Erleichterung pur beim Jahn: Sind die Regensburger jetzt in der 3. Liga angekommen?

Von Rainer Wendl · 28. September 2025 um 19:22

Vier Niederlagen am Stück und ernsthafte Krisen-Anzeichen bestimmten die Lage beim Jahn vor dem Heimspiel am Sonntag. Weil dieses gewonnen wurde, schaut die Welt für den Moment wieder freundlicher aus.

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Als sich die Jahn-Spieler zum Feiern vor der Hans-Jakob-Tribüne aufstellten, drehte die Stadion-Regie den gerade auf voller Lautstärke laufenden Mutmach-Evergreen von der immer wieder aufgehenden Sonne zurück. Udo Jürgens musste leise sein, damit alle die Botschaft des Ultras-Vorsängers an die Mannschaft hören konnten. Sie lautete: „Ihr könnt es, verdammt nochmal!“ Der Rest war Applaus, Jubel und kollektive Erleichterung. Der soeben eingetütete 2:0-Sieg des SSV über den SC Verl ließ massenhaft Felsbrocken von den rot-weißen Herzen fallen. Es war am achten Spieltag dieser Drittliga-Saison erst der zweite dreifache Punktgewinn.

Zumindest in der zweiten Halbzeit hatten die Regensburger dabei tatsächlich gezeigt, dass sie es können. Da spielte die Jahnelf mit Zug nach vorn und Leidenschaft in den Zweikämpfen und wurde letztlich belohnt: In der 81. Minute nickte Robin Ziegele nach Maßflanke von Sebastian Stolze aus kurzer Distanz zum 1:0 ein, in der Nachspielzeit machte Phil Beckhoff den Deckel drauf. Nachdem er vom starken Noel Eichinger schön freigespielt worden war, schob er überlegt ins rechte Eck ein.

Spürbare Verunsicherung

Anschließend kam auch Verls Trainer Tobias Strobl nicht umhin, von einem verdienten Sieg der Hausherren zu sprechen. Er bezog sich dabei ebenfalls vor allem auf die zweite Halbzeit, denn vor dem Wechsel wusste sein Team nicht nur mit einer Ballbesitz-Quote von über 60 Prozent zu gefallen. Die von handgezählten 41 Schlachtenbummlern begleiteten Ostwestfalen wirkten so reif, gefestigt und kompetent für die 3. Liga, wie es der Jahn gerne wäre – aber noch nicht ist.

Denn den Hausherren war nach den Nackenschlägen der letzten Wochen deutlich die Verunsicherung anzumerken. „Die vier Niederlagen stecken in Mannschaft“, meinte Trainer Michael Wimmer und machte dies an zu wenig Mut, schlechter Zuordnung und fehlender Klarheit im Spiel nach vorn fest. So blieb es in den ersten 45 Minuten bei einer einzigen halbwegs gefährlichen Szene, einem Distanzschuss von Adrian Fein. Darüber hinaus habe sein Team zwar einige gute Umschalt-Momente gehabt, befand Wimmer – doch für die Art, wie diese vergeudet wurden, hatte er ein klares Wort parat: „Schlampig.“

Eric Hottmann wird im Strafraum gelegt, doch Elfer gibt es keinen. - Foto: Johannes Gatzka

Der dieses Mal von Beginn an aufgebotene Eric Hottmann sah die Defizite ebenfalls: „Wir wollten eigentlich von Anfang an Druck auf Verl ausüben, aber das ist uns nicht gelungen“, räumte der Stürmer ein. Doch eine Aktion von ihm brachte wenige Minuten nach dem Seitenwechsel Schwung ins Jahn-Spiel: Er umkurvte drei Verler, drang in den Strafraum ein und wurde gelegt. Ein glasklarer Elfmeter, doch der Pfiff von Schiedsrichterin Fabienne Michel blieb aus.

„Ich wäre der blödeste Mensch der Welt, wenn ich mich da fallen lassen würde. Da sage ich einfach nur noch ,Danke‘ und schiebe den Ball rein.

Eric Hottmann, Jahn-Stürmer

Wimmer regte sich über diese Fehlentscheidung so auf, dass er die Gelbe Karte sah, Hottmann selbst konnte auch nach dem Schlusspfiff nur den Kopf schütteln: „Ich wäre der blödeste Mensch der Welt, wenn ich mich da fallen lassen würde. Da sage ich einfach nur noch ,Danke‘ und schiebe den Ball rein“, sagte er und ließ durchblicken, in solchen Situationen den in der 3. Liga nicht existenten Videobeweis zu vermissen.

Die ärgerliche Szene hatte dennoch etwas Gutes, denn jetzt war Feuer auf dem Rasen wie auf den Rängen. Und in der 81. Minute erfolgte tatsächlich die Erlösung: „Wir haben es in der zweiten Halbzeit super gemacht, waren mutiger mit dem Ball und haben uns am Ende belohnt“, bilanzierte Robin Ziegele, der zum Spezialisten für besonders wichtige Tore zu werden scheint: Beim Saisonauftakt in Ingolstadt hatte er den Last-Minute-Ausgleich vorbereitet, jetzt sorgte er gleich selbst für den Dosenöffner. „Ich freue mich, wenn ich der Mannschaft helfen kann“, merkte er dazu bescheiden an.

Schon am Mittwoch geht's weiter

Das ganze Ausmaß der Erleichterung bekam Phil Beckhoff nach seinem 2:0 zu spüren: „Ich habe zehn Sekunden keine Luft gekriegt, weil alle auf mir drauflagen.“ Nach schwierigen Wochen war die Freude eben groß, auch beim Trainer: „Ich bin unfassbar stolz auf Mannschaft. Die Situation war herausfordernd, doch sie hat sich den Sieg erarbeitet und erkämpft.“

Besonders positiv hob Wimmer die dieses Mal vorhandene Robustheit in den Zweikämpfen hervor: „Das ist der Fußball, den man in der 3. Liga spielen muss.“ Bereits am Mittwoch in Osnabrück kann der Jahn zeigen, dass sein Gewöhnungsprozess an diese Spielklasse weitere Fortschritte macht. Seit Sonntag gehört laut Wimmer diese Erkenntnis dazu: „Wir wissen, dass wir auch Spiele gewinnen können.“