Das Mittelmaß aller Dinge

Von Mittelbayerische Zeitung · 12. September 2025 um 21:31

Eigentlich ist es ein Problem, das wir gerne hätten: Es soll gebaut werden in Cham. – Aber wie? Der Stadt wachsen die Baupläne über den Kopf. Und ihren Bürgern auch. Immer höher und immer größer werden die Ideen der Investoren. Vier, fünf, sechs Stockwerke hoch soll der Neubau sein und gut gefördert.

Daneben stehen fassungslos die benachbarten Bewohner von Einfamilienhäusern und sehen ihre Zukunft zugeparkt, mit zu kleinen Kanälen und zuviel Verkehr für die Straße, deren Breite geplant wurde, als der Golf noch kein SUV war und noch nicht jeder Schüler ein 45 kmh-Wagerl kutschierte.

So wird das keine Nachbarschaft.

Dabei ist es wichtig, die Stadt nachzuverdichten, um den ungehemmten Grundverbrauch einzudämmen. Doch es ist im wahrsten Sinne des Wortes schwer geworden, hier ein Maß zu finden. Denn plötzlich ploppen wirklich gewagte Ideen auf: Ist der First der benachbarten Kirche das Maß aller künftigen Planungen? Oder der Frey, den man von der Baulücke im Tal aus noch sehen kann? Das ist keine abwegige Überlegung. Das sind reale Debatten, die bitterbös-baurechtlich in der Stadt Cham schon geführt worden sind.

Früher hat die Stadt ihre Gewerbegebiete an die Wohngebiete grenzen lassen und sich damit Prozesse ins Haus geholt. Nun drohen in Wohngebieten mit Einfamilien-Bebauungsplänen riesige Investorenbauten. Gelockt wird mit Wohnraum, gedacht wird an die Rendite.

Das ist grundsätzlich nicht verwerflich, aber wird es sich am Ende wirklich rechnen? Schon sitzen die ersten Investoren mit hochfliegenden Plänen auf dem Trockenen, weil die Stadt mehrere Veränderungssperren verhängt hat. Dann geht nichts mehr für jeden, der größer bauen will als vorgesehen. Und zwar mindestens zwei Jahre lang.

Bis dahin checkt die Stadt – zurecht – über Gutachten die Problemlage ab: Parkplätze, Kanal, Grünflächen, Verkehr, Oberflächenversiegelung... Und ein hohes Gut wird dabei gerne übersehen: Frieden in der Nachbarschaft. Schön, wenn die Debatte dorthin führen würde, wo mancher so ungern hin will: ins Mittelmaß.