Erst der Pieks, dann die Maß: Oktoberfest-Fans können sich gegen Grippe impfen lassen

Von David Santl · 12. September 2025 um 05:00

Erst wird München von Millionen Oktoberfest-Besuchern überrollt – und anschließend von einer Grippewelle. Dieses Phänomen ist so traditionell, dass es einen eigenen Namen hat: Wiesngrippe. Dagegen kann man sich jetzt impfen lassen. Es gibt aber noch weitere Schutzmöglichkeiten.

Video ansehen

Viele Oktoberfest-Fans tauschen nach dem Ende der Wiesn also die Bierbank gegen das Bett oder den Maßkrug gegen eine Tasse Kamillentee. Eine schöne Vorstellung ist das für die wenigsten. Das weiß auch Ingo Beer von der Marien-Apotheke in München. Aus diesem Grund bot die Apotheke vor Kurzem eine zweitägige Impf-Aktion speziell zur Wiesngrippe an. „Es sind einige Leute gekommen, die einfach gern aufs Oktoberfest gehen oder auch dort arbeiten. Sie wollen sich schützen, damit sie nach der Wiesn nicht tagelang krank im Bett liegen“, berichtet Beer.

Für die Grippe in der Wintersaison kann man sich ab Oktober oder November impfen lassen. „Heuer kam der Grippeimpfstoff früher. Dann hat sich das also angeboten“, sagt der Apotheker aus München über die Aktion. Pünktlich vor der Wiesn, die heuer vom 20. September bis zum 5. Oktober dauert, holte sich auch Prof. Christoph Spinner die Impfung. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie am TUM Klinikum rechts der Isar. Auch aus seiner Sicht ist die Wiesngrippe kein Mythos, sondern real: „Tatsächlich zeigen Studien und Untersuchungen im Rahmen großer Volksfeste mit vielen Menschen in engen Zelten eine Zunahme saisonaler Atemwegserkrankungen“, erklärt Spinner auf Anfrage.

Professor Christoph Spinner ließ sich selbst gegen die Wiesngrippe impfen. - Foto: B. Claße, TUM Klinikum

Die sogenannte Wiesn-Grippe im Kontext des Oktoberfestes habe es schon immer gegeben. Das sei im Grunde auch erwartbar. Denn schließlich kämen viele Menschen von überall her auf engem Raum in einem wenig belüfteten und dampfigen Festzelt zusammen. „Das sind ideale Ausbreitungsbedingungen für Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen“, sagt Spinner. Da der Schutz der Impfung erst nach einer bis zwei Wochen einsetzt, kommt es laut Spinner auch darauf an, sich rechtzeitig im Vorfeld impfen zu lassen.

Weiterer Tipp: Maßkrüge abwischen

Die Impfung ist aber nicht der einzige Weg, um nach dem Volksfest die Grippe zu verhindern. Spinner empfiehlt auch eine ausgewogene Ernährung und generell einen gesunden Lebensstil. Insgesamt sieht Spinner die Chance, dass man im Kontext des Oktoberfestes generell für Schutzimpfungen werben kann – nicht zuletzt seit der Corona-Pandemie. „Neben Influenza kann man sich jetzt auch gegen Covid-19 impfen lassen“, sagt er. Eine Impfung würde das Risiko einer symptomatischen Erkrankung um ungefähr die Hälfte senken.

Auch Ingo Beer von der Marienapotheke betont, dass die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz biete. Er empfiehlt außerdem, sich regelmäßig die Hände zu desinfizieren und den Maßkrug abzuwischen. In seiner Apotheke bekommen Kunden jedenfalls auch andere Dinge, um sich vor der Wiesngrippe und anderen Nachwirkungen des Oktoberfests zu schützen: Vitaminpräparate zum Beispiel, Herpescreme, Nasenspray – oder auch Kondome.