und ein jüngerer Mann gewesen. Ansonsten war das Erlebnis gleich. In beiden Fällen habe er sich nicht darauf eingelassen und sei schnell weitergefahren, sagt der Mann.
Der Trick mit dem Wechsel
Für die Polizei Neumarkt haben beide Fälle die Merkmale von Maschen, wie sie Trickbetrüger anwenden. Im konkreten Fall täusche ein abgestelltes Auto eine Notsituation vor, sagt Polizeisprecher Martin Meier. Der Täter erkläre Helfern, gar kein Geld oder Probleme beim Abheben zu haben, und bittet darum, ihm auszuhelfen. Im Gegenzug verspreche er oder sie, das Geld per Sofortüberweisung zurückzuzahlen, das Geld abzuheben – oder es kommt zu einem Geldwechseltrick.
Letzteres „kommt in unregelmäßigen Abständen vor“, sagt Meier. Die Täter versuchten beim Wechseln eine unübersichtliche Situation zu schaffen, beispielsweise indem sie kurz nacheinander verschiedene Wechselwünsche äußern und den Betroffenen gedanklich ablenken. Oftmals agierten zwei oder mehrere Personen zusammen. Schließlich werde unbemerkt ein Geldschein entnommen oder es werden beim Hin- und Hergeben des Geldes Scheine zurückbehalten. „Das läuft teilweise so professionell ab, dass es für Außenstehende kaum bemerkbar ist“, sagt Meier.
Die Polizei rät daher, Geld nie offen vor anderen Personen zu zählen oder zur Schau zu stellen. Beim Wechseln sollte man stets nachzählen – auch wenn man es erst wenige Sekunden zuvor ausgezahlt hat und dann zurückbekommt.
Im Vorjahr hat die Inspektion Neumarkt 60 Vorgänge aus dem Bereich Trickbetrug in ihren Statistiken erfasst. Für das laufende Jahr gebe es noch keine endgültigen Zahlen, sagt Meier. „Jedoch können wir bereits jetzt einen leichten Anstieg prognostizieren.“
Trickbetrug auf offener Straße ist dabei ein Phänomen, das inzwischen im Schatten eines anderen steht. Zumeist verlagern sich Betrügereien aus der realen in die digitale Welt. Der Bereich „Cybercrime“ stelle den mit Abstand größten Teil der Betrugsdelikte dar und sei in den angewandten Maschen beinahe allumfassend, erklärt Polizeisprecher Meier.
Masche zieht nicht mehr so
Von gehackten Ebay-Konten über angebliche Mitarbeiter von Softwareunternehmen, die sich durch geschicktes Vorspiegeln falscher Tatsachen Zugang zum Onlinebanking erschleichen, bis hin zu vorgegaukelten Gewinnversprechen sei alles dabei.
Einen Klassiker unter den Betrugsmaschen ist nach wie vor in Anwendung: Schockanrufe. Ein vermeintlicher Polizist oder Enkel versucht ältere Menschen mit der Schilderung von Notsituationen unter Druck zu setzen, damit sie Geld überweisen. Inzwischen kämen aber immer mehr solcher Fälle nicht über den Versuch hinaus, sagt Meier. Die Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre zeige Wirkung. Viele Menschen erkennen die Masche oftmals und verhalten sich richtig: Sie legen auf und informieren die Polizei.