Fahrradwegekonzept könnte teuer werden – Ergebnis sorgte bei Schwandorfer Räten für Ernüchterung

Die Stadt Schwandorf hält daran fest, ihr Radwegenetz auszubauen. Dafür wurde das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen aus Aachen beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten. Die für das Unternehmen arbeitende Wirtschaftsgeografin Anne Bresser machte dem Schwandorfer Planungs- und Umweltausschuss in der jüngsten Sitzung Vorschläge, wie das Radwegenetz verbessert werden könnte. Das Ergebnis sorgte bei den Räten für Ernüchterung.
Zuerst stellte Bresser fest, dass in der Großen Kreisstadt „kein flächendeckendes Angebot an sicheren und alltagstauglichen Radverbindungen“ bestehe. Hauptsächlich werde der Fahrradverkehr im Mischverkehr mit knapp 70 Prozent angesiedelt. Ungefähr 14 Prozent des Verkehrs wird laut Bresser über straßenbegleitende gemeinsame Geh- und Radwege geführt, wie in der Regensburger Straße.
Für ihr Konzept griff sie zurück auf eine Bürgerbeteiligung durch eine Online-Umfrage, die im Frühjahr 2025 durchgeführt wurde. Insgesamt kamen dabei 67 Ideen für Schwandorf zustande. In ihrem Vortrag stellte sie die sechs priorisierten Verbindungen für das Radwegenetz jeweils mit Varianten vor.
Verschiedene Varianten
Für die Strecke zwischen Schwarzenfeld und Schwandorf schlug sie den Neubau eines gemeinsamen Geh- und Radwegs über die Krondorfer Straße und Münchshöf vor zum Preis von 2,26 Millionen Euro. Alternativ dazu könnte auch eine Fahrradstraße über Irlaching für 1,39 Millionen Euro in Betracht gezogen werden. Eine Fahrradstraße dient vorrangig dem Radverkehr. Radfahrer dürfen die gesamte Fahrbahnbreite nutzen und auch nebeneinander fahren. Für alle Verkehrsteilnehmer gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde, und der Autoverkehr muss das Tempo an den Radverkehr anpassen.
Für die Verbindung von Haselbach in Richtung Thanheim sieht das Konzept einen neuen Geh- und Radweg über die SAD20 für 1,40 Millionen Euro oder eine Fahrradstraße über Dauching (710.000 Euro) vor. Naabsiegenhofen und Gögglbach könnten über die SAD5 mit einem gemeinsamen Geh- und Radweg (850.000 Euro) oder über Wirtschaftswege, die zu einer Fahrradstraße umfunktioniert werden, für 610.000 Euro für den Radverkehr verbunden werden. Damit Radler sicher von Neukirchen nach Ettmannsdorf-West kommen, schlug Bresser eine Variante über die SAD3 vor. Hierbei soll außerorts ein gemeinsamer Geh- und Radweg gebaut werden; innerorts sollte eine Geschwindigkeitsreduzierung geprüft werden – alles zum Preis von 1,8 Millionen Euro. Eine zweite, günstigere Variante (1,21 Millionen Euro) könnte über Wirtschaftswege, auf denen der Kraftfahrzeugverkehr verboten ist, führen. Auch hier solle innerorts über eine Geschwindigkeitsreduzierung nachgedacht werden – vorzugsweise auf Tempo 30.
Durch die Kreuzbergallee führt ein kombinierter Geh- und Radweg, der die Galgengasse mit der Winterbergstraße verbindet. Er könnte für 90.000 Euro zu einer reinen Fahrradstraße ausgebaut werden, so die Gutachterin. Aber auch eine teurere Variante (250.000 Euro) über die Wackersdorfer Straße mit einer abschnittsweise einseitigen Ausbaumaßnahme und in Kombination mit Schutzstreifen für Fahrradfahrer stellte Bresser vor.
Schwierig gestalte sich das Netz zwischen der Innenstadt und der Steinberger Straße bis zur Hans-Kraus-Allee. In den Straßen sei links und rechts zu wenig Platz für einen Radweg (40.000 Euro). Die alternative Variante über die Sand- zur Hoher-Bogen-Straße wäre teuer, der Ausbau dieses Abschnitts zur Fahrradstraße würde 460.000 Euro kosten.
Räte äußerten Bedenken
Bei den Stadträten sorgte das Konzept für Ernüchterung. 2. Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU), der die Sitzung leitete, sprach die beachtlichen Kosten mit Blick auf den Haushalt der Stadt an. Oftmals sei aber auch die Herausforderung, dass Grundbesitzer nicht bereit seien, Teile ihrer Flächen abzugeben, und deswegen seien Fahrradwege oft nicht realisierbar.
Wenn wir den Grund nicht kriegen, können wir keinen Radweg bauen.
Andreas Wopperer, 2. Bürgermeister der Stadt Schwandorf
Zudem äußerten Hans Sieß (CSU) und Andreas Weinmann (SPD) Bedenken hinsichtlich des Ausbaus von Wirtschaftswegen. Sie befürchteten, dass die Veränderung der Bodenbeschaffenheit Nachteile für den landwirtschaftlichen Verkehr mit sich bringen würde. Alfred Damm (ÖDP) setzte auf den politischen Willen: „Wenn wir das umsetzen wollen, dann können wir das Konzept nach und nach umsetzen.“
Die Stadträte stimmten einstimmig dafür, die weitere Bearbeitung der Vorschläge an den Verkehrsausschuss abzugeben.
So schnitt die Stadt beim Fahrradklima-Test 2024 ab
• Ergebnis: Schwandorf hat sich 2024 erstmals für die offizielle Auswertung des bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Tests qualifiziert. Laut einer Mitteilung des ADFC Schwandorf gilt die Große Kreisstadt bei den Teilnehmern der Befragung als fahrradunfreundlich, unübersichtlich und unsicher.
• Konflikt: Laut der Auswertung kommt es zwischen allen Verkehrsarten zu Konflikten. Radfahrer, der Kfz-Verkehr und Fußgänger müssten sich den Raum oft teilen. Ein weiteres Problem seien dabei abrupt endende Radwege, unklare Übergänge und eine insgesamt fehlende Radwegführung.
• Hintergrund: Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die weltweit größte Umfrage zur Zufriedenheit von Radfahrern. Er wird alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt. Zwischen September und November 2024 nahmen bundesweit rund 213.000 Menschen teil.