Herrmann besucht Wiesn-Wache: Polizei kann Tatverdächtige sogar am Schuhwerk identifizieren

Das Oktoberfest in München ist in vollem Gange – und die Sicherheitsbehörden wie die Wiesn-Wache schauen genau hin. Dank moderner Kameras lassen sich Tatverdächtige mittlerweile schon am Schuhwerk identifizieren. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat sich die Technik zeigen lassen.
Zu Füßen der Bavaria zwischen der Käfer-Wiesn-Schänke auf der einen und dem Paulaner-Biergarten auf der anderen Seite hängt an einem Laternenmast eine Kamera – nicht mal so groß wie ein Handball. Das Gerät kommt unscheinbar daher, so dass kaum einer der vorbeiströmenden Menschen davon Notiz nimmt. Doch zu was diese hochauflösende 360-Grad-Kamera fähig ist, zeigt sich kurz darauf in der Wiesn-Wache der Polizei.
Dort sitzen in einem separaten Raum für die Videoüberwachung mehrere Beamte vor diversen Monitoren, über ihnen ein drei Meter breiter XXL-Bildschirm. Dahinter stehen Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel sowie Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der aufs Oktoberfest gekommen ist, um sich ein Bild von der Arbeit in der Wiesn-Wache zu machen.
Riesiger Monitor zeigt gestochen scharfe Bilder
„Durch die neuen Kameras bekommen wir detailliertere Bilder als früher“, sagt Christian Schäfer, der Leiter der Wiesn-Wache. Was das bedeutet, zeigt sich wenige Klicks später, durch die ein Beamter in das Bild auf dem riesigen Monitor hineinzoomt. Nun sind dort plötzlich einzelne Festbesucher gestochen scharf zu sehen. „Mit den neuen Kameras können wir eine Tätowierung auf 50 Meter Entfernung feststellen“, betont Hampel.
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Wobei die Beamtinnen und Beamten vor den Bildschirmen ihre Blicke häufiger auf ein anderes Detail richten, sagt Schäfer. Denn inmitten von ähnlich aussehenden Dirndln und Lederhosen ließen sich gesuchte Personen oftmals am Schuhwerk erkennen. Und dank der neuen Kameras könne man dort jetzt „noch genauer hinschauen“, so Schäfer.
Ihm zufolge gibt es 54 Kameras auf der Theresienwiese, mit denen die Polizei „fast jede Örtlichkeit auf dem Gelände“ im Blick habe. 36 der Geräte sind heuer erneuert worden; überdies wurde die Servertechnik in der Wiesn-Wache ausgetauscht. Die Kosten insgesamt: 350 000 Euro. „Mit dieser wichtigen Investition wird die Sicherheit auf dem Festgelände weiter verbessert“, gibt sich Joachim Herrmann überzeugt.
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht – das ist uns bewusst.
Joachim Herrmann
Er unterstreicht bei seinem Besuch in der Wiesn-Wache die Bedeutung der Videoüberwachung für die Polizei – ebenso wie deren Präsident Hampel, der betont: „Wir haben jetzt ein wesentlich besseres virtuelles Auge aufs Oktoberfest.“ Konkret komme dieses vor allem in zwei Bereichen zum Einsatz, sagt Schäfer – zum einen bei der „Strafverfolgung im Nachgang“, wenn die Polizei etwa nach einer Schlägerei den Tathergang rekonstruieren und Täter ausfindig machen wolle. Zum anderen komme die Videoüberwachung auch präventiv zum Einsatz – nicht zuletzt beim Thema sexuelle Übergriffe.
Täter können oft frühzeitig dingfest gemacht werden
Beispielsweise blickt eine der Kameras auf die Wiese unterhalb der Bavaria, den sogenannten Kotzhügel, wo oftmals Betrunkene ihren Rausch ausschlafen – mitunter auch Frauen. „Wenn sich dann irgendjemand daneben setzt und seine Hand zu ihr rüberwandert, ist sofort eine Einsatzgruppe zur Stelle“, sagt Schäfer. Ähnlich ist es bei Taschendiebstählen: Auch hier können Täter oft frühzeitig dingfest gemacht werden – dank der Kamerabilder, die Beamte in der Wiesn-Wache kontinuierlich überprüfen.
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„Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht – das ist uns bewusst“, betont Joachim Herrmann. Gleichwohl hätten Polizei und Stadt das Sicherheitskonzept für das weltgrößte Volksfest über die Jahre „immer weiter perfektioniert“. Dass Maßnahmen wie Poller und Absperrungen „richtig und wichtig“ gewesen seien, hätten nicht zuletzt Anschläge in verschiedenen deutschen Städten in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, so der Minister. „Angesichts dieser Erfahrungen konnten wir auch in diesem Jahr nicht auf diese Maßnahmen verzichten.“