Noch kommt die Leberwurst nicht per E-Mail: Das treibt die Logistik-Branche um

Von Christian Eckl · 1. Oktober 2025 um 17:21

Mancher Autofahrer traute seinen Augen nicht, als dieser Lastwagen vor ihm auftauchte: „Solange man die Leberwurst nicht per E-Mail verschicken kann, müssen wir uns die Straße teilen“ hatte der selbstbewusste Spediteur auf seinen Anhänger geschrieben. Und in der Tat: Der Konsument will alles haben, der Unternehmer will für den Transport wenig zahlen – und die Lastwagen auf der Straße nerven obendrein. Doch welche Perspektive hat die Branche? Und fahren morgen schon alle mit Wasserstoff oder Batterie statt mit dem Diesel?

Video ansehen

Diese Frage sollte der 5. Verkehrskongress in der Regensburger TechBase zumindest stellen, wenn nicht auch beantworten. Und so viel vorweg: Die Wahl der Gäste auf dem Podium war eine glückliche.

Alle Antriebe als Lösung?

Beispielsweise wegen Hans-Peter Rabl, Professor an der benachbarten OTH „im inzwischen 40. Semester“, wie der Antriebsexperte zu Protokoll gab. Auf die Frage, welche Antriebsform nun die Lösung der Zukunft für die Logistikbranche sei, sagte er kurz und knapp: „Alle“. Mit Saskia Reuter stand eine junge Gründerin am Podium, die mit ihrem Unternehmen aluco GmbH nicht nur Logistik-Projekte in Neapel und Busfahrpläne im Augsburger Land beackert. Ihr Credo lautete: „Nur gute, saubere Daten bringen auch gute Lösungen mit Künstlicher Intelligenz.“ Denn die Branche ist nicht nur wichtig dafür, dass die Wirtschaft läuft. Ihr kommt auch eine Schlüsselrolle beim Thema Nachhaltigkeit zu, wenn man weiß, dass ein Drittel des CO2-Ausstoßes vom Warenverkehr verursacht wird.

Nur gute, saubere Daten bringen auch gute Lösungen mit KI.

Saskia Reuter, Gründerin der aluco GmbH

Auch Robert Praschl ist ein Mann der direkten Worte. Der Vorsitzende der Logistikinitiative Regensburg machte deutlich, dass wir eben in einer Marktwirtschaft leben. „Wenn der 40-Tonner, der den Großteil unserer Waren transportiert, als Diesel halb so teuer ist wie als Elektro-Lkw, dann ist doch klar, für welchen sich ein Logistikunternehmen entscheidet.“ Hinzu käme, dass ab 1. Januar 2026 die Mautfreiheit für E-Lkws fallen würde, wenngleich diese nach wie vor weniger zahlen müssten. „Aber im Fernverkehr zahlt man 70, 80 Cent pro Kilowattstunde“, so Praschl. Das sei eben noch zu teuer. „Wenn die Leute das in ihrer Lidl-Tüte spüren, dann hört sich für viele eben der Spaß auf“, so Praschl.

Gleichzeitig sei es „Mindblowing“, was beim Thema KI in der Logistikbranche gerade passieren würde. Das bestätigte auch Unternehmerin Reuter: „Es wird noch ganz viel passieren mit den Daten und der KI.“ Und sie brachte ein Anwendungsbeispiel: „Zuerst haben wir die Ladungen vermessen, dann hatten wir Bilder, jetzt QR-Codes, die beispielsweise Gefahrgut kennzeichnen. Wir vernetzen beispielsweise in Neapel Lkw- und Schiffstransport.“ Logistik-Sprecher Praschl machte aber auch deutlich: „Bei Stückgut-Palettenware geht morgens der Disponent durch die Halle, schaut sich die Ware an und weiß in einer Viertelstunde, dass die Ladung von Kunden X der Anton fährt – denn der kann das am besten.“ Nicht immer sei also die KI entscheidend, sondern eben auch die menschliche Erfahrung.

60 Millionen Tonnen Verbrennerkraftstoff – das sind 30 000 Windräder.

Prof. Dr. Hans-Peter Rabl, Professor an der OTH

Antriebsexperte Rabl von der OTH machte deutlich, dass alternative Antriebe immer eine Frage des Einsatzfeldes seien. Beim Betonmischer beispielsweise seien diese anders als bei langen Strecken, wo auch das Thema Wasserstoff eine große Rolle spielen könnte oder synthetische Kraftstoffe. Am Ende stelle sich die Frage, wie man die derzeit 60 Millionen Tonnen Verbrennerkraftstoff ersetzen könne – „das ist die Leistung von 30 000 Windrädern“, sagte der Professor.

Warum RegLog scheiterte

Auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer war zu Gast. Sie sprach davon, dass Regensburg stets ein Verkehrsknotenpunkt war – seit der Römerzeit. Die gescheiterte Stadtbahn betrauerte sie. Dass es in Regensburg mit RegLog bereits ein Projekt in den 90er Jahren gab, bei dem die Spediteure ihre Waren am Rande der Altstadt sammelten und der letzte Kilometer zentral bewältigt wurde, wusste auch Logistik-Sprecher Praschl noch. Dass es scheiterte, hatte aber auch den Grund: „Metzger Schmid mag es am Ende nicht, dass die Wurst von Metzger Meier im selben Lkw transportiert wird.“