So wird in der Mosterei Hemau aus den Äpfeln und Birnen der Region Saft gemacht

500 000 Liter Saft presste die Familie Eichenseer in der Rekordsaison in ihrer Mosterei in Hemau. Diese Marke werden sie in diesem Jahr wohl nicht knacken können. Mit-Gründer Josef Eichenseer führt durch den Betrieb und erklärt, wie eigentlich das Obst vom Baum zum Saft in der Flasche wird.
Wenn Kunden mit ihrer Ernte anrücken, bleibt Eichenseer und dem Personal keine freie Minute. Der Rentner ist dann entweder mit der Annahme des Obsts, der Reinigung oder an der Abfüllanlage beschäftigt. Die Kasse liegt in der Obhut seiner Frau Renate. Ein weiterer Mitarbeiter bedient die Presse.
500 000 Liter Saft im Rekordjahr hergestellt
Die Herstellung des Safts verlangt dem fünfköpfigen Team viel Zeit und Anstrengung ab – besonders, wenn die Ernte gut ausfällt. Eichenseer erklärt: „Wir fangen meistens um 8 Uhr an und pressen bis 17 oder 19 Uhr. Wenn es viel Obst gibt, bringen die Kunden oft mehr als angemeldet. Dann arbeiten wir auch mal bis 21 oder 22 Uhr.“
Die Anzahl der Kunden pro Tag steht für die Familie Eichenseer aber fest. Über ihre Webseite oder per Telefon vergeben sie Termine – ohne Anmeldung kein Saft. Je nach Nachfrage geben sie weitere Tage frei. An einem Tag bedienen sie etwa 60 Kunden, die aus einem Umkreis von 40 Kilometern ihr Obst anliefern, sagt Eichenseer.
Offiziell mit der Saftherstellung begonnen hat die Mosterei in diesem Jahr am 30. August. Nun kommt die Saison erst so richtig ins Rollen. Bis Anfang November werden die Maschinen laufen, vermutet Eichenseer. In den vergangenen Jahren hätten sie einmal sogar an 55 Tagen gepresst. In ihrem Rekordjahr füllten sie rund 500 000 Liter Saft ab. „Das ist eben von Jahr zu Jahr unterschiedlich.“

In wenigen Minuten trinkfertig und bereit zum Mitnehmen
In diesem Jahr erwartete Eichenseer zunächst eine gute Ernte, weil es „unwahrscheinlich viel“ Obst gebe. Allerdings stelle er nun fest, dass dieses schon vom Baum herunterfalle, bevor es reif ist. In seinem Garten tragen derzeit nur zwei von zehn Bäumen Früchte. Aber auch die Erntezeit hätte sich etwas verzögert: „Die Früchte sind heuer einfach noch nicht so reif. Unreifes Obst gibt keinen gescheiten Saft. Der ist trüb, milchig und schmeckt nicht gut.“
Verarbeitet werden in der Mosterei der Familie Eichenseer Äpfel und Birnen sowie gegen Ende der Saison auch Quitten. Eine Mindestmenge müssen ihre Kunden – außer bei der Heißabfüllung der Quitten – nicht anliefern, sagt Eichenseer. „Es gibt Leute, die nicht viel Obst haben. Die lehnen wir trotzdem nicht ab. Wir verarbeiten alles, was kommt.“ Gepresst wird ausschließlich Obst, das die Kunden selbst mitbringen. Ihr Saft ist schon nach wenigen Minuten fertig. Für Eltern mit Kindern und für Kindergartengruppen sei das ein Erlebnis.
Nun ist die Anlage komplett und alles läuft perfekt.
Josef Eichenseer
Den Rentner erfüllt es, seine Kundschaft glücklich zu sehen, aber vor allem die Technik hat es ihm angetan. Als das Ehepaar die Mosterei vor knapp zehn Jahren übernahm, hat Eichenseer viel Geld in die Maschinen investiert. Allein die Erneuerung der Filteranlage habe rund 25 000 Euro gekostet. Er findet: „Nun ist die Anlage komplett und alles läuft perfekt.“
Mobile Mosterei fährt durch Schwandorf, Nittenau und Regensburg
In der Mosterei Fuchs in Eitlbrunn läuft der Betrieb ebenso seit dem 30. August. Christoph und Georg Fuchs verarbeiten hauptsächlich Birnen und Äpfel ab einer Menge von 50 Kilogramm. An ihrem Standort in Eitlbrunn pressen sie immer freitags Saft. Donnerstags und samstags sind sie mit ihrer mobilen Mosterei in Schwandorf und Nittenau unterwegs. Den Betreibern ist es wichtig, ein Zeichen für den Erhalt von Streuobstwiesen zu setzen.
Am Presstag sollte das angelieferte Obst bereits gewaschen und sortiert sein. Der Saft wird direkt vor Ort gepresst, pasteurisiert und in Bag-in-Boxen abgefüllt. Der fertige Saft kann entweder gleich mitgenommen oder zu einem späteren Zeitpunkt abgeholt werden. Dieser ist ungeöffnet bis eineinhalb Jahren haltbar.
Obst pflücken: Zur Mosterei der Familie Eichenseer müssen Kunden ihr eigenes Obst mitbringen. In vielen Gemeinden dürfen Passanten auch Früchte von Bäumen mit gelb markiertem Bändchen pflücken.
Diese Stationen durchläuft das Obst auf seinem Weg zum Saft
■ Sortieren und Waschen: Bei dem Betrieb angekommen werden die Äpfel, Birnen oder Quitten zunächst auf das Förderband gelegt. Dabei werden faulige Äpfel aussortiert. Anschließend fallen die Früchte in ein Wasch-Sprudelbad. Was sich nach einer Wellnessbehandlung anhört, dient dazu, das Obst zu reinigen und die Qualität sicherzustellen. Von dort werden die Früchte über den Schrägaufzug in die Mühle befördert. Eine Sprühdüse wäscht das Obst erneut.


■ Pressen und Filtern: Dann läuft die Maische in die Bandpresse ein. Anschließend fließt der Saft in ein rotierendes Sieb sowie einen Filter mit Feinlochblech, um den Saft möglichst rein zu bekommen. Über eine Pumpe läuft der Saft in Fässer, die mit den Kundennamen versehen sind. Die letzte Station ist der Wärmetauchsieder, wobei der Saft bei 80 Grad Celsius pasteurisiert wird.


■ Abfüllen: Abschließend wird der Saft in drei-, fünf- oder zehn-Liter-Beutel oder in mitgebrachte Flaschen abgefüllt. Die Beutel werden noch in Kartonboxen verpackt. Seit letztem Jahr gibt es die Möglichkeit, seinen Saft in Drei-Liter-Standbeutel abfüllen zu lassen.

