Neue Klasse von BMW: Das ist die Hoffnung der Autobranche

Von Markus Schwarz · 5. September 2025 um 20:00

Die Neue Klasse von BMW soll eine neue Ära der Autoproduktion in Deutschland prägen. Nun wurde das erste Modell dieser Klasse vorgestellt.

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Nächsten Dienstag beginnt die IAA Mobilitiy, die große Automesse, inzwischen im zweijährigen Rhythmus in München zu Hause. Eigentlich. Denn die Pressevertreter sind schon am Montag geladen. Mercedes-Benz hat den Veranstaltungsreigen überholt und startet sein Programm bereits am Sonntagabend; der Volkswagenkonzern hat sich auf den Sonntagnachmittag und Samstagabend vorgedrängelt.

Und BMW noch eins draufgelegt: Am Freitagmittag bereits wartete der Münchner Konzern mit einem der IAA-Highlights auf: In der Nähe des Münchner Messegeländes wurde die sogenannte Neue Klasse der Öffentlichkeit vorgestellt. Drei Tage, nachdem die Ingolstädter Volkswagentochter Audi ihr zukunftsträchtiges Concept-C-Auto in Mailand präsentiert hatte.

Präsentation des iX3 wird zelebriert

Während Audi aber noch in den Konzept-Schuhen steckt (wobei das fertige Auto am Ende dann nahezu so wie präsentiert aussehen soll), zeigt BMW dem Publikum bereits das finale Modell: den iX3. Bereits ab Herbst soll der neue iX3 im BMW-Werk im ungarischen Debrecen vom Band laufen. Im Frühjahr 2026 können dann die Kunden die ersten Modelle vom Händlerhof fahren. Hoffentlich mit Begeisterung. Denn der iX3 als erstes Modell der sogenannten Neuen Klasse trägt die Hoffnungen einer ganzen Branche auf seinen vier Rädern. Schon vor seiner Vorstellung am Freitag wurde in Branchenmedien und darüber hinaus viel spekuliert, ob und wie dieses Modell die deutsche Autoindustrie wieder in Richtung Erfolg lenken könnte.

Die Konkurrenz aus China, die politischen Vorgaben vor allem auf EU-Ebene, die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland machen den Autoherstellern, lange Jahrzehnte Vorzeigeunternehmen und Erfolgsgaranten, seit dem Beginn der 2020er Jahre das Leben schwer. Die Neue Klasse von BMW soll nun – so wurde es immer wieder beschworen – weniger ein neues Kapitel aufschlagen, mehr schon eine Ära wenn nicht eine neue Zeit prägen. Entsprechend groß wurde die Vorstellung des iX3, des ersten Autos aus dieser Klasse, zelebriert.

Rund 600 Gäste aus aller Welt

Rund 600 Gäste aus aller Welt, vor allem Journalisten aus Australien bis Kanada, aus Brasilien bis Japan, offensichtlich relativ viele aus Indien und China, konnten sich ein Bild machen; entsprechend euphorisch gab sich BMW-Chef Oliver Zipse, der das Auto selbst der Öffentlichkeit präsentierte. Natürlich wird Englisch gesprochen. „Time is right“, tut Zipse kund, „groundbreaking“ sei das neue Modell, „bahnbrechend“ also, und die Zeit dafür sei reif gewesen. Denn im Windschatten der Neuen Klasse wollen BMW, aber mit ähnlichen Konzepten auch die anderen deutschen Autohersteller ihren Status als führende Weltmacht der Automobilindustrie zurückgewinnen.

Der Innenraum des iX3: Eine Anzeige hinter dem Lenkrad, also den klassischen Tacho, gibt es bei diesem BMW-Modell nicht mehr. - Foto: AFP

Zum einen gilt das für die Technik: Der iX3 fährt elektrisch; den Angaben von BMW zufolge bis zu 800 Kilometer weit. In der Realität – das zeigt die Erfahrung – sind es meist viel weniger als unter den wenig realistischen Testbedingungen; dennoch käme man so zumindest in Schlagdistanz zu den Verbrennermodellen. Außerdem soll sich das Modell in zehn Minuten um eine Reichweite von 372 Kilometern aufladen lassen – natürlich, wenn man eine entsprechend starke und freie Ladesäule findet.

Verbaut sind vier sogenannte „Superbrains“, Recheneinheiten, die unter anderem die Steuerung, die Straßenlage, die Bremswirkung und so weiter steuern und so dem Fahrer zu mehr Sicherheit und Präzision verhelfen. Immer wieder wird betont, dass man auch mit der neuen Auto-Generation dem Mann und der Frau am Steuer weiterhin dem alten BMW-Wahlspruch gemäß „Freude am Fahren“ bereiten will. Doch sollte man dazu auch eine Freude an technischen Spielereien entwickeln.

„Symbiotische Bremse“

Ein Beispiel: die sogenannte „symbiotische Bremse“. Sie sorgt dafür, dass man auch ein bisschen bremsen darf, wenn das Auto mittels Tempomat selbstständig vorankommt, ohne dass man sofort nach einem kurzen Bremsvorgang den Tempomat neu justieren muss. Bei der Parkplatzsuche hilft die Künstliche Intelligenz, ständig auf dem Laufenden über sein Auto hält einen die BMW-App, unglaublich viele Details kann sich der Fahrer individuell voreinstellen, noch mehr direkt über das Lenkrad steuern.

Wer ein Lenkrad heute nur noch zum Lenken nutzt, nutzt auch ein Handy nur zum Telefonieren. Mit dem iX3 und der Neuen Klasse will BMW zeigen: Man kann auch beim Software-defined-vehicle, beim Auto, das von der Software her konzipiert ist, in Deutschland Standards setzen.

Design lehnt sich an Sechziger Jahre an

Das will man auch – zum anderen – beim Design. BMW-Chefdesigner Adrian von Hooydonk nimmt bei der iX3-Vorstellung immer wieder die Worte „clear“ und „clean“ in den Mund – beides lässt sich mit „klar“ übersetzen. Um die alten BMW-Fans ins Boot zu holen, erinnert nicht nur die Bezeichnung „Neue Klasse“ (die gab es bei BMW auch schon ab 1961) an die Sechziger Jahre, sondern auch das Design. Die klassische „BMW-Niere“ an der Autofront ist nun wieder senkrecht ausgerichtet, die Formensprache ist flächiger, kantiger, klarer als bei den Vorgängermodellen. Innen fällt als erstes ins Auge, dass es keine Anzeige mehr hinter dem Lenkrad gibt – für die Älteren unter uns: Wo früher der Tacho war. Die Informationen gibt es nun auf dem Bildschirm neben dem Lenkrad und auf einem Display-Band unter der Frontscheibe.

BMW-Chef hat Überraschung parat

Dennoch: „So viel hat sich auf den ersten Blick beim Äußeren gar nicht verändert“, meint ein Fachjournalist, als er das Fahrzeug begutachtet: „Wenn ich ehrlich bin, habe ich es mir den ersten Bildern zufolge, die man gesehen hat, nicht so schick vorgestellt.“ Der Vertreter eines Computerkonzerns lobt die moderne Technik des Autos – aber sein Preis bereitet ihm ein wenig Kopfzerbrechen, wie er sagt: „Fast 70.000 Euro soll das Auto kosten. Ob man mit so einer Summe einen Run auf deutsche Autos auslöst?“

Allerdings hat BMW-Chef Zipse am Freitag noch eine Überraschung parat: Kurz wird auch das klassische 3er-Modell von BMW in seiner Neue-Klasse-Version gezeigt. Noch als Erlkönig getarnt, aber mit der Versicherung Zipses, dass die Neue Klasse von BMW nicht für eine Nische gedacht ist, sondern für alle BMW-Fahrer. Dieses Modell soll ab 2026 in München vom Band rollen.

Der elektrische Motor des neuen iX3 wurde in München gezeigt. - Foto: Markus Schwarz