„Wir haben Wurzeln geschlagen“: Drei Geflüchtete und ihre erfolgreichen Neuanfänge

Von Isolde Stöcker-Gietl · 29. August 2025 um 17:25

Ostbayern ist ihnen zur neuen Heimat geworden: Humam Sari, Hamza Majdoulin und Giwan Gental erzählen, wie sie in der Region Fuß gefasst haben. Eigeninitiative, aber auch Unterstützung vor Ort, sind das Erfolgsgeheimnis.

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■ Humam Sari: Ein Master-Studium, eine Familie und ein eigenes Haus: Als Humam Sari 2014 aus Syrien über die Türkei nach Deutschland flüchtete, lagen solche Wünsche in weiter Ferne. „Die ersten Monate waren sehr schwierig – ich musste auf meinen Aufenthaltstitel warten. Aber ich wollte keine Zeit verlieren. Also begann ich, mir selbst Deutsch beizubringen.“ Sprache, sagt Sari, sei entscheidend, um Fuß zu fassen. Der Jugendmigrationsdienst (JMD) Regensburg habe ihn unterstützt – etwa beim Antrag für ein Sprach-Stipendium. 2019 machte Sari seinen Master im Bereich Bauingenieurswesen. Heute lebt er mit Frau und Tochter (4) im Umkreis von Regensburg und arbeitet in der Bauprojektleitung. Nächster Schritt: Die Promotion. Ohne Eigeninitiative und ohne die Unterstützung von Menschen und Organisationen wie JMD oder CampusAsyl hätte er das nicht geschafft, betont Sari, der seit 2021 eingebürgert ist. „Mit der richtigen Hilfe ist vieles möglich – auch wenn der Weg nicht immer leicht ist.“

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■ Hamza Majdoulin: Auf der Suche nach Sicherheit und einer Zukunft für ihre drei Kinder habe sie, wie viele syrische Mütter, ihr zerstörtes Heimatland verlassen, sagt Hamza Majdoulin. Mit 48 Jahren wagte sie 2015 die gefährliche Reise über die Türkei, Griechenland, Serbien und Österreich. Nach einem Monat hätten sie Deutschland erreicht. In einer Schule fand die Familie für drei Monate Unterkunft – und, was Hamza Majdoulin besonders wichtig ist: „Diese Zeit nutzten wir, um die Sprache zu lernen – denn die Sprache ist das Fundament für ein würdevolles Leben.“ Die Familie hat heute die deutsche Staatsbürgerschaft, Hamza Madoulin arbeitet als Arabisch Dozentin an der OTH Regensburg und als Islamlehrerin an staatlichen Grundschulen, ihre Kinder studieren oder machen eine Ausbildung. Sie wolle Danke sagen an diejenigen Menschen, die ihr auf dem nicht einfachen Weg beigestanden haben. „Der Baum, der mit seinen Wurzeln herausgerissen wurde, hat neue Wurzeln geschlagen.“

■ Giwan Gental: Im Jobcenter in Cham berät Giwan Gental Menschen zu beruflichen Perspektiven. Auch er selbst stellte vor zehn Jahren sein Leben auf ein neues Fundament. 2015 brach er mit Frau und Kindern, die erst wenige Monate und zwei Jahre alt waren, nach längerem Aufenthalt in der Türkei nach Europa auf. „Weil es dort keine Perspektive gab.“ In Syrien hatte der 41-Jährige, der kurdischstämmig ist, studiert und war im Lehrerdienst. Als er zum Militär eingezogen wurde, flüchtete er. In der Oberpfalz sieht sich Gental angekommen. Seine inzwischen drei Kinder sprächen Dialekt, die beiden Älteren besuchen im kommenden Schuljahr das Gymnasium. „Wir geben alles, damit sie eine gute Ausbildung bekommen.“ Seit 2022 hat die Familie die deutsche Staatsbürgerschaft und wurde sesshaft im eigenen Haus. Die größte Herausforderung in Deutschland war neben der Sprache der Führerschein, blickt Gental zurück. „Den braucht man in Aleppo nicht, im Landkreis Cham aber schon.“